Nachrichten

02.09.2010
An die Zukunft denken
Euro
In den nächsten vier Jahren sollen in Deutschland rund 80 Milliarden Euro eingespart werden. Ein neues Gesetz soll den Weg für den Sparkurs der Bundesregierung frei machen. »
01.09.2010
Immer noch Ausbildungsplätze frei!
BIZ
Wer bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte sich schnell bei einer Bundesagentur für Arbeit in seiner Nähe melden. »
31.08.2010
Globalisierung gestalten!
Logo
Unter diesem Motto steht der teamGLOBAL Jugendkongress 2010. Schwerpunkt ist in diesem Jahr Lateinamerika. Er startet am 31. Oktober, anmelden könnt ihr euch noch bis zum 23. September. »

20 Jahre Deutsche Einheit


 

Video-Podcast

 

Wann und Wo?

September 2010
MoDiMiDoFrSaSo
303112345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930123

Newsletter


 
Top-Thema 2008 | November | Forschung & Wissenschaft (Nr. 63)

Leidenschaft Gehirn

Ein Ausflug in die Welt der Neurowissenschaften.

Wie arbeitet das Gehirn? Wo werden Erinnerungen gespeichert? Warum lieben wir? Wie entsteht Parkinson und können wir es heilen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigen sich Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler. Ich bin auf dem besten Wege, eine zu werden - an der Berliner Charité.

Eigentlich wären ja noch Semesterferien. Aber nun sitze ich hier, umringt von zwölf anderen wissbegierigen Forscherpersönlichkeiten, die nichts Geringeres erfahren wollen als die Funktionsweise unseres Gehirns. Unsere Gruppe ist bunt gemischt, wir kommen aus den USA, Brasilien, Indonesien, der Schweiz, der Türkei und aus Deutschland. Die eine studierte zuvor Physik, der andere Biochemie, die nächste Psychologie, ein anderer wiederum Medizin, und ich schließlich reihe mich mit Biologie ein. Wir alle haben ein Ziel: Neurowissenschaftler zu werden und unser Nervensystem zu erkunden. Auf der Suche nach Antworten, die uns verstehen lassen, wie wir Menschen funktionieren und um bislang unheilbare Krankheiten therapieren zu können. Darum fiel unsere Wahl auf den Masterstudiengang Medical Neurosciences an der Charité Berlin.

Einzigartiger Studiengang

Der Studiengang, der bereits seit dem Jahr 2002 existiert, richtet sich an ambitionierte Studierende mit einem ersten Abschluss in Naturwissenschaften, Medizin oder Psychologie. Die Kernidee ist es, uns zu Neurowissenschaftlern auszubilden, die an der Schnittstelle zwischen Forschung im Labor und der klinischen Umsetzung der Ergebnisse agieren. Dieser Schwerpunkt ist trotz der großen Anzahl europäischer Studiengänge im Bereich der Neurowissenschaften recht einzigartig. Allein Regensburg bietet ein Masterprogramm mit einem ähnlichen Fokus an. Ein eigenes Stipendienprogramm ermöglicht es einigen Studierenden, den Masterstudiengang ohne Nebentätigkeit zu absolvieren. Andere Möglichkeiten zur Finanzierung bieten die Stipendien verschiedener Stiftungen sowie der Bezug von BAföG. Die Bedarfssätze sind zum Wintersemester 2008/2009 um zehn Prozent gestiegen, die Freibeträge vom Einkommen der Auszubildenden, ihrer Ehegatten und Eltern jeweils um acht Prozent. Der Förderungshöchstsatz beträgt damit 643 Euro.

Das Studium ist komplett in Englisch und umfasst zwei Jahre, in denen die theoretische und praktische Ausbildung sowie die Masterarbeit enthalten sind. Mit den in Deutschland bekannten regulären Vorlesungszeiten und vorlesungsfreien Zeiträumen wird gebrochen. So starten wir vor Beginn der "normalen" Vorlesungszeit mit einem intensiven Vorlesungsblock über fünf Wochen und anschließend einer Woche Vorbereitung auf die jeweilige Abschlussklausur.

