Foto: Capelight Pictures

Vier junge Terroristen auf dem Weg zu einem Selbstmordanschlag: Sie sitzen im Auto und singen gutgelaunt den Pop-Song „Dancing in the Moonlight“. Der kontrovers diskutierte Film „Four Lions – Selbstmordattentäter von nebenan“ wagt einen sarkastischen Blick hinter die Kulissen des Selbstmordattentats.

Am 15. Mai 2011 schrieb User Kinohasi einen verärgerten Kommentar in einem  Filmforum: „Der Film ist total flach. Eigentlich nur dumme endlose Dialoge, die gar nicht komisch sind. Bin fast eingeschlafen...“ Und prompt antwortete User Moritz: „Ich kann mich auf keinen Fall anschließen. Genialer Film mit viel Witz! Es lohnt sich ihn zu sehen.“

Ebenso wie viele User, sind sich auch die Kritiker uneinig. Bis in die Politik hat die britische Komödie Wellen geschlagen. Bereits vor dem Kinostart im April letzten Jahres, äußerte sich der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer kritisch. Christopher Morris Film gieße Öl ins Feuer und könne aus fundamentalistischer Sicht vielleicht sogar Grund für einen Terroranschlag sein. Diese Befürchtung blieb aber glücklicherweise unbegründet.

Ganz normale Terroristen?

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In „Four Lions“ werden die Selbstmordattentäter als ganz normale Jungs präsentiert, die „etwas bewegen wollen“. Amateurhaft planen sie ihr Vorgehen und stellen sich dabei so ungeschickt an, dass der Zuschauer – trotz des ernsten Themas – unwillkürlich lachen muss.Man bekommt dabei geradezu Mitleid mit der Hauptfigur Omar. Der liebevolle Familienvater und der Intelligenteste der kleinen Terrorzelle verzweifelt an seinen Mitstreitern, welche auch mal Krähen für potentielle Selbstmordattentäter halten. Wegen ihrer Unfähigkeit fliegen die Nachwuchsterroristen sogar im hohen Bogen aus einem Ausbildungslager in Pakistan.

Zurück in ihrer englischen Heimatstadt Sheffield warten dann unzählige, größtenteils selbst verursachte, Schwierigkeiten auf die vier islamistischen Gotteskrieger. Mit der Angst vor der Polizei im Nacken, versucht die Zweckgemeinschaft sich zusammenzuraufen, und hat dabei immer ihr großes Ziel vor Augen: Das Ansehen der Muslime  zu verbessern, in die Geschichte einzugehen und ins Paradies zu gelangen.

Weil sie es nicht besser wissen und Alternativen, wie zum Beispiel politisch motivierter Rap gescheitert sind, ist der Heilige Krieg für sie eine logische Konsequenz.

Gratwanderung zwischen Sarkasmus und Geschmacklosigkeit

Der Film zieht den Islam nicht ins Lächerliche, sondern prangert Extremismus im Allgemeinen an. Wir werden mit unseren Vorurteilen konfrontiert, etwa als die Polizei nicht Omar verhaftet, sondern seinen streng religiösen und harmlosen Bruder. Das ist bittere Ironie. Die Situationskomik ist gnadenlos überspitzt. Teilweise werden die Grenzen des guten Geschmacks auf makabere Weise überschritten und definitiv ist „Four Lions“ nicht jedermanns Sache. Dennoch empfehle ich den Film allein schon wegen seiner Sichtweise auf bürgerlichen Terrorismus. Zu diesem Film sollte man sich seine eigene Meinung bilden.

Christopher Morris „Four Lions“, Capelight, Erscheinungsjahr: 2011, 9,99 Euro.

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