Von Montag bis Freitag. Bei Sonne und bei Regen. Kurz oder weit. Schekker-Autoren erzählen von ihren Schulwegen, und was dabei so alles passieren kann.
Mein Schüleraustausch in Bella Italia hatte seine speziellen Seiten. Dazu gehörte auch morgens die Fahrt zur Schule. Trotz armseligen Frühstücks kam es immer zum Stress. Der Schulbus war schon weg und so fuhren die Eltern mit Karacho durch die toskanischen Kurven – dem Bus hinterher. Falls keine Haltestelle mehr kam, stoppte mamma den Bus einfach elegant wie die Polizei. Und so reichte es am Ende doch noch pünktlich in die Schule. Da aus Prinzip daraus nichts gelernt wurde, begann das Theater am nächsten Tag von vorne und wurde so langsam zum Alltag für mich.
Fabian Vögtle
Schon mal versucht, im Schulbus zu schlafen? Würde gehen, müsste ich nicht schon wieder stehen und aufpassen, dass ich nicht zerquetscht werde. Dann ein wenig Glück, denn bald steigt jemand aus, der Platz ist meiner. Zufrieden schließe ich die Augen und … höre die Musik aus den Kopfhörern des Jungen neben mir, der grad doch nochmal auf volle Lautstärke dreht. Nachdem ich ihn darum gebeten habe, die Musik leiser zu stellen, fangen in der letzten Reihe Fünftklässler lauthals an herumzuschreien. Schlafen muss ich heute wohl in der Schule.
Anna Lang
Mein Schulweg war zu Fuß zwischen sieben und neun Minuten lang. Es kam immer darauf an, wie wach meine Beine waren und ob die Ampeln grün waren. Wenn ich von weitem sah, dass sie gerade grün sind, nahm ich einen anderen Weg, da die Ampelphase sehr lange dauerte. Entsprechend konnte ich reagieren und rennen, wenn sie kurz vor dem Erreichen grün war. Dienstags begegnete ich immer derselben Frau und nach einer Weile fingen wir an, uns zu grüßen. Nach diesen Begegnungen kam ich regelmäßig mit einem Lächeln in der Schule an.
Silke Steinbrenner
Obwohl mein Schulweg damals so kurz war, dass ich ihn zu Fuß bestreiten konnte, habe ich meine große Liebe auf eben diesen wenigen Metern kennengelernt. Wir gingen zur selben Schule, haben uns dort aber nie getroffen. Glücklicherweise kreuzten sich unsere Schulwege, weswegen wir uns eines Tages durch Zufall begegneten. Auch wenn es kitschig klingt, aber es war Liebe auf den ersten Blick. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und wir sind noch immer zusammen. Heute teilen wir uns eine Wohnung und denselben Weg zur Uni – irgendwie komisch, wenn ich darüber nachdenke, wie sehr ein Schulweg ein ganzes Leben verändern kann.
Olivia Sardinas
Als ich mit der 5. Klasse aufs Gymnasium kam, eröffneten sich mir völlig neue Dimensionen: Ich konnte Straßenbahn fahren. Und das sogar täglich. Da war die Freude natürlich groß! So groß, dass ich mit meiner Freundin beschloss, alle Bahnlinien einmal abzufahren: Nachmittags, nach der Schule oder am Wochenende – so oft wie nur möglich wollten wir unsere Zeit in den Straßenbahnen verbringen, um das gesamte Liniennetz zu erkunden und dazu noch der Stimme der Haltestellenansagerin lauschen zu können. Damals alles seeehr aufregend. – Damals! Bis ganz zum Ende haben wir dann doch nicht durchgehalten. Ebenso wenig existiert noch der Zettel, auf dem wir alle Sitzplätze einer Bahn eingezeichnet hatten. Selbstverständlich zum Abkreuzeln mit dem Ziel, überall einmal gesessen haben zu wollen.
Christie Marie Tippenhauer
Es war August 2008, die Schule hatte erst vor wenigen Wochen begonnen. Wie jeden Schultag musste ich – wie auch heute - mit dem Bus aus der Südstadt in die Innenstadt fahren und zurück. Zur Rückfahrt nahm ich einen fast vollen Bus und fuhr weiter bis zum Chlodwigplatz. Kurz vorm Eintreffen gab der Busfahrer bekannt, dass wir eine 3 km lange Umleitung nutzen müssen. Der Bus füllte sich noch mehr und ein älterer Mann fing an, die Einsteigenden zu begutachten: „Du Nicht-Albaner, du Nicht-Russe, du Nicht-Türke, du Nicht-Grieche, du Nicht-Kroate!“ und so immer weiter. Das nervte ungemein. Noch dazu brauchten wir für die Umleitung geschlagene 40 Minuten.
Haris Trgo


der Rubrik Porträt



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