Projekttage – man lernt, ohne zu merken, dass man lernt. Im Film merken die Schülerinnen und Schüler auch nicht mehr, dass sie eine Grenze überschreiten. Dafür wird dem Zuschauer umso deutlicher, wie Faschismus funktioniert.
Während unseres Schulprojekts „Schule als Staat“ gründeten ein paar Freundinnen und ich einen Obststand. Wir kauften ein, schnippelten Früchte und versorgten die Schule mit Obstbechern. Nebenbei lernten wir, wie stressig es sein kann, einen eigenen Laden zu schmeißen.
In der Romanverfilmung „Die Welle“ finden Projektwochen zum Thema „Staatsformen“ statt. Um seinen Zöglingen zu zeigen, was Autokratie bedeutet, startet der Lehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) ein Experiment. Am Anfang sind alle vom Thema genervt, denn Nationalsozialismus haben sie schon so oft durchgekaut. „Eine Diktatur kann es hier eh nicht mehr geben“, meinen sie. Wenger will ihnen das Gegenteil beweisen. Dafür hebt er zuerst die Sitzordnung auf: Gute Schülerinnen und Schüler sitzen nun neben den schlechten und sollen ihnen helfen. Damit will er Cliquen auflösen und der Klasse beibringen, sich als Ganzes zu sehen. Um ihr Gemeinschaftsgefühl weiter zu stärken, will er, dass sie nur noch weiße Hemden tragen. Wer das nicht tut, wird von ihm und der Gruppe ausgegrenzt.
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Es dauert nicht lange, bis die Klasse Gefallen an dem Projekt findet, denn sie merkt, wie stark sie gemeinsam ist. Ein Außenseiter muss sich nicht mehr vor Sticheleien fürchten, da er von den Gruppenmitgliedern beschützt wird. Andere sind einfach froh, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Auch nachdem die Schulglocke den Schultag beendet, sind sie weiterhin „Die Welle“.
Das eigens entworfene Logo sprühen sie nachts heimlich auf die Wände der Stadt. Schülerinnen und Schüler, die sich der Welle verweigern, grenzen sie aus. Wenger merkt bald, dass er seine Gruppe nicht mehr im Griff hat.
Ich habe den Film gemeinsam mit meiner Klasse angesehen. Erschreckend daran fand ich, dass die Klasse im Film unserer so ähnlich war: Es gab den Kasper, die Schönheit, die Streberin und den Nerd. Eine ganz normale Klasse eben. Das machte mir bewusst, wie empfänglich der Mensch für den Faschismus ist, wie leicht er sich von einer Macht beeindrucken lässt und mitzieht. Dass die Demokratie etwas ist, das ständig verteidigt werden muss, erfährt man nicht unbedingt bei dem ständigen Durchkauen des Nationalsozialismus in der Schule. Doch wenn sie plötzlich ernsthaft in Gefahr ist, so wie bei diesem Projekt, merkt man schnell, wie wichtig und wie wenig selbstverständlich sie ist.
„Die Welle“
(Constantin Filmverleih, DVD: 17,95 Euro)






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