Es gibt viele Wörter die für mich eine negative Wirkung haben. Zentralabitur, Anwesenheitspflicht, Deutsche Bahn und Grünkohl. Generation hat es nun auch geschafft.
Rein theoretisch ist es ganz einfach. Hier eine Definition:
- Generation, die
- Wie nahezu jedes Wort aus dem Lateinischen (generatio)
- Wortart: Substantiv, feminin
- Worttrennung: Ge|ne|ra|ti|on
- Kompatibilität: Alles möglich
- Bsp.: Generation Praktikum, Generation @, Generation Golf, Generation X, Generation Doof."
Die kreativen Anhängsel finden sich in Buchtiteln wieder oder sind höchst intelligenten Menschen zu verdanken. Einer von ihnen heißt Matthias Stolz. Er schrieb 2005 den ZEIT-Artikel mit dem Titel „Generation Praktikum“ und hätte damit sogar fast die Auszeichnung „ Wort des Jahres 2006“ gewonnen. Diese Generation findet ihren Anfang in den 1990er-Jahren und endet wohl nie. Alle dürfen mitmachen.
Abitur Frühjahr 2011 und dann? Ich hatte Glück und habe den gewünschten Studienplatz bekommen. Eine gute Freundin wiederum wusste nicht so recht, was sie wollte, und macht nun ein „bezahltes“ Praktikum. Gehört Sie jetzt zur Generation Praktikum? Oder doch eher zur Generation Doof?
Generationen-Schublade
Das Wort Generation verleitet zum schnellen Kategorisieren. Jeder denkt sich einen Begriff aus und setzt das feine Wort Generation davor. Ein Sinn ist nicht zwingend notwendig. Allein der Begriff Generation sorgt bei mir mittlerweile für starken Würgereiz. Zu schnell wird man in zu viele Schubladen gesteckt. Für mich ist unklar, wie eine Generation definiert wird.
Der Duden sagt unter anderem: „Gesamtheit der Menschen ungefähr gleicher Altersstufe (mit ähnlicher sozialer Orientierung und Lebensauffassung)“. Aber was hat meine Freundin mit, sagen wir, einem studierten Medienwissenschaftler am Hut?
Er hat ein komplettes Hochschulstudium hinter sich und dümpelt seit mehreren Monaten erfolglos auf dem Arbeitsmarkt herum, schnuppert von Büro zu Büro und bekommt doch keine Festanstellung. Die beiden sind nicht eine Generation, der Altersunterschied ist groß und die Motive für das Praktikum sind komplett unterschiedlich.
Schnell erdacht, schnell vergessen
Relativ frisch auf dem Generationen-Markt: Generation Komasaufen, Generation facebook, Generation Gewalt. Gern gewählte Titel für Talksendungen. Schnell erdacht, schnell vergessen. Eine Ausnahme vielleicht: Die 68er-Generation. Sie stand für einen bestimmten Zeitgeist und beeinflusste die ganze Gesellschaft. Mit genug zeitlichem Abstand kann man wohl besser entscheiden, wer tatsächlich das Label „Generation“ verdient.
Ich möchte mich dennoch auch in 10 Jahren nicht zu einer Generation zählen lassen, möchte ohne Schubladen und Kasten auskommen. Der Begriff sollte abgeschafft werden. Journalisten müssen sich wieder mehr Gedanken über ihre Überschriften machen und wir sind raus aus den Schubladen und schaffen es vielleicht in die Glasvitrine. Dort stehe ich allein für mich und nicht für eine Generation.



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