Ariane hatte Glück mit ihrem Praktikum. Foto: Nadine Wittleben

Praktika können Himmel oder Hölle sein. Ariane, 16, aus Hamburg erlebte zwei Wochen im Himmel. Und dort holt man keinen Kaffee, sondern darf sich richtig austoben.

Mein Praktikum bei der RWE Dea war mehr als nur ein praktischer Einblick. Es hat mir die Augen geöffnet, so dass ich heute genau weiß, was ich später machen will. Das Unternehmen sucht weltweit nach Öl und Gas, außerdem beschäftigt es sich mit modernsten Bohr- und Produktionstechniken.

Zuerst hab ich mich online über die Explorations- und Produktions-Gesellschaft informiert, um mich dann schriftlich zu bewerben. Außerdem hat mein Vater ein gutes Wort für mich eingelegt. Er arbeitet dort als technischer Berater. Aber ganz abgesehen von meinem Verwandtschaftsvorteil, habe ich die Bewerbung ernst genommen und mir Gedanken über meine Stärken gemacht. Eine echte Herausforderung, wenn die Worte nicht selbstherrlich klingen sollen. Ebenso wenig sollte einer der Chefs denken, dass ich eine langweilige Fingernägelkauerin bin. Meine Sprachkenntnisse, mein Geoverständnis und die Fähigkeit, mit Menschen umgehen zu können, ließen mich im Rennen. Eine Zusage!

Aufgaben nach Wochenplan


Als es dann endlich so weit war, durfte ich zwei Wochen lang den Beruf der Journalistin als auch den der Bürokauffrau kennenlernen. Angeblich steht man ja bei Praktika immer nur dumm rum und darf bestenfalls aufräumen oder einen Kaffee für den Dicken mit Krawatte holen gehen. Fehlanzeige: Ich wurde gleich am ersten Tag ins eiskalte Wasser geschmissen!


Wofür ein Praktikum?

Ihr macht eine Schnupperphase und lernt Arbeitsabläufe eines Unternehmens kennen, um euch einen Eindruck zu verschaffen. Und was bringt es noch?


berufliche Chancen: Neben guten Zeugnissen können Praktika mit ausschlaggebend für den Arbeitgeber sein, da man durch praxisnahes Wissen einen leichteren Einstieg findet. Manchmal wird man auch direkt nach einem Praktikum übernommen.

Selbstfindung: Das Erkennen von Stärken und Schwächen in verschiedenen Tätigkeiten ermöglicht euch, euch beruflich weiter zu orientieren.

Vergütung: Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet ein Entgelt zu leisten. Viele tun es bei längeren Praktika aber doch. Wenn nicht: Immerhin lernt ihr eine Menge.
 

Als erstes musste ich mir die Sicherheitsvorkehrungen einprägen, wie die 10 Gebote. Jeder Mitarbeiter dort kann sie auswendig, wehe einer vergisst sie. Die Organisation gefiel mir insgesamt sehr gut: Als nächstes bekam ich einen Wochenplan. Alle Aufgaben, die mir bevorstanden, waren dort aufgelistet. Perfekt um sich erst mal einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Ich sollte mich vorwiegend um Texte der internen Kommunikation kümmern, also recherchieren, schreiben und korrigieren.

Meine beiden Kolleginnen, mit denen ich mir das Büro teilte, waren sehr unterschiedlich, aber auf Anhieb sympathisch. Ich taufte sie Mutter Theresa und Frau Würdevoll. Mutter Theresa tat so, als wäre ich gerade vier Jahre alt geworden. Sie behandelte mich wie ein Kleinkind, indem sie mir alles langsam und behutsam erklärte. Frau Würdevoll dagegen schenkte mir kleine Häppchen Anerkennung, indem sie mich ihre Texte nach Schreibfehlern durchsuchen ließ. Eine Aufgabe, von der ich nie gedachte hätte, dass ich sie machen darf.

Lieber sich selbst beweisen


Praktikanten gab es außer mir leider keine, was ich sehr schade fand. Aber es gab zwei Auszubildende, bei denen ich mehr oder weniger Anschluss fand. Mit dem Mädchen hatte ich mich gut verstanden, wir gingen nachmittags immer zusammen ins Café und führten typische Frauengespräche. Der Junge war Sohn vom Chef und führte sich auch so auf. Generell hat mich die Atmosphäre im Betrieb aber positiv überrascht. Man bot mir zum Beispiel von Anfang an das „Du“ an.

Schon bald traute mir das Personal zu, einen Bericht über die Optimierung der internen Betriebszeiten zu schreiben. Er sollte helfen, Abläufe in den Abteilungen zu verbessern. Ich hörte gut zu, was ich machen sollte, denn diesmal musste ich ja meine Selbstständigkeit endlich richtig unter Beweis stellen. Ich kam eigentlich ganz gut zurecht. Das einzig Schwierige war, das hohe Schreibniveau der Mitarbeiter zu erreichen. Mein Kopf war ständig auf der Suche nach komplexen Wörtern, die mir zum Teil einfach nicht einfallen wollten. Am Ende sprach Frau Würdevoll aber ein großes Lob aus: „Du näherst dich dem Niveau der Mitarbeiter“, sagte sie. Was für ein Abschluss.
 

Wie sind eure Erfahrungen mit Praktika? Erzählt uns davon in den Kommentaren!

Kommentare

Praktika, bei denen man viel lernt und richtig in die Arbeit eingebunden wird, sind super. Man lernt enorm viel und bekommt einen richtigen Einblick in den Berufsalltag. Schwierig wird es nur dann, wenn man über mehrere Monate bei der selben Firma oder ein zweites/drittes Praktikum in der selben Branche macht. Denn bringt man meistens schon eine gute Qualifikation, Selbstständigkeit und Know-How mit in das Team, schuftet wie eine vollbezahlte Arbeitskraft - und das für Mau. Nicht wenigen Nachwuchsjournalisten geht es beispielsweise so - sie sind super ausgebildet und ihre Arbeiten sind von hoher Qualität, und trotzdem bekommen sie keinen Cent. Deswegen meine Meinung: Ein Schnupperpraktikum ohne Entlohnung ist okay, aber sobald man etwas auf dem Kasten hat, darf man sich nicht unter seinem Wert verkaufen!

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