Was tut die aktuelle Forschung für unsere Zukunft? Schekker-Autorin Alina hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik - kurz UMSICHT – in Oberhausen besucht. Das befasst sich mit nachhaltigem Wirtschaften, umweltschonenden Technologien und innovativem Verhalten.
Fraunhofer – noch nie gehört?!
Ihr denkt, den MP3-Player hat Siemens oder gar Sony erfunden? Falsch! Dahinter steckt nämlich Fraunhofer. Mit 59 Instituten ist es die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa. Und hier unterscheidet es sich auch schon von anderen Instituten: Bei Fraunhofer steht nämlich nicht die Grundlagenforschung, sondern die Anwendung dieses Wissens auf einen praktischen Bereich im Vordergrund. „Wir versuchen, Rohstoffe so weiterzuverarbeiten, dass ein nutzbares Produkt hergestellt werden kann“, so Herr Dr. Danzig von der Presseabteilung des Instituts.
Eigeninitiative ist angesagt
Fraunhofer ist die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa mit mehr als 80 Forschungs-einrichtungen und über 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die meisten von ihnen haben eine natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung.
Die Forschungsfelder sind dabei ganz unterschiedlich: Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität, Energie und Umwelt. Die Arbeit der Forscher und Entwickler hat großen Einfluss auf das zukünftige Leben der Menschen.
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Wie finanziert sich eigentlich eine solche Forschungseinrichtung? Durch den Staat? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. UMSICHT muss nämlich mehr als zwei Drittel der Ausgaben selbst erwirtschaften. Einerseits geschieht dies durch Beantragung von öffentlichen Geldern für eine Forschungsidee. Größtenteils finanziert sich UMSICHT jedoch durch die direkte Zusammenarbeit mit der Industrie. Oft treten bei Unternehmen Probleme auf oder sie haben eine Idee, wie sie ihre Produktion verbessern wollen, wissen aber nicht, ob das überhaupt möglich ist. Und hier kommt das Institut ins Spiel: Durch Forschung und Studien lösen sie diese Fragen. Damit unterstützen sie zwar die Industrie, treten aber nie selbst auf dem Markt auf. So auch bei dem MP3-Format: Die Idee stammt von Fraunhofer, produziert und verkauft werden die Geräte aber von den Anbietern.
Die Spannbreite der Forschungsthemen ist immens: Von Biogasanlagen, die Biomasse in Biogas umwandeln, der Entwicklung biogener Treibstoffe, die der Qualität von Erdöl entsprechen, bis hin zu Batterie-Recycling als System von Elektromobilität oder umweltschonenden Solar-Kälteanlagen in Ägypten. Alles scheint möglich.
CO2 – Vom Abfallprodukt zum Rohstoff
Das Fraunhofer-Institut in Oberhausen beschäftigt sich aber nicht mit dem MP3-Format, sondern mit einem wohlbekannten Gas: CO2 . Wer denkt, CO2 sei für uns und die Umwelt einzig und allein schädlich, liegt gehörig falsch. Denn an sich ist das Gas ungiftig und kann sogar vielseitig eingesetzt werden. Deshalb beschäftigt sich UMSICHT nicht nur damit, wie CO2 aus der Luft entnommen werden kann, um so das Klima zu schützen, sondern prüft auch, wie es gleichzeitig industriell zu nutzen ist. Durch eigens entwickelte Verfahren eignet es sich zum Beispiel für die Imprägnierung von Kunststoffen.
Schokolade in Medizin und Kosmetik
Auch für das Verfahren der Teilchenzerkleinerung ist CO2 anwendbar. Oft wird bei Verrührungsprozessen in der Industrie mikrokleine, pulverisierte Schokolade für die Geschmeidigkeit benötigt. Da aber beim normalen Zermahlen Wärme entsteht und die Schokolade so schmelzen würde, ist eine besondere Methode der Zerkleinerung notwendig, das sogenannte PGSS®-Verfahren: In einer Maschine wird flüssige Schokolade und flüssiges CO2 - dieser Zustand kann durch bestimmte Temperatur- und Druckänderungen erreicht werden - zu kleinstmöglichen Tropfen zusammengeführt.
Die sind jedoch immer noch zu groß und werden deshalb in einen großen Behälter, in dem Normaltemperatur herrscht, transportiert. Da CO2 bei moderaten Temperaturen gasförmig wird, bleibt als Endprodukt mikrokleine Schokolade übrig. Dieses Verfahren kann man für alle möglichen Substrate verwenden – auch im Medizin- oder Kosmetikbereich.
Auch ohne Abi Wissenschaftler werden
Fraunhofer möchte aber nicht nur die Wissenschaft, sondern auch den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern. So beschäftigte das Institut in Oberhausen 2009 insgesamt 300 Personen. Dazu gehören 148 Auszubildende, Praktikanten oder auch studentische Hilfskräfte. Das Institut bildet beispielsweise Fachinformatiker und Chemie- bzw. Physiklaboranten aus. In Kooperation mit einer Hochschule bietet das Institut sogar ein duales Studium im Fachbereich Chemie an.
Eine Menge Möglichkeiten also, selbst an unserer Zukunft mitzuarbeiten.




der Rubrik Reportage



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