Martin, 19 gehört zu den 240 Jugendlichen, die momentan in Sachsen ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren. Warum es toll ist, Kindern ein Feuchtbiotop zu zeigen, erzählt er hier.
In meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), arbeite ich in verschiedenen Einsatzgebieten. Bis vor drei Wochen arbeitete ich in der Wildvogelauffangstation. Dort versorgten wir verletzte Vögel. Als erstes am Morgen wurden die Patienten gefüttert. Wenn die Tiere allein fressen konnten, warfen wir ihnen das Futter nur zu, andere mussten wir mit der Hand füttern.
Wir bauten Nistkästen und hielten die Station in Schuss. Am frühen Nachmittag gab es dann die zweite Fütterung. Auch nach einem normalen Arbeitstag auf der Station hatte immer jemand Bereitschaftsdienst, um jederzeit neue Patienten abzuholen oder entgegenzunehmen.
Mein persönliches Highlight war allerdings, dass ich bei meiner Arbeit in der Wildvogelauffangstation Vögel mit nach Hause nehmen und pflegen durfte. Es ist immer ein tolles Erlebnis, sich um die Tiere zu kümmern und sie dann wieder frei lassen zu können.
Die Begeisterung kommt von ganz allein
Die Wildvogelauffangstation habe ich damals bei meiner Bewerbung als eine Wunscheinsatzstelle angegeben, weil ich Tiere einfach liebe. Deswegen habe ich mich auch für das ökologische und gegen das soziale Jahr entschieden. Die Natur hat mich schon immer mehr interessiert als zum Beispiel Altenpflege. Da ich ausgemustert bin, kamen Zivildienst oder ein Dienst bei der Bundeswehr nicht in Frage. Trotzdem wollte ich nach dem Abitur noch nicht gleich studieren, und da traf es sich gut, dass ich von meiner Cousine vom Freiwilligen Ökologischen Jahr erfahren habe.
Grundsätzlich braucht man keine bestimmten Kompetenzen und es gibt auch keine Skalen, nach denen man bewertet wird. Nach einem Probearbeiten in der Wunscheinsatzstelle wird der angenommen, der sich am geschicktesten anstellt.
Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig. Es gibt auch Tätigkeiten, die nicht in der Natur stattfinden und Büroarbeiten enthalten, wie zum Beispiel in Reisebüros mit ökologischem Hintergrund oder in Naturkundemuseen.
Bildungsurlaub mal anders
Derzeit arbeite ich im „grünen Klassenzimmer“ in Dresden-Möckritz. Wir machen Führungen mit Grundschulkindern und Hortgruppen durch ein Feuchtbiotop. Jeden Tag kommen Kinder, und wir zeigen ihnen die Tiere und Pflanzen, die im und am Wasser leben. Ich finde es toll, den Kindern etwas über die Natur beizubringen. Sie sind auch einfach ein sehr dankbares Publikum.
Am Anfang war die Umstellung von der Schule auf den Arbeitsalltag ganz schön schwierig. Jetzt muss man immer zu 100 Prozent da sein. Aber die Zeit als FÖJler entschädigt mich für alles.
Alle zwei bis drei Monate finden Seminare zu verschiedenen Themen rund um die Natur statt, zum Beispiel „Naturschutz in der Kulturlandschaft“ oder „Brachnutzung“. Allerdings darf man sich das nicht so vorstellen, dass wir in einem Seminarraum sitzen und jemand einen Vortrag hält. Die Seminare sind sehr aktiv gestaltet. Wir machen Rollenspiele, gehen in Museen und informieren uns über das jeweilige Thema, um es in einer Gruppenarbeit abzuschließen. Die Seminare finden immer an unterschiedlichen Orten statt und sind Pflicht für jeden, der ein Freiwilliges Ökologisches Jahr macht.
Ich habe durch das FÖJ auch viele neue, gute Freunde kennengelernt. Aber am meisten hat sich das FÖJ auf meine Zukunft ausgewirkt, weil ich nun endlich weiß, wie es weitergehen soll. Ich habe mich so in die Natur verliebt, dass ich nun ab September Forstwissenschaften in Tharandt studieren werde.



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