Er hat an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert: Vier Semester Grundstudium, später Spezialisierung auf Tierphysiologie, Zoologie, Ökophysiologie und Entwicklungsbiologie.
Letztes Jahr hat er promoviert. „Nach meinem Studium wollte ich mich beruflich gerne mit Säugetieren beschäftigen, aber leider gab es keine passenden Jobs in der Region“, erzählt er, klingt dabei aber nicht enttäuscht oder resigniert, denn per Zufall hat ihn sein Weg an eine andere interessante Arbeitsstelle geführt.
Zur Arbeit beim so genannten „Grünen Band“ kam er ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde. „Der Betreuer meiner Diplomarbeit kannte jemanden beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Daraufhin habe ich ein Praktikum beim Grünen Band gemacht. Tja, und jetzt bin ich angestellt“, erzählt er.
Vom Eisernen Vorhang zur Lebenslinie
Das Grüne Band Deutschland steht unter dem Motto „Grenzen trennen, Natur verbindet“ und ist das erste gesamtdeutsche Naturschutzprojekt. Seit über 20 Jahren, also seit der Öffnung der Mauer, sorgt es dafür, dass die Landschaft am ehemaligen Mauerstreifen erhalten bleibt und sich vom eisernen Vorhang zur Lebenslinie wandelt. „Die ehemalige innerdeutsche Grenze war jahrzehntelang Sperrzone. Da haben die Tiere schnell mitbekommen, dass sich dort ruhige Brutgebiete finden lassen. Daher haben sich viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten entlang des Mauerstreifens angesiedelt. 1.200 gefährdete Arten, die in der roten Liste aufgeführt werden, wurden dort gezählt“ erklärt Bastian Erdorf. Das Grüne Band Deutschland ist ein 50 bis 200 Meter breiter Streifen, der sich über 1.393 Kilometer erstreckt. 150 Naturschutzgebiete befinden sich in oder am Grünen Band.
Seit drei Monaten ist Bastian Erdorf nun Teil dieses Projekts und fest beim Projektbüro des Grünen Bands Deutschland in Nürnberg angestellt. „Dort mache ich viele nicht klassisch biologische Aufgaben“, sagt er. Zu diesen Aufgaben gehören Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und Veranstaltungsorganisation. Oft stellt er auch Infos und Schautafeln zusammen oder hält Vorträge. Diese Erfahrung merkt man dem jungen Biologen an. Er wählt seine Worte mit Bedacht, spricht mit sicherer Stimme, mischt Souveränität mit charmantem Fränkisch-Nürnberger Akzent.
Ein kleiner Seufzer beim Wort „wandern“
Links
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Alles über die Arbeit als Biologe bei der Bundesagentur für Arbeit
Wikipedia-Eintrag über das Biologie-Studium
Studienführer Biologie
Informationen über Universitäten, an denen man Biologie studieren kann
Die Hauptaufgabe des Nürnbergers dreht sich aber rund um das „Erlebnis Grünes Band“. Dabei geht es darum, Tourismus und Naturschutz-Hintergrund des Grünen Bandes geschickt zu kombinieren. „Das Grüne Band ist wegen seines kulturhistorischen Hintergrunds touristisch sehr attraktiv: Kultur, Natur und Historie gehen Hand in Hand. Da ist es schon eine ganz besondere Atmosphäre, wenn man dort wandern geht“, sagt er. Bei dem Wort „wandern“ muss er dann doch ein bisschen seufzen, denn in die Natur führt ihn sein Job eher selten. „Ich vermisse es schon etwas, mal in die Natur rauszukommen...“, meint er und setzt sofort nach: „Aber das kann ich ja in meiner Freizeit nachholen.“
Jeder Tag ist anders
„Drinnen“ warten ohnehin genug interessante Aufgaben: „Jeder Tag ist anders und die Aufgaben sind sehr abwechslungsreich. Außerdem kann man viele nette Leute kennenlernen, die sich alle für die Natur einsetzen“, sagt der 27-Jährige. Und dieser Einsatz ist dringend nötig, denn das Grüne Band ist von vielen Gefahren bedroht: „Manche Kommunen, die am Grünen Band ansässig sind, möchten Flächen gerne wieder als Ackerland zur Verfügung stellen, dabei ist die industrielle und landwirtschaftliche Nutzung extrem schädlich für die Natur. Wird zu oft gedüngt und gemäht, können seltene Arten nicht überleben“, erläutert der Nürnberger. Auch zahlreiche Straßen, die das Band kreuzen, stellen eine Bedrohung für die Natur dar.
Auch künftig viel zu tun
Aufgaben für die Zukunft gibt es also genug: Der BUND kauft beispielsweise Flächen aus Privatbesitz, um eine Zerschneidung des Grünen Bands zu verhindern. Außerdem gehört eine Flächenübertragung an die Bundesländer zu den Prioritäten des Projekts, denn nur die können das Gebiet dann als Naturschutzfläche ausweisen. Bei Dreiviertel der Landschaft ist dies bereits erfolgreich geschehen.
Bastian Erdorf selbst weiß nicht, wie lange er noch Teil des Grünen Bandes sein wird, denn sein Arbeitsvertrag ist auf ein Jahr befristet. Mal sehen, vielleicht zieht es ihn dann ja doch noch zu den Säugetieren, hinaus in die Natur.




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