Hefte raus, Klassenarbeit! Spaß kommt da keiner auf. Anders könnte es beim Schulfach Glück sein. Foto: Dinah P. / www.jugendfotos.de

Wer meint, Schule habe ausschließlich mit öden, miefigen Klassenzimmern, langweiligem Frontalunterricht und sturem Auswendig-Pauken zu tun, der irrt. Zahlreiche Schulen in Deutschland haben in den letzten Jahren bewiesen, dass es auch anders geht und „Exotik-Fächer“ wie Golf oder Weinbau in ihr Programm integriert. Hier eine Auswahl der wohl verrücktesten Unterrichtsfächer an deutschen Schulen...

GLÜCK

Laut einer Umfrage empfinden Jugendliche nur einen Zahnarztbesuch schlimmer als ihren Schulalltag. Über diese Tatsache war Oberstudienrat Ernst Fritz-Schubert so schockiert, dass er das Schulfach „Glück“ entwickelte. Das wird nun schon seit einem Jahr an der Willy-Hellpach–Schule in Heidelberg unterrichtet. Fritz-Schubert geht es vor allem darum, die Lebensfreude, individuelle Persönlichkeitsentwicklung, das Wahrnehmen eigener Stärken und Schwächen und damit auch die Selbstsicherheit seiner Schülerinnen und Schüler zu fördern. Durch Rollenspiele, intensive Gespräche oder Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen sollen sie kreativer werden, sich in kollektivem Verhalten üben und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Kurz: bewusster leben. Was für uns unvorstellbar ist, gehört in England schon lange zum alltäglichen Lehrplan: Dort hat das kuriose Fach nämlich seinen Ursprung.

 


Mit Kryptologie geheime Nachrichten entschlüsseln lernen.
Foto: Daniel Müller, jugendfotos.de

KRYPTOLOGIE

Wer ein Mathe-Liebhaber ist, könnte an diesem geheimnisvollen Kurs Gefallen finden, der am Gymnasium Gröbenzell in Bayern angeboten wird. Hier erfolgt eine Einführung in die einfachsten Methoden des Ver- und Entschlüsselns geheimer Nachrichten. Als Kursteilnehmer muss man sich darauf einstellen, mit einer Menge mathematischer Fragen und Zahlen in Berührung zu kommen, sobald es ans Analysieren verschiedener Chiffren oder Austüfteln eigener Geheimcodes geht. Vielleicht wirkt genau diese Parallele zur oft gefürchteten Mathematik abschreckend auf das in dieser Hinsicht doch teilweise schwache, weibliche Geschlecht und ist Grund dafür, dass im vergangenen Schuljahr nur Jungs am Kurs teilnahmen. Dabei ist das Ziel, durch eine eigene Geheimschrift zum Beispiel die persönliche Datensicherheit in E-Mails zu erhöhen, gerade in unserer vernetzten Welt kein schlechter Ansporn. Auch für Mädchen.

 


Naschen verboten: Die Trauben an den Reben sollen einmal zu Wein werden
Foto: Annamartha, pixelio.de

WEINBAU

Schule und Alkohol – theoretisch zwei einander ausschließende Begriffe. Theoretisch. Das Gymnasium Lauscha in Sachsen-Anhalt beweist, dass die Praxis ganz anders aussehen kann. Der einstige stellvertretende Schulleiter Hans-Peter Knospe engagierte sich dafür, dass Weinbau in den Lehrplan aufgenommen wurde: Im theoretischen Teil des Unterrichts lernen die Schülerinnen und Schüler die chemische Zusammensetzung des Weins, den Aufbau der Pflanze und verschiedene Schnitttechniken kennen. Den entscheidenden Vorteil des Fachs sieht Herr Knospe allerdings in der naturverbundenen, körperlichen Arbeit: Reben beschneiden, Anbinden von Trieben, Rasenmähen, Boden lockern und Entfernen störender Blätter. Die praktische Arbeit im Freien, aber auch die Auseinandersetzung mit tief verwurzelten Weinbau-Traditionen, die typisch für die Saale-Unstrut-Region sind, waren ausschlaggebende Argumente für das Einführen des Fachs. Sogar die mündliche Abiturprüfung darf als Ersatz für Chemie im Weinbau abgelegt werden. Und den drei Abiturbesten kommt jedes Jahr die Ehre zu, ihren eigenen Rebstock zu pflanzen. Für das leibliche Wohl auf der Abifeier ist also gesorgt.

