Engagement in der Politik beginnt beim Wählen. Foto: Sebastian Wieschowski, jugendfotos.de

Marco, 19 Jahre, wohnt in einer Gemeinde in Baden-Württemberg und hat sich für eine Bürgerinitiative zu den Kommunalwahlen aufstellen lassen. Warum er es nicht in den Gemeinderat geschafft hat und was ihn an den deutschen Politikern stört, lest ihr hier.


Schekker: Hallo Marco. Wie kam es dazu, dass du für die Kommunalwahlen kandidiert hast?

Marco: Meine Tante ist da auch sehr engagiert und hat mich bei einem Familienfest mal bequatscht: „Hey Marco, mach doch mal mit!“ Erst habe ich gezögert, weil ich mir keine großen Chancen ausgerechnet habe, da viele, die mich kennen, noch nicht wahlberechtigt sind. Aber dann hab ich mir einen Ruck gegeben, mit dem Hintergedanken, dass einige Jungwähler unsere Initiative wählen, wenn sie sehen „Hey, die haben sogar junge Leute.“

Schekker: Warst du enttäuscht, dass du nicht in den Gemeinderat einziehen durftest?

Marco: Nein, das war ja keine Überraschung. Ich bin nicht so bekannt und als junger Mensch wird man eh fast nie rein gewählt. Da waren ja auch Zahnärzte und Vereinsvorstände; klar, die haben das Vertrauen der Leute und kommen dann auch rein.


Marco wurde bei der Kommunalwahl zwar nicht gewählt, engagiert sich aber trotzdem. Foto: Bettina Schneider.

Schekker: Du bist aber trotzdem noch politisch engagiert?

Marco: Ja, das war ich schon davor. Ich engagiere mich mit anderen jungen Leuten gegen Rechtsextremismus. Wir sind oft auf Demos unterwegs. Am 1. Mai zum Beispiel waren wir in Ulm, wo ein Haufen Neonazis aufmarschiert ist. Und dann versucht man halt, sie durch Sitzblockaden am Laufen zu hindern. Dass die das überhaupt dürfen, ist ohnehin sehr schade.

Schekker: Es wird oft beklagt, dass sich junge Leute nicht für Politik interessieren. Was glaubst du, woran liegt das?

Marco: Politik kommt eigentlich immer ziemlich trocken rüber, finde ich. Es ist anstrengend, zu verstehen, was gerade abgeht. Man muss sich früh und vor allem regelmäßig informieren, sonst versteht man NICHTS! Die Politiker haben Fachausdrücke, wo ich mich als ehemaliger Gymnasiast und an Politik Interessierter manchmal frage: „Was reden die denn da?“ – und wie soll das ein Realschüler oder Hauptschüler verstehen? Wenn man sich mal politische Reden anhört, kommt das so rüber, als sei das nur was für ganz Gebildete, für eine politische Elite.

Schekker: Okay. Was müsste man konkret ändern?

Marco: Die sollten nicht so ein Fachchinesisch reden. Zur Abwechslung könnten sie ihre Reden mal im Jugendslang halten.

Schekker: Denkst du, dass Sendungen wie „Ich kann Kanzler“ bei den jungen Leuten Lust auf Politik machen?

Marco: Ich denke nicht, dass sich das Jugendliche, die noch nie was mit Politik am Hut hatten, angeschaut haben. Schon allein wegen des Namens und weil es im ZDF lief, das ja eher für Volksmusiksendungen bekannt ist. Aber ich find die Sendung gut im Vergleich zu dem anderen Quatsch, der im Fernseher läuft, vor allem mittags auf den Privatsendern.

Schekker: Was sollte man noch ändern?

Marco: Ich glaube, unsere Gesellschaft würde es viel weiter bringen, wenn sie sich weniger auf die Politik verlassen würde, und sich jeder einzelne an die Nase fassen würde. Das heißt, man sollten hinterfragen: Was kaufe ich eigentlich, wo kommt es her, wie wurde es produziert? Was fahre ich für ein Auto? Der Staat kann zwar Richtlinien geben, aber er kann dir nicht verbieten, einen dicken Daimler zu fahren, das muss von den Menschen selbst kommen.

Schekker: Zurzeit liest man viele Versprechungen in den Zeitungen: Steuersenkungen, mehr Geld für Schulen – alles nur Wahlkampf? Sind die Parteien überhaupt noch glaubwürdig?

Marco: Ich glaube, das ist Wahlkampf. Also ich finde, das ist allgemein ein Schwachpunkt, dass der Politiker so zur Ware wird, dass er sich verkaufen und vermarkten muss, damit er gewählt wird.

Schekker: Was macht deiner Meinung nach einen guten Politiker aus?

Marco: Er muss zuhören können, wenn Leute über ihre Probleme reden. Er muss auch den Mut aufbringen, unbequeme Tatsachen auszusprechen und unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen. Ein Beispiel: Wenn der Staat ziemlich verschuldet ist, muss ein guter Politiker auch mal sagen können: „Hey, so geht’s nicht weiter.“ Und wenn es nötig ist, müssen die Steuern eben erhöht werden. Klar wird das Volk aufschreien, aber wenn es notwendig ist, dann muss es halt sein.
 

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