Wenn man Stefan Bernard in seinem Arbeitsumfeld sieht, scheint es, als sei Landschaftsarchitektur nicht nur seine tägliche Arbeit, sondern seine Berufung.
„In diesem Job muss man Idealist sein, etwas verändern wollen, aktiv werden und an etwas glauben“, sagt der 40-Jährige.
In dem Landschaftsarchitekturbüro „Bernard und Sattler“, in dem er mit seinem Kollegen Phillip Sattler und einigen Angestellten arbeitet, hängen überall Pläne. Einige davon sind technische Zeichnungen, andere gleichen eher Gemälden. Bei gestalterischen Prozessen gibt es immer mehr, als nur eine Lösung“, erklärt Stefan Bernard und zeigt auf selbst gezeichnete Vorskizzen und Entwürfe.
Vom Auftrag zur Idee
Neben dem künstlerischen Gestalten gibt es natürlich noch viele andere Aufgabenbereiche, die ein Landschaftsarchitekt erfüllen muss. Welche das sind, erklärt Stefan Bernard am Beispiel der Hessischen Landesvertretung in Berlin - einem Auftragsprojekt des Bundeslandes Hessen.
Stefan Bernhard vor seinem aktuellen
Projekt. Foto: Linda Haazipolo
Die erste Phase in jedem neuen Projekt nennt er „Sammeln und Spüren“ oder „Grundlagenermittlung“. In dieser Zeit versucht er, sich dem Auftragsort kreativ zu nähern: Was ist im Moment da? Wie sehen die Gebäude rund um die zu planende Fläche aus? Auch in der Geschichte des Ortes wird gestöbert. Dort, wo heute die Hessische Landesvertretung in Berlin steht, stand vor 20 Jahren noch die Mauer. Und vor der Mauer stand dort die Staatskanzlei der Nationalsozialisten. Stefan Bernard hat Bilder davon besorgt, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Den Ort, seine Umgebung und Geschichte zu kennen, hilft ihm dabei, Ideen für das zukünftige Aussehen zu finden.
Seine Entwürfe muss Stefan Bernard immer mit dem Bauherrn besprechen. Der muss informiert werden und die Pläne absegnen. Jeder Planungsabschnitt wird zeichnerisch festgehalten und im Architekturbüro aufgehängt.
Von der Zeichnung zur Bauanleitung
Hier könnt ihr euch die Hessische Landesregierung ansehen.
Alles zum Beruf Landschaftsarchitekt findet ihr im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit.
Und noch ein paar allgemeine Infos zum Thema Landschaftsarchitektur gibt es hier.
Wenn alle rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind, schreibt Stefan Bernard ein Leistungsverzeichnis. Darin steht, wie das geplante Projekt später aussehen soll, wie es gestaltet wird und aus welchen Materialien. Jede Schraube muss darin verzeichnet sein. Da kann das ganze Dokument schon mal 80 Seiten lang werden. Mit Zeichnungen ausgestattet, wird es den potentiellen Bauunternehmen übergeben. Die berechnen dann, wie viel die Umsetzung für den Auftraggeber kosten würde. „Wir empfehlen dem Bauherrn dann den günstigsten Anbieter“, erklärt Stefan Bernard. Danach wird der Auftrag wasserdicht gemacht. „Im Fall der Hessischen Landesvertretung hat es von der Planung bis zur Fertigstellung nur sieben Monate gedauert, weil das Gelände sehr klein ist. Bei größeren Projekten können bis zur Fertigstellung schon mal mehrere Jahre vergehen“.
Er zeigt mir Bilder vom fertigen Projekt: Die Rasenfelder sind nicht gerade und gleichförmig geschnitten, sondern asymmetrisch, dazwischen liegen Betonwege, auch sie sind nicht geradlinig, genau wie die Geschichte des Ortes. Das Gebäude dagegen ist ganz akkurat geformt – „expressionistisch“, sagt Stefan Bernard. In einer Ecke des Grundstücks wächst Wein - der Bauherr wollte es so, wegen des Hessischen Weinanbaugebiets.
Architektur in der Landschaft- ein Bürojob?

Begeistert zeigt Stefan Bernard auf
seine Pläne. Foto: Linda Haazipolo
Wird ein Ort umgebaut, muss der Landschaftsarchitekt das Projekt regelmäßig überwachen, um sicher zu gehen, dass alles planmäßig verläuft. Stefan Bernard hat schon Projekte in Oldenburg, im Rheingau, in Frankfurt/Main und Berlin betreut. Reisen gehören zu seinem Job. Doch die meiste Zeit verbringt er mit dem Entwerfen und Planen im Büro, wie er sagt. „Landschaftsarchitekten sind keine Leute, die viel draußen arbeiten, auch wenn der Name das vermuten lässt.“ Fragt man ihn nach Voraussetzungen für seinen Job, antwortet er: „Ich glaube nicht, dass man für diesen Job ein Mathe-Genie oder ein besonders toller Zeichner sein muss. Man sollte Lust haben, sich einzubringen und etwas zu verändern, um am Schluss mit Freude sagen zu können: Das ist meins. Auch wenn vieles im Endeffekt vom Bauherren oder anderen entschieden
wird.“



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