 


Vorsicht vor Stichen, dann klappt's auch mit dem Honig: Imkerei auf dem Schulhof
Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de

BIENENKUNDE

Im Schulgarten des Adolf-Weber-Gymnasiums in München ist es keine Seltenheit, durch Imkerblusen vermummte Schülerinnen und Schüler anzutreffen. Ihre Aufgabe ist die Pflege der Tiere, das Feststellen der Schleuderreife des Honigs und der anschließende Verkauf auf dem Schulbasar. Das Versorgen mehrerer Tausend Bienen, die in verschiedenen Stöcken auf dem Schulhof leben, klingt gefährlich. Der Biologielehrer Luitpold Klotz, der den Bienenkundekurs ins Leben gerufen hat, versichert allerdings, dass äußerster Wert auf die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler gelegt werde. So dürfen sie nur in ihrer Schutzkleidung mit den Bienen in Interaktion treten. Außerdem seien die Tiere überaus friedfertig und stächen nur, wenn sie sich im Imkerblusen-Ärmel einer Schülerin oder eines Schülers verirren. Bleibt nur zu hoffen, dass dies nicht allzu oft der Fall ist.

 


Ins Rough oder aufs Grün: darum gehts beim eleganten Sport Golf
Foto: Julian Beger, jugendfotos.de 

GOLF

Der vermeintlich langweiligste Sport der Welt begeistert eine Reihe von Schülerinnen und Schülern an der 1. Oberschule Fürstenwalde in Brandenburg. Und die Lehrer loben es als sinnvolle Kombination von sportlicher Betätigung, physikalischem Wissen, guten Umgangsformen und Englischkenntnissen. Wenn die Jugendlichen nicht gerade auf dem Rasen trainieren oder im Winter in der Schulsporthalle Fitnessübungen machen, lernen sie nämlich zusätzlich alles Wissenswerte über die Geschichte und Tradition, Technik und Taktik des Golfsports. In der 10. Klasse können sie Golf sogar als Prüfungsfach wählen. Für den theoretischen Unterricht stehen schulinterne Arbeitsmaterialien und Lehrbücher zur Verfügung, die die Vermittlung der anspruchsvollen Regeln und der bekannten Golfetikette erleichtern sollen. Bei einer so vielversprechenden Vorbereitung sollten wir uns also in Kürze auf den Tiger Woods der nächsten Generation gefasst machen.


Mehr Spaß als Unterricht: auf Wasserskiern über die Wasseroberfläche zu fahren
Foto: Manuel Weiser, jugendfotos.de

WASSERSKI

Um in den Genuss eines ordentlichen Adrenalin-Kicks und vielleicht auch ein wenig Urlaubsfeelings zu gelangen, müssen die Schülerinnen und Schüler der hessischen Gesamtschule Niederwalgern nicht weit reisen. Die Teilnahme am Wahlkurs „Fit for fun“ genügt.
Der Sportlehrerin Brigitte Müller, die die Idee zu diesem ausgefallenen Schulsport hatte, gefällt vor allem das starke Erfolgserlebnis, das sich bei den meisten Schülerinnen und Schülern sehr schnell einstellt. So variieren die Erfahrenen schon das Tempo, fahren Slalom oder überqueren Rampen, während die blutigen Anfänger zunächst noch sehr wacklig auf den Skiern stehen und vielleicht öfter mit dem kühlen Nass in Berührung geraten, als ihnen lieb ist. Fest steht jedoch: Spaß macht es ihnen allen, sich von einem Seil mit bis zu 60 Stundenkilometern über den Niederweimarer See ziehen zu lassen. Sogar so sehr, dass niedrige Wassertemperaturen in Kauf genommen werden und bei einigen das Interesse für das noch schwierigere Wakeboarden geweckt wurde.

Dass die Schülerin Pauline Dyrschka der Gesamtschule Niederwalgern Wakeboard-Weltmeisterin ist, steigert den schulischen Ehrgeiz ihrer Mitschüler in diesem extremen Unterrichtsfach sicher noch zusätzlich.


Schulunterricht an der frischen Luft: Na dann Petri Heil!
Foto: Olga Meier, pixelio.de

ANGELN

Wer hätte gedacht, dass die Einführung eines neuen Unterrichtsfaches Proteste verärgerter Tierschützer provozieren könnte? Deren Parolen lauten nämlich: „Angeln ist Mord, kein Schulfach!“ und beziehen sich auf die Neuerungen an der Regionalen Schule Klütz in Mecklenburg-Vorpommern.

