Landwirtschaft hat heute mehr mit Technik zu tun, als ihr glaubt. Der Name eines besonders fortschrittlichen Programmes klingt wie ein mp3-Player: iGreen. Schekker erklärt, was dahinter steckt.
Der Landwirt, der alleine auf seinem Acker steht, das Wetter beobachtet und Entscheidungen an Hand alter Bauernregeln fällt, stirbt aus. Er produziert zu wenig und zu ineffizient, seine althergebrachte Technik ist überholt. Stattdessen: Große Bauernhöfe, der Landwirt als Unternehmer. Damit werden Entscheidungen heute zunehmend komplizierter.
Die Wissensplattform iGreen soll hier Abhilfe schaffen. Das im April 2009 begonnene Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis 2012 mit einem Volumen von 14 Millionen Euro gefördert. Koordiniert wird das Projekt vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern.
Ein mobiler Entscheidungsassistent
Was aber ist iGreen? iGreen ist ein mobiler elektronischer Entscheidungsassistent. Er soll den Bauern ermöglichen, auf dem Feld schnell auf Informationen zurückzugreifen: Bodenqualität, Pflanzen, Schädlingsbefall, Regen-, Sonnenschein- oder Temperaturprognosen. Diese Daten, die über internetfähige Mobiltelefone oder GPS-gestützte Bordrechner abgerufen werden können, helfen dann bei Entscheidungen, die direkt auf dem Feld getroffen werden müssen.
Ein Wissensnetz für Bauern und Lohnunternehmer
Allerdings wendet sich iGreen nicht nur direkt an die Landwirte, sondern vielmehr auch an so genannte landwirtschaftliche Lohnunternehmen. Da sich für die kleineren unter den großen Landwirten ein eigener Fuhrpark nicht lohnt, beauftragen sie Lohnunternehmen mit der Feldarbeit. Die kennen natürlich die Verhältnisse vor Ort nicht so gut. Deshalb muss der Auftraggeber ihnen genau sagen, was sie wo zu tun haben – wie viel Dünger, Insektizide oder Saat wo verwendet werden müssen. Dabei kann es erstens zu Missverständnissen kommen – die Lohnunternehmer irren sich im Feld – und zweitens kann der Landwirt nur grobe Anweisungen geben, die nicht optimal auf die Anforderungen des Bodens abgestimmt sind.
Hier liegt die Chance von iGreen: Über kleine Geräte können die Informationen zu einem ganz bestimmten Stück Land abgerufen werden. Auf der Basis der vorhandenen Daten macht das Gerät dann einen Vorschlag, wie viel gesät, gedüngt, gewässert oder gespritzt werden soll.
Precision Farming – Das spart Geld und schont die Umwelt
Die Entwicklung des Projektes soll in Richtung „precision farming“ gehen. Der Begriff wurde in den USA geprägt und bedeutet, ganz genau auf Feld oder Region bezogene Werte zu haben und damit zu arbeiten. Das Ziel dabei ist es, Ressourcen zu sparen, also Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel nur da einzusetzen, wo sie nötig sind. Das spart Geld und schont die Umwelt.
Software mit Web 3.0 Technologie
Zur Entwicklung gehört nicht nur der Aufbau des Programms und eines Softwaregerüsts, sondern vor allem auch das Zusammenführen und Aufarbeiten wichtiger Informationen – denn gerade hier soll die Stärke des Angebots liegen. Also müssen geologische mit meteorologischen Daten, Wissen des Landwirtes mit Informationen zur Marktsituation verbunden und möglichst automatisch ausgewertet werden. Was hier entsteht, ist ein Web 3.0: Es verbindet das inhaltsbasierte Web 1.0 mit dem sozialen, interaktiven Web 2.0.
Der Name ist übrigens Programm: iGreen als „intelligente“ Software, die mit grünen Informationen arbeitet, die Zusammenführung von IT und Landwirtschaft, das Bewusstsein „I“ - also „ich“ - kümmere mich um ökologische Landwirtschaft. Mögliche Bedeutungen gibt es viele. Mögliche Anwendungsfelder ebenfalls: Denn der Pflanzenanbau ist nur der erste Schritt der Entwicklung. Als mögliche Arbeitsfelder kommen auch Forst- und Wasserwirtschaft, Städte- und Landschaftsbau oder Umwelt- und Naturschutz in Betracht. Großes Potenzial also.
Ökologie und Ökonomie
iGreen ist ein Hoffnungsträger, ein Vorzeigeprojekt, das Energieeffizienz und Umweltschutz verspricht. Dadurch, dass ortsspezifisch und präzise gearbeitet wird, lässt sich eine Verschwendung von Wasser oder Dünger und damit eine unnötige Belastung des Ökosystems vermeiden. Auch die ökonomischen Vorteile sind nicht zu vernachlässigen. Das Projekt schafft Arbeitsplätze, es kann zur internationalen Anerkennung und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen und wird, wenn es viele Anwender findet, gesellschaftlich relevant.
Aber klar ist auch. Der Effekt Umweltschutz ist sicher beabsichtigt, aber das Projekt ist nicht in erster Linie darauf angelegt, sondern auf Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung.
Wissensnetz statt Bauernkalender
Noch steckt iGreen in den Kinderschuhen und wird eine Menge Tests und Überarbeitungen durchlaufen, bis es 2012 abgeschlossen werden kann. Doch der visionäre Gedanke, dass die gesammelten und strukturierten Informationen jedem Interessierten ohne zusätzliche Geräte sofort und überall zur Verfügung stehen, ist spannend. Und wer weiß, vielleicht schauen in drei Jahren die Landwirte nicht mehr in den Himmel oder in den Bauernkalender, um über Düngung, Bewässerung und Schädlingsbekämpfung zu entscheiden, sondern ins Wissensnetz iGreen.




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