In "Deutschland. Ein Wintermärchen" geht es nicht um Väterchen Frost. Grafik: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Heinrich Heine lebte 1843 bereits seit 13 Jahren im Pariser Exil, als er den ersten Entwurf von „Deutschland. Ein Wintermärchen“ verfasste. Einem Märchen gleicht das Buch aber nicht.

Idyllische Winterbeschreibungen und gemütliches Holzofen-Ambiente sucht man in Heines Buch vergeblich. Vielmehr geht es dem Autor um den