Müller – einer der häufigsten Nachnamen in Deutschland, aber was steckt hinter dem Beruf in der Mühle? Antworten darauf bekam Schekker von Willy Nonnenmacher, Müller in der 3. Generation.
Ein riesengroßer Krach lässt sich in der Mühle vernehmen. Erzeugt wird er von mehreren Walzen und Plansichtern – Geräte zur Trennung der Kornbestandteile - , die verschiedene Getreide zu Grieß und Mehl verarbeiten. Während seines Kontrollrundgangs prüft Willy Nonnenmacher in der Mühle ständig die Qualität der Erzeugnisse. Am Plansichter dauert seine Kontrolle nun etwas länger. Er überprüft, ob noch alle Siebe und Bürsten zuverlässig arbeiten. Willy Nonnenmacher ist schon seit vielen Jahren Müllermeister und setzt die Tradition seiner Familie in der dritten Generation fort. Sein Sohn macht gerade den Müllermeister, um in seine Fußstapfen zu treten.
Die Mühle läuft von allein
„Die Maschinen laufen zur Zeit von halb acht morgens bis abends um 22 Uhr, da wir gerade viel zu tun haben“, so Willy Nonnemacher. Seine Mühle ist eine von rund 700 in ganz Deutschland: „Wir gehen aber meistens schon um sechs wieder zum Essen, denn die Mühle läuft von alleine und wir brauchen da nicht mehr viel zu tun.“ In seiner Mühle verläuft die Produktionsstraße durch zwei verschiedene Gebäude. Im Lagergebäude nimmt er Korn entgegen und lagert es in verschiedenen Kammern ein. Dort wird es dank moderner Technik vollautomatisch getrocknet und gereinigt. In anderen Teilen der Produktion im Mahlgebäude muss er aber noch ab und an selbst Hand anlegen. Beispielsweise am Plansichter, wo Siebe gereinigt und Bürsten ausgetauscht werden müssen. An den Mehlstühlen, an denen mit Walzen das Mehl gemahlen wird, überprüft er die Qualität des Mehls mit geschultem Blick.
Es gibt immer weniger Mühlen
Infos über das Berufsbild bei der Bundesagentur für Arbeit
Schweizerische Müllereifachschule St. Gallen
Meisterfachschule „Müller“ Stuttgart
Meisterfachschule „Müller“ in Wittingen
Deutsche Müllerschule Braunschweig
Die reguläre Ausbildungszeit zum Müller oder zur Müllerin beträgt drei Jahre. Mit Realschulabschluss können sich diese auf zweieinhalb und mit Abitur auf zwei Jahre verkürzen. Wer dazu noch den Meisterbrief im Müllerhandwerk erlangen oder Diplom-Müllereitechniker, werden will, kann das an den verbliebenen beiden Schulen für Müller in Stuttgart oder Wittingen tun. Dort gibt es eine Ausbildung zum Gesellen mit folgenden Gesellenjahren und anschließend die Meisterlehre. Die Möglichkeit zur Meisterprüfung in Deutschland besteht nur an der Müllerschule in Braunschweig. Zur Zulassung an dieser Schule muss man aber bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben und mindestens ein Jahr als Müller gearbeitet haben.
Die einzige andere Möglichkeit ist, sich - dank der Kooperation der Schweizerischen Müllereifachschule St. Gallen und der Stuttgarter Hoppenlauschule - innerhalb von 10 Monaten direkt zum Meister ausbilden zu lassen. In St. Gallen kann man dann auch die Meisterprüfung ablegen.
Da es in Deutschland in den letzten Jahren immer weniger Mühlen gibt, ist es nur noch an den beiden Schulen in Stuttgart und Wittingen möglich, eine Ausbildung zu absolvieren. An den Schulen findet zweimal jährlich Blockunterricht für die Auszubildenden statt. Der dauert sechs Wochen und die jungen Müller können direkt bei der Schule wohnen.
Nach der Ausbildung stehen eine Menge Arbeitsmöglichkeiten offen. Für Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft gibt es Arbeitsplätze in Getreide- und Schälmühlen, in Futtermittelbetrieben oder in Spezialmühlen.
Die Technologie hält Einzug in der Mühle
Dank der technologischen Fortschritte überwachen heutzutage Müllerinnen und Müller in einer modernen Mühle hauptsächlich die Geräte und steuern die Produktionsabläufe. „In der Ausbildung bekommt man heute weit mehr beigebracht als die Typenbezeichnung von Mehl“, erläutert Willy Nonnenmacher die Ausbildung zum Müller. Die Auszubildenden sind heutzutage auch für die Qualität des Mehls verantwortlich und prüfen diese mit eigenen Laboreinrichtungen oder durch Versand von Proben an Labore, so dass sich sowohl die Backindustrie als auch private Haushalte auf die Qualität verlassen können.
„Wenn man Müller werden will, sollte man nicht nur Spaß an der Technik mitbringen, sondern auch Interesse am biologischen und chemischen Hintergrund haben“, so Willy Nonnenbacher.




der Rubrik Porträt


Kommentare
Neuen Kommentar schreiben