Das öffentlich-rechtliche Fernsehen macht einen Spielfilm über Jugendliche, Cybermobbing und private Videos im Internet. Kann das gutgehen? Durchaus. Schließlich gewann der Film den Deutschen Fernsehpreis.
Irgendwo in Deutschland. 2011. Es geht um Jakob (15) dessen Eltern sich gerade trennen, der in Hannah verliebt ist und den keiner versteht. So weit, so gewöhnlich. Aber Jakob nimmt alles mit einer Videokamera auf. Eines Tages verleiht die Mutter von Jakob das wertvolle Heiligtum an seine „Freunde“, ohne zu wissen, welch brisanten Inhalt die Speicherkarte birgt. Und auf einmal ist nichts mehr zu retten: Im Nu ist das Material in den Händen seines gehässigen Klassenkameraden und der zögert nicht lange, die Aufnahmen ins Internet zu stellen. Nicht nur, dass Hannah von seinen Gefühlen erfährt, er hat auch noch vor der Kamera masturbiert. Nun wissen alle davon, haben das Video auf ihren Handys, er ist das einzige Thema auf dem Pausenhof und wird von allen gehänselt. Jakob gerät in Panik, ist verzweifelt, wütend und weiß nicht wohin mit dieser Wut. Seine Eltern versuchen ihm zu helfen, aber es nützt alles nichts mehr, auch keine neue Schule.
Gut gespielt, gut gemacht
Ein wirklich bewegender Film, über den man noch länger nachdenken muss. Oder besser: Man kann gleich mit jemandem darüber reden. Nicht umsonst wurde der Film bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2011 in Köln als bester Fernsehfilm ausgezeichnet. Die Pluspunkte des Films: Sehr überzeugende Schauspieler. Vor allem Jonas Nay als Jakob: für „Homevideo“ hat er den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises bekommen. Mal ist er schüchtern, mal verzweifelt, mal glücklich. Eben wie ein 15-Jähriger. Und das, obwohl Jonas Nay im wahren Leben schon 21 ist.
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Hannah, das Mädchen, in das Jakob verliebt ist, wird überzeugend von Sophia Boehme gespielt. Sie ist nach der ungewollten Liebeserklärung Ziel des Spotts und Mitleids, trotzdem hält sie zu Jakob. Keine leichte Situation für Hannah und bestimmt auch nicht leicht für die Darstellerin.
Handwerklich ist der Film super gemacht: Die Kamera ist immer nah am Geschehen (auch dafür wurde der Film ausgezeichnet) und die Szenen wirken durch das Szenenbild, die perfekte Besetzung und die Drehorte sehr authentisch. Und trotz intimer Szenen kann man „Homevideo“ im Schulunterricht angucken.
Kleiner Minuspunkt: Etwas zu stereotype Rollen und zu viele Konflikte. Warum müssen sich die Eltern nach allen Regeln des Telenovela-Rosenkriegs trennen? Warum ist Jakobs Vater nicht kritikfähig, sondern (als Polizist!) auch noch cholerisch veranlagt? Leider kommt auch die Diskussion zwischen den anderen Eltern der Klasse über die Problematik Internet zu kurz. Aber genau dieses Problem haben viele Eltern: Was treiben meine Sprösslinge im Internet? Was gibt es für Möglichkeiten, sie zu schützen? An dieser Stelle hätte man aufzeigen können, wie Eltern mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen könnten.
Mehr zum Thema, bitte!
Fast jeder kennt das Gefühl – schon wieder ein Partyfoto im Internet, das man lieber sofort wieder löschen möchte. Aber wer will schon ständig seine Freunde wegen solcher Kleinigkeiten nerven? Unangenehme Situation, aber lösbar. Nur was tun, wenn es nicht nur unvorteilhaft, sondern richtig peinlich wird? Wenn Dinge auftauchen, die man niemandem zeigen möchte? Die einfach keinen etwas angehen? Dieses Thema bietet auf jeden Fall noch Stoff für viele Filme und Bücher.
„Homevideo“, Regie: Kilian Riedhof , Produktion: teamWorx Television&Film im Auftrag von NDR, BR und arte , Erscheinungsjahr: 2011






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