Daniel Ebneth vor einem Bebauungsplan. Foto: Fabian Vögtle

Er wollte gerne in München Architektur studieren. Da sich sein Wunsch nicht verwirklichen ließ, ging der gebürtige Bayer nach Berlin. Dort begann er im Jahr 2000 an der Technischen Universität mit seinem Stadtplanungs-Studium.

Stadtplaner in der Modellstadt


Nach dem Studium arbeitete er für ein Jahr freiberuflich in einem Planungsbüro und hängte dann in Köln noch ein städtebauliches Referendariat dran. Eine Zusatzqualifikation, die ihm in zwei Jahren noch mal ordentlich Wissen und Erfahrungswerte brachte und schließlich den Weg Richtung Freiburg ebnete.

Zusammen mit seiner Frau und den zwei Kindern lebt der 31-jährige nun seit 2009 in der „Green City“ Freiburg. Die wurde als Modellstadt für nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtplanung zur „Europäischen Stadt des Jahres 2010“ gekürt. Beste Voraussetzungen also für einen jungen und kreativen Kopf.

Dort kümmerte er sich zunächst um die Entwicklung der ganzen Stadt. Mittlerweile sitzt er als Gruppenleiter für einige Stadtteile in seinem mit Modellen, Bau- und Stadtteilplänen recht bunt wirkenden Büro der Abteilung Städtebau. „Im Städtebau arbeitet man sehr verbindlich“, beschreibt er die Aufgaben. Schließlich gehe es hier nicht um den Flächennutzungsplan der Gesamtstadt, sondern konkret um Bebauungspläne einzelner Wohngebiete und Grundstücke.

Mega-Thema demografischer Wandel


Nur wenige Städte in Deutschland legen derzeit noch an Einwohnern zu. Freiburg ist eine von ihnen. Aus diesem Grund entstanden in den vergangenen Jahren neue Stadtteile und es wird auch weiterhin an neuen, nachhaltigen Wohngebieten geplant und gebaut. Doch die Herausforderungen der Zukunft liegen nicht mehr so stark in der Planung neuer Wohnviertel. Vielmehr geht es um Stadtumbau und Modernisierung. So wird etwa überlegt, wie Stadtbezirke mit Hochhaussiedlungen aus den 1970er Jahren für die Zukunft fit gemacht werden können.
 

Mann steht vor Modell und erklärt
Daniel Ebneth erklärt ein Modell in
seinem Büro.
Foto: Fabian Vögtle

Und auch der demografische Wandel ist eine ernstzunehmende Tatsache und die womöglich größte Herausforderung der Städte im 21. Jahrhundert. Für Ebneth ist das ein „Mega-Thema“: Es ist nämlich nicht nur ein quantitativer Bevölkerungs-rückgang abzusehen, weshalb die Städte langfristig Einwohner verlieren werden. Vielmehr wird auch die Kluft zwischen verschieden Gesellschafts-schichten immer größer. Dieses wird sich laut Ebneth auch in städtischen Strukturen abzeichnen. Für ihn ist deshalb die Wohnungsfrage das Thema der Zukunft, besonders in Freiburg.

Er spricht in diesem Zusammenhang von Innenentwicklung. Was er damit meint, ist vor allem die stärkere Nutzung und Verbesserung bereits vorhandener Flächen statt einfach neu zu bauen. Dabei ist auch die Altersstruktur zu berücksichtigen. Wo leben vorwiegend ältere Menschen? In welchen Stadtvierteln gibt es zu viele oder zu wenige Kindergärten und Schulen? Die möglichst gleichmäßige Auslastung und eine gut funktionierende Infrastruktur sind Ziele der Zukunft.

Dazu kommt die ökologische Komponente. Der Klimaschutz spielt natürlich auch eine Rolle. Für Ebneths Arbeit ist er aber nicht die entscheidende Zukunftsfrage, da die Möglichkeiten von Stadtplanern und Architekten, global gegen den Klimawandel anzukämpfen, begrenzt sind.

Links zum Beruf:

Bund deutscher Architekten: Über das Berufsfeld von Architekten und Stadtplanern

Architektenkammer Baden Württemberg: Berufsbild und Hinweise

Stadtplanungsamt der Stadt Freiburg: Informationen über Stadtentwicklung und Stadtplanung

SRL e.V. Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung: Links sowie Jobs- und Praktikumsbörse

Business Podium Boards: Übersicht zu den Studiengängen Stadtplanung/Städtebau/Architektur an Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland

Europäischer Rat der Stadtplaner (European Council of Town Planners, ECTP): Informationen und Aktuelles rund um dem Beruf und Stadtplanung von der EU aus Brüssel (auf englisch)

Mehrdimensional und vernetzt

Auf die Frage, ob Stadtplaner ein Beruf der Zukunft sei, hat er eine klare Antwort: „Wir sind keine Fachidioten, sondern denken mehrdimensional und vernetzt.“ Gerade weil Stadtplaner dafür prädestiniert sind, vielschichtige Probleme zu erkennen, werden sie auch in der Zukunft gefragt sein, ist sich Ebneth sicher. Ein Vorteil sei auch, dass man als Stadtplaner sehr projektbezogen und selbstbestimmt arbeitet.

Der zweifache Vater plant vor allem an seinem Schreibtisch in einem Gebäude des Technischen Rathauses, mit Blick auf eine grüne Kleingartensiedlung. Doch in seinem Beruf sei es wichtig, dass man die Orte gut kennt. „Man sollte so oft wie möglich rausgehen“, findet er, „denn die Luftbilder sind unzureichend.“ In seinem Job gehören Gespräche und Diskussionen mit Architekten, Politikern sowie Kollegen auch aus anderen Fachämtern zur Tagesordnung. 


Darüber hinaus ist es wichtig, Kontakt zu Bürgervereinen zu halten und sich über Probleme und Interessen vor Ort zu informieren. So wird schon mal ein Planungsworkshop veranstaltet, bei dem die Bürger ihre Ideen einbringen können. Der engagierte Ebneth ist sich sicher, dass durch eine frühe Bürgerbeteiligung bei den Projekten der große Aufschrei am Ende vermieden werden kann. Dass es hin und wieder trotzdem Kritik und Unmut gibt, bestreitet der ausgebildete Diplom-Ingenieur aber nicht.

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