Nadine mit Melina. Foto: Tahnee Godt

Mit Anfang zwanzig ist das Leben schon aufregend genug- wenn man dann auch noch Mutter eines kleinen Mädchens ist, ist Trubel vorprogrammiert. Schekker Autorin Tahnee besucht Nadine, 20, und ihre kleine Tochter Melina.


 

Mit Melinas Geburt hat sich vieles verändert


„Wow, hier ist es aber ordentlich!“. Ich folge Nadine in ihr kleines Wohnzimmer und bin erstaunt: Kein Krümelchen liegt auf dem Boden. Das letzte Mal, als ich bei ihr war, waren wir beide um die 14 Jahre alt. Heute liegt keine einzige Zigarettenschachtel herum, der Aschenbecher existiert ebenfalls nicht mehr. Stattdessen haben sich „Türhopser“ und anderes Kinderspielzeug auf dem Laminat breit gemacht. Nadine lächelt. „Ich halte meine Wohnung mittlerweile immer sauber, die kleine krabbelt ja überall herum. Und rauchfreie Zone ist hier sowieso.“

Seit knapp acht Monaten ist Nadine jetzt also Mama von Melina. Es ist immer noch schwer, das zu begreifen, auch für sie. Mutter wollte sie unbedingt werden, doch dann folgte das Beziehungsaus mit ihrem Ex. Und wie hätte es anders sein können: Während der Trennung erfuhr sie von ihrem Glück. „Für mich ist erst mal eine Welt zusammen gebrochen.“ Gerade neunzehn, keine Arbeit und dann schwanger. „Nach ein paar Tagen und vielen Gesprächen mit Freunden und dem Kindsvater konnte ich mich dann aber doch freuen.“

Da es erstaunlich ruhig ist, frage ich, ob Melina nicht da sei. Die aber schläft seelenruhig nebenan. „Ich habe wirklich Glück mit dem Kind, kann durchschlafen und stehe morgens erst zwischen 8 und 9 Uhr auf.“ Das war aber nicht immer so. Wie viele Mütter war auch Nadine zuhause zunächst überfordert, wenn die Kleine nicht essen oder schlafen wollte. Doch dank der Unterstützung ihrer Eltern und Freunde kam sie rasch mit der Situation zurecht.

Mal eben duschen gehen? Fehlanzeige!

 

An wen kann ich mich mit Problemen wenden?

Das Leben mit Kind kann ganz schön anstrengend sein.Wer sich als junge Familie oder Elternteil in seiner Situation allein gelassen fühlt, kann sich Unterstützung bei der Familienberatung holen. Hier kann man Erfahrungen und Tipps austauschen oder einfach ein paar aufmunternde Worte finden, wenn man sich überfordert fühlt.
Bei Fragen liefern außerdem örtliche Jugendämter nötige Antworten.

Für Alleinerziehende bieten der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) Beratung und Informationen.

Auf die Frage, was sich am meisten seit Melinas Geburt verändert habe, antwortet Nadine ohne zu zögern: „Mein Tagesablauf lässt überhaupt keine Spontanität mehr zu.“ Ich erinnere mich kurz an die alte Nadine, die damals immer und überall mit dabei war. „Nach dem Frühstück spiele ich mit Melina zwei bis drei Stunden lang, dann schläft sie eine Stunde lang, nach dem Mittagessen gehen wir raus und dann gibt es um sieben schon wieder Abendbrot. Meine Freizeit fängt dann gegen 20 Uhr an, wenn Melina schläft.“ Und so werden kleine Ereignisse, wie ein paar Minuten lang duschen oder im Internet surfen schon zu einem Highlight. Nadine lacht auffällig viel, nicht affektiert, sondern einfach herzlich.
Auch äußerlich hat sie sich verändert, sieht trotz Mutter-Daseins wahnsinnig gepflegt aus und wirkt einfach fit. „Früher bin ich manchmal bis zum Umfallen feiern gegangen.“ Sie schaut verschmitzt zu Boden und knetet sich die Hände. „Heute gehe ich ganz anders mit meinem Körper um, achte auf mein Umfeld und auch auf meinen Ruf. Ich kann mich nicht einfach aus Spaß vom Stuhl fallen lassen, wie früher in der Schule. Ich muss einfach überleben, sonst sind wir geliefert“. Beim letzten Satz müssen wir beide schmunzeln, aber irgendwie stimmt er ja auch. Denn obwohl das Kind einen Vater hat, wie Nadine betont, ist die Unterstützung doch nicht so, wie sie sein sollte.
 

Melina soll sich Zeit lassen

 

Wie ist die finanzielle Unterstützung?

Seit dem Jahr 2007 erhalten alle Eltern für den Start mit ihrem Kind das sogenannte Elterngeld. Anspruch darauf gibt es für maximal 14 Monate. Auch Alleinerziehende erhalten für diesen Zeitraum Elterngeld. Länger beansprucht werden kann es dann, wenn ein Elternteil das alleinige Sorgerecht hat und es keinen Partner gibt, der ebenfalls Anspruch darauf erheben könnte. Es beträgt fast 70 Prozent des vorherigen Einkommens. Mehr Infos gibt es beim Bundesfamilienministerium.

Jedes Kind hat Anspruch auf Kindergeld. Es beträgt bis zum zweiten Kind 184 Euro im Monat. Ab dem Dritten noch etwas mehr. Beantragen kann man das Kindergeld bei der Familienkasse der örtlichen Arbeitsagentur.

Auch finanziell sieht es eher dürftig aus. Noch bezieht sie Elterngeld. Wenn das allerdings bald wegfällt, dann wird auch sie sich zumindest zeitweise von ihrer Melina trennen müssen, um arbeiten gehen zu können.

Zu schnell groß werden soll die Kleine trotzdem nicht, wenn es nach Nadine geht. „Wenn ich mir vorstelle, was ich mit 14 gemacht habe, kriege ich jetzt schon Angst davor, wenn Melina in das Alter kommt.“ Sie zupft an dem Türhopser, dann guckt sie mich mit leuchtenden Augen an und wir beide wissen: Bis dahin ist es noch eine lange Zeit. Das erste Wort, der erste Schultag, all das liegt noch in der Ferne. Ich mache mich auf den Weg, um Nadine noch die paar Stunden Freizeit zu gönnen, die sie zum Aufräumen nutzen will. Wir sind beide erwachsen geworden, aber Nadine ist durch Melina wirklich gewachsen.

 

 

 

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