Sonne ist in Kettmannshausen etwas Wertvolles. Foto: Ariane Attrodt.

In der Nähe von Erfurt gibt es ein kleines Dorf mit großen Visionen: Hier soll mehr Bildung über Solarenergie vermittelt werden. Wie das Dorf aussieht und warum es etwas Besonderes ist, berichtet Schekker-Autorin Ariane.

Solar in die Schulen

Wenn die Schüler nicht nach Kettmannshausen kommen, fährt der Verein eben zu ihnen: Vier Außenstellen hat der Solar-Dorf e.V. in Thüringen.

Der Verein Solar-Dorf Kettmannshausen e.V. hat es sich unter der Leitung von Professor Dr. Bley zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche für Sonnenenergie zu begeistern. Die zwölf Vereinsmitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Sie gehen in Schulen oder laden Schüler in die verschiedenen Schulungszentren ein. In Erfurt, Arnstadt, Ilmenau und Lindig hat der Verein solche Zentren. Bei den Themen Solartechnik und Nachhaltigkeit sei es das Wichtigste, die Jugendlichen selber bauen und basteln zu lassen, meint Prof. Dr. Bley. Zum Beispiel haben Jugendliche in Kettmannshausen das kleine Haupthäuschen des Vereins gebaut, natürlich aus Holz und Wolle, damit es besonders umweltfreundlich ist.

Mit Bienen und Ziegen

Ortsschild von Kettmannshausen.
Der Wegweiser in die Landidylle. Foto: Ariane Attrodt.

Kettmannshausen ist eines der kleinsten Dörfer in der Region um Erfurt.

Still und friedlich liegt es zwischen Waldgebieten, Wiesen und Gewässern. Das kleine Dorf hat gerade einmal 91 Einwohner. Mit elf anderen Ortsteilen bildet es die Gemeinde Wipfratal in Thüringen. Kettmannshausen ist der zweitkleinste Gemeindeortsteil und misst etwa 201 Hektar. Wer Erholung vom Großstadtleben braucht, kann sich hier einnisten, denn Verkehrslärm gibt es hier nicht. Als ich das Dorf besuche, sehe ich nur ein einziges Auto. Es parkt am Straßenrand. Wer sich nicht vor Ziegen und Bienen fürchtet, sollte mal über einen Urlaub in Kettmannshausen nachdenken.

Auf der Suche nach dem Besonderen

Was gibt es in Kettmannshausen außer Bienen und Solarzellen denn noch zu sehen?

Auf einem Streifzug durch den Rest des Dorfes ertönt plötzlich ein vorsichtiges Glockengeläut. Ich suche nach der Ursache und finde eine kleine Kapelle, versteckt hinter Häusern und Sträuchern. Es ist die Vikarie-Kapelle St. Nicolaus. Sie wurde 1180 erbaut und ist damit älter als das Dorf selbst. Das kleine Türmchen auf dem Dach, aus dem die Glockenlaute erschallen, hat man erst 1768 gebaut. Man nennt es den Dachreiter. Was es sonst noch zu sehen gibt in Kettmannshausen: eine Bushaltestelle, einen kleinen Spielplatz und Höfe, Wiesen und Ziegen.

Energie aus Atomzusammenstößen

Solarmodell.
Die Jugendlichen erproben die Atomspaltung an Experimenten. Foto: Ariane Attrodt.

Jeder redet darüber, viele nutzen sie: Doch was ist Solarenergie und wie entsteht sie?

Solarenergie nennt man umgangssprachlich auch Sonnenenergie, und zwar weil die Sonne Energie erzeugt. In dem gigantischen Himmelsgestirn gibt es ständig Kernfusionen. Das heißt, Atome treffen aufeinander und verschmelzen. Dabei entsteht eine große Menge Energie, die in Teilen als Strahlung auf unsere Erde trifft. Durch Solarzellen kann sie in Gleichstrom umgewandelt und so für den Menschen nutzbar gemacht werden. Ein großer Vorteil dieser Energie ist, dass sie immer verfügbar ist, doch um sie nutzen zu können, muss man die nötigen Solarzellen an sein Dach anbringen.

Solarradler

Zwei Modelle aus Holz, die Fahrradfahrer darstellen.
Das Modell "Solarradler" ist das Aushängeschild des Vereins. Foto: Ariane Attrodt.

Der Wettbewerb um den besten sonnenbetriebenen „Solarradler“ spornt die Jugendlichen an.

Damit die Jugendlichen in den Schulungszentren aktiv werden können, stehen Baukästen mit bunten Teilchen bereit. Je nach Alter der Jugendlichen, bauen sie ein Mini-Solarauto oder einen durch Sonnenenergie betriebenen Radfahrer aus Eisenteilen. Wer es schafft, den „Solarradler“ zu bauen, der als erster losradelt, hat gewonnen. Der Wettbewerb spornt die Jugendlichen an.

Den ländlichen Sonnenschein verwursten

Der Verein Solar-Dorf Kettmannshausen e.V. hatte eigentlich geplant, das ganze Dorf mit Solarenergie zu versorgen.

Die Sonne prasselt an diesem Tag vom Himmel. An einigen Hausdächern sind Solarzellen angebracht. Ich denke mir, dieses Dorf scheint ideal für die Nutzung von Sonnenenergie. Tatsächlich gibt es seit 1997 einen Verein, den Solar-Dorf Kettmannshausen e.V., der als Projekt der Technischen Universität Ilmenau entstand. Ursprünglich hatte der Verein geplant, das ganze Dorf mit Solarenergie zu versorgen. Doch weil das Projekt zu teuer wurde, ist Kettmannshausen heute eher ein Lehrdorf. Hier wird Jugendlichen beigebracht, wie sie Solarzellen bauen und die Energie der Sonne nutzen können.

Neuen Kommentar schreiben

17 + 3 =
Diese Aufgabe verhindert das automatische Eintragen von SPAM. Die Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.