Weites Feld

Insgesamt gibt es drei thematische Blöcke, die einen Überblick über das gesamte Feld der Neurowissenschaften geben sollen. Der erste Block, Grundlagen der Neurobiologie, startet im September jeden Jahres. Gespannt saugen wir Informationen über Anatomie, Signalübertragung und Plastizität unseres Nervensystems auf und diskutieren über verschiedene Aspekte unserer so unterschiedlichen Hintergründe. Wie kann ich mir das Feuern von Neuronen vorstellen? Wieso gibt es Nervenzellen, die beim Anblick bestimmter Personen aktiv werden? Im zweiten Block geht es um Neuropathophysiologie. Hier lernen wir, wie sich die Verhaltensweise des Nervensystems durch eine Funktionsstörung verändert. Dabei werden Immunreaktionen, das Absterben von Nervenzellen, Altern, Schlafen und vieles mehr betrachtet. Im letzten Block werden wir uns mit klinischen Neurowissenschaften beschäftigen, also neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen, wie beispielsweise Epilepsie, Schlaganfall oder Schizophrenie. Viele von uns träumen schon jetzt davon, eines Tages die Ursache einer Krankheit zu finden und eine Therapie entwickeln zu können, die vielen Menschen das Leben wieder lebenswerter macht.

Ab ins Labor!

Nach den theoretischen Blöcken finden Vorlesungen über neurowissenschaftliche Methoden im ersten und zweiten Semester statt. Diese Methoden wenden wir in unseren drei "Lab Rotations" an, das sind drei Laborpraktika, die wir in selbst gewählten Arbeitsgruppen absolvieren können. Dort erhalten wir erste Eindrücke von der Arbeit als Wissenschaftler und können uns ein Labor für unsere spätere Masterarbeit suchen. Wir sind hautnah dabei, wenn es darum geht, Forschung zu betreiben und herauszufinden, dass es beispielsweise nicht nur Nervenzellen im Gehirn gibt, sondern auch sogenannte Gliazellen. Diesen wurde früher nur die Aufgabe eines "Klebers" beigepflichtet. Dabei sind sie mehr als das: Ohne sie könnten Nervenzellen keine Signale übertragen; sie könnten schlichtweg nicht funktionieren. Was genau die Funktionen dieser Zellen sind, ist eine der vielen Fragen, die es noch zu entschlüsseln gilt.

Soft Skills und Individualität

Neben diesen Modulen gibt es noch zwei weitere: das eine beschäftigt sich mit dem Erwerb sogenannter Soft Skills. Das andere Modul gibt uns die Freiheit, unseren individuellen Fokus zu setzen, Seminare und Kurse zu besuchen, die bestimmte Fähigkeiten weiterentwickeln oder die einem bestimmten Forschungsthema gewidmet sind. So beschäftigt sich eine meiner Kommilitoninnen damit, wie man ein neuronales Netz am Computer simulieren kann. Ein anderer Kommilitone befasst sich damit, wie Schmerzen entstehen und behandelt werden können. Mich fasziniert, wie bestimmte Faktoren das Wachstum von Zellen im Gehirn beeinflussen: Können wir Zellen wieder zurückprogrammieren, sodass sie als Stammzellen fungieren und dann vielfältig einsetzbar sind? Nach Ende des zweiten Semesters und dem abgeschlossenen letzten theoretischen Block wählen wir uns einen Schwerpunkt und haben knapp ein Jahr lang Zeit, an einem Projekt zu forschen und darüber schließlich die Masterarbeit zu schreiben.

Gute Aussichten

Nach dem Master in Neurowissenschaften möchte ich in die Forschung gehen. Das bedeutet, dass ich eine etwa dreijährige Doktorarbeit anschließen werde, um meinem Ziel, eine Therapie für eine neurologische Erkrankung zu entwickeln, immer näher zu rücken. Berlin und die Charité sind dafür ein gutes Pflaster. Neben Instituten der Charité sind auch das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch, die Berlin School of Mind and Brain und das Bernstein Center For Computational Neuroscience Berlin vor Ort. Außerdem sind in der Stadt verschiedene Max-Planck-Institute sowie das Stroke Research Center angesiedelt. Wer nicht in die Forschung möchte, dem stehen auch andere Wege offen: Sie reichen von Jobs in der Pharmaindustrie über den Wissenschaftsjournalismus und das Patentrecht bis hin zu Jobs in Beraterfirmen für Unternehmen. Aber egal, ob ihr euch aktiv oder passiv damit beschäftigt: Lernt euer Gehirn kennen und nutzt es, um eure Ziele zu verwirklichen.

Marietta Zille, 21 Jahre alt, Studentin, Berlin