Die SOS-Kinderdörfer schenken Kindern, die nicht mehr bei ihren Eltern leben können, eine neue Familie. Schekkerautorin Wibke hat sich eins davon näher angesehen.
Ein richtiges Dorf
Das SOS-Kinderdorf Lüdenscheid besteht aus sieben Häusern. Ein Klick genügt und ihr erfahrt mehr über das Dorf für Kleine im Sauerland.
Im Lüdenscheider Kinderdorf gibt es sieben Häuser, die in den letzten 40 Jahren ungefähr 450 Kindern ein neues Zuhause geschenkt haben. Außerdem gibt es noch zwei Jugendgemeinschaften und eine reine Mädchen-Jugendgemeinschaft, in der Jugendliche langsam lernen, selbstständig in einer Wohnung zu leben.
Eine Klärungsgruppe für „Neuzugänge“, die Kindertagesstätte und das Familienzentrum machen das kleine Dorf komplett. An Nachmittagen gibt es viele Angebote für Kinder und Erwachsene. Das Kinderdorf wirkt so wie eine große Gemeinschaft, in der sich alle wohl fühlen können.
Mutti für alle

Eine SOS-Kinderdorfmutter mit ihrem „Sohn“, Foto: SOS-Kinderdorf
„Ich bin alles in einem – von der Taxifahrerin bis zur Krankenschwester.“ Monika Dreissig, 48, über ihren Beruf als Kinderdorfmutter.
SOS-Kinderdorfmutter zu sein ist manchmal gar nicht so einfach. Monika Dreissig hat sich entschlossen, ihr Leben komplett ins Kinderdorf Lüdenscheid zu verlegen. Dort lebt sie nun schon seit 17 Jahren. Ihr Tag beginnt früh und endet spät, Zeit für sich allein hat sie wenig. Das stört sie allerdings nicht, denn sie hat sich immer eine große Familie gewünscht. „Eigentlich bin ich alles in einem – von Taxifahrerin bis zur Krankenschwester“, lacht sie. Die älteste Tochter ist 18, der Jüngste ist sechs Jahre alt. In Haus Nr. 5 gibt es sogar einen Hund, um den sich auch die Kinder kümmern müssen. „Zwei meiner Kinder sind bereits ausgezogen, die Älteste hat uns letzte Woche mit ihrem Baby besucht“, erzählt sie. Auch wenn der Beruf anstrengend ist, Monika Dreissig ist Kinderdorfmutter aus Leidenschaft.
Ein ganz normales Kinderzimmer

In der Küche wird manchmal gemeinsam gekocht., Foto: SOS-Kinderdorf
Wie wohnen die Kinder im SOS-Kinderdorf? Ein quirliges Haus von innen.
Im Flur des Hauses Nr.5 empfängt mich ein Haufen Schuhe. Unten befindet sich die Küche mit einem großen Esstisch. Im Wohnzimmer stehen zwei gemütliche Sofas und ein riesiges Bücherregal. Auf dem Couchtisch sieht man ein Telefon und eine Schale Kekse. Dieser Raum ist Treffpunkt für alle Kinder und die Kinderdorfmutter.
Der achtjährige Mathias zeigt mir sein Zimmer, denn in Haus Nr.5 hat jedes Kind einen eigenen Raum. Ein Bett mit Autobettwäsche steht in der Ecke, ein Schreibtisch neben dem Fenster. Als Mathias seinen Schrank aufmacht, fällt mir direkt ein Fußball vor die Füße. Ein ganz normales Jungenzimmer also.
Ein kleines Familienunternehmen

Morgens geht es zusammen in die Schule, Foto: SOS-Kinderdorf
Wie sieht eigentlich ein typischer Tag im SOS-Kinderdorf Lüdenscheid aus? Normal.
Eine SOS-Kinderdorffamilie funktioniert wie eine normale Familie. Morgens steht die Kinderdorfmutter Monika Dreissig auf und macht Frühstück. Danach weckt sie ihre Kinder und schickt sie zur Schule. Morgens ist es dann sehr ruhig im Kinderdorf. Die Mütter gehen einkaufen, kochen und räumen auf. Wenn die Kinder nach und nach aus der Schule kommen, gibt es Mittagessen.
Später hilft Mama Monika ihren Kleinen bei den Hausaufgaben und spielt mit ihnen. Das Abendessen wird in Haus Nr.5 immer gemeinsam gemacht und gegessen. Vor dem Schlafengehen liest Monika manchmal noch eine Geschichte vor und dann wird es still im Dorf. Das ist auch gut so, denn der Schlaf tut allen gut.
"Der Kontakt ist abgebrochen"

Mathias (links) sitzt mit seiner Familie auf der Couch., Foto: Wibke Schumacher
Der achtjährige Mathias erzählt vom Kontakt zu seiner richtigen Mutter. Eine Geschichte von vielen SOS-Kinderdorfbewohnern.
Mathias sitzt auf dem roten Sofa im Wohnzimmer. Er erzählt mir, dass er gern Fußball spielt und Fahrrad fährt, genauso wie viele andere Achtjährige auch. Doch etwas ist anders, denn Mathias wohnt im SOS-Kinderdorf. Seine Kinderdorfmama Monika Dreissig sitzt ihm gegenüber.
„Erst hatte ich Kontakt zu meiner richtigen Mama, aber dann ist er abgebrochen.“, berichtet Mathias. Nun ist das hier sein festes zu Hause, zu dem auch die achtzehnjährige „Tochter“ gehört. „Wenn die Kleinen im Bett sind, drehen Mama und ich abends so richtig auf“, lacht sie. Auch wenn der Kontakt zur eigenen Familie oft abbricht, hier im SOS-Kinderdorf fühlen die beiden sich wohl.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende

SOS-Kinderdörfer bringen den Kindern ihr Lachen zurück., Foto: SOS-Kinderdorf
Wenn die Kinder in Lüdenscheid für einen Moment ihre Vergangenheit vergessen, ist ihr Lachen unglaublich.
Die Struktur der SOS-Kinderdörfer ist einzigartig und kein anderes Projekt hat es geschafft, im Laufe der Jahre so vielen Kindern eine neue Familie zu schenken. Sie spielen Fußball, gehen spazieren oder spielen mit ihrem eigenen Hund. So können sie die schlimmen Ereignisse, die ihnen früher widerfahren sind, für einen Moment vergessen.
In Deutschland wurde seit fast 60 Jahren schon vielen Kindern in Not geholfen, und die Geschichte der Dörfer ist noch nicht zu Ende.



der Rubrik Weitblick



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