DVD-Cover des Films "Eine unbequeme Wahrheit".
Der Titel ist Programm: ein Gericht fand elf Fehler im Film. Grafik: Inpromo.

Kann ein Film über den Klimaschutz unterhaltsam sein? „Eine unbequeme Wahrheit“ schafft den Spagat zwischen Unterhaltung und Wissensvermittlung leider nur in den ersten Minuten.

Plätscherndes Wasser, Vogelgezwitscher, beruhigende Musik: alles könnte so schön sein, würde sich die Szenerie nicht plötzlich verändern und Al Gore messiasähnlich seine Umweltparolen ins Publikum schleudern. 93 Minuten Al Gore, ein dunkler Raum, viele Zuhörer und farbenfrohe Grafiken – das ist das Konzept des Films, der im wesentlichen einen der Auftritte des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore im Rahmen seiner Welttournee dokumentiert. Der Titel „Eine unbequeme Wahrheit“ ist also Programm. Nicht jede der 93 Minuten wird derart trocken gestaltet, manchmal gibt es auch Ausschnitte von Naturkatastrophen und Umweltzerstörung, Archivmaterial von Al Gore's Zeit als Vizepräsident und Szenen aus seinen Reisen, frei nach dem Motto: Irgendwie ein bisschen öde, lass uns mal was Buntes dazwischen mischen. Die Passagen über Al Gore sind die emotionalen Momente des Films. Allerdings werden diese Szenen unvermittelt und zusammenhanglos eingestreut.

Umweltschutz im Designer-Anzug

Kann eine Klimaschutzbotschaft überhaupt unterhaltsam sein? Am Anfang hält der Film noch die Balance zwischen Wissensvermittlung und Unterhaltung. Kaum reckt Al Gore den moralischen Zeigefinger empor, folgt auch schon eine kleine Anekdote zur Auflockerung. Die Devise lautet: Ein Umweltschutz-Typ mit Designer-Anzug und Hollywood-Lächeln kommt bestimmt besser an als die Ökos in Jesuslatschen. Doch manchmal hat man den Eindruck, aus Fakten werden Horrorgeschichten. Um die dramatischen Entwicklungen der Erde zu illustrieren, ranken sich Diagramm-Linien auf einem riesigen Monitor unter dem Schlagwort „Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“ in die Höhe. Um auf dem riesigen Monitor überhaupt etwas zeigen zu können, fährt Al Gore mit einer Hebebühne den Verlauf des Diagramms grinsend ab und wird an die höchste Risikospitze katapultiert. Schlagwörter wie Vogelgrippe, Sklavenbefreiung, Kampf gegen den Faschismus und 11. September werden im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung eingeworfen.

Gericht befindet den Film als fehlerbehaftet

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Zwar vermittelt der Film viele Informationen richtig und anschaulich, Argumente der Gegenseite werden aber recht polemisch abgekanzelt, während Al Gore nicht bewiesene Theorien als wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Ein Gericht fand mittlerweile elf Fehler, so dass der Film in britischen Schulen nicht mehr unkommentiert vorgeführt werden darf. Die Aussage des knapp eineinhalbstündigen Films lässt sich auf die apokalyptische Essenz „Wenn wir so weiter machen, wird die globale Erwärmung uns alle töten“ zusammenfassen.

Zum Ende des Films wabern vor schwarzem Hintergrund noch einige Tipps, wie jeder Mensch zum Umweltschutz beitragen kann, und Melissa Etheridge schmettert in bester Gospel-Pop-Manier „I need to wake up“. Bleibt nur noch eine Frage: Wie viele der Zuschauer sind während es Films aufgewacht, wie viele eingeschlafen?


Davis Guggenheim, Eine unbequeme Wahrheit
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