Dabei verfolgte Schulleiterin Simone Oldenburg lediglich das ehrenhafte Ziel, ihre Schule attraktiver zu gestalten, als sie mehr als ein Dutzend außergewöhnliche Kursangebote einführte. Neben Fußball, Feuerwehr, Taekwondo, einer Fahrradwerkstatt oder der Möglichkeit, mehr über die DDR zu erfahren, hat der Angelkurs im vergangenen Jahr viele Schülerinnen und Schüler angezogen. Welcher durchschnittliche Jugendliche kann schon von sich behaupten, mit der Technik des Angelns, dem einwandfreien Umgang mit Angelrute und Köder und schließlich dem richtigen Ausnehmens eines Fisches vertraut zu sein? Simone Oldenburg jedenfalls ist froh über das vielfältige Angebot, das sie ihren Zöglingen bieten kann. Und auch die Resonanz darauf ist groß. Andere Schulen ziehen bereits nach. Ein Aufatmen ist für Tierschützer in dieser Angelegenheit noch lange nicht in Sicht: Schon sieben Bildungsstätten in Deutschland bieten Angeln in ihrem Stundenplan an.

 

 

 

 

 

EURYTHMIE

Schwieriges Wort, beschwingtes Fach. Eurythmie ist eine Bewegungskunst, deren Besonderheit darin liegt, dass man einen Gedanken, eine geistige Regung oder eine Emotion
durch eine körperliche Bewegung zum Ausdruck bringt. Die Schülerinnen und Schüler der Rudolf-Steiner-Schule im bayerischen Coburg sollen auf diese Weise ein gezieltes Körperbewusstsein entwickeln und den Ausdruck bestimmter Bewegungen kennen lernen. Die Eurythmie besteht schon lange als Kunstform und wird vor allem an Waldorfschulen unterrichtet, da sie sowohl Koordination, als auch Interpretationsfähigkeit und soziale Wachheit der Schülerinnen und Schüler fördert.

Ein Mädchen in weißer Reiterhose und blaugraukariertem Hemd sitzt auf einem braunen Pferd.
Fest im Sattel sitzen ist die Devise. Und sich ans alte Sprichwort halten: Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde
Foto: Frank Grätz

REITEN

Das Striegeln und Pflegen, Reiten und Erziehen von den allseits beliebten, großen und meist gutmütigen Tieren wird an der Gesamtschule im brandenburgischen Neustadt (Dosse) nicht nur als Hobby praktiziert, sondern sehr ernst genommen. Drei Schulstunden pro Woche verbringen die hauptsächlich weiblichen Kursteilnehmer auf dem Rücken eines Pferdes und üben sich im Dressurreiten und Springen. Was nach der Verwirklichung eines typischen Mädchentraums klingen mag, ist für die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule mit harter Arbeit und Disziplin verbunden. Auch theoretischer Unterricht ist für sie alle Pflicht. Die Begabtesten und Ehrgeizigsten können in einer Spezialklasse gefördert werden und, sofern sie dieses Wahlfach bis zum Abitur belegen, die Schule mit einem Trainerschein verlassen.

KLETTERN

In der Pausenhalle der Heinrich-Böll-Schule im hessischen Hattersheim am Main steht neuerdings eine Kletterwand. Der Witz dabei ist: In den Pausen ist sie für sämtliche Schüler tabu. Sie dient nämlich nicht allein dem Vergnügen der Stifte, sondern soll als konstruktives Unterrichtsmittel gezielt im Sportunterricht, in Freizeitkursen der Schulsozialarbeit und zur Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden. Da man sich beim Klettern eigenen Grenzen stellt und sogar über sie hinaus wachsen kann oder aber die Sicherung eines anderen übernehmen muss, werden Handlungskompetenz, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein der Jugendlichen gestärkt. Außerdem soll das einfallsreiche, flexible und produktive Denken, das fürs Erklimmen einer Kletterwand erforderlich ist, auch auf die anderen Schulfächer abfärben. Frei nach dem Motto „Wer klettern kann, der kann auch rechnen“, erhoffen sich Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrer von dem Projekt, dass die Jugendlichen ihre hohe Konzentration und ihren Ehrgeiz von der Kletterwand direkt mit in den Unterricht bringen.

Kommentare

Ich finde Klettern als Schulfach echt cool. Ich klettere nämlich selber auch, aber nur als Wahlfach.

Neuen Kommentar schreiben

14 + 6 =
Diese Aufgabe verhindert das automatische Eintragen von SPAM. Die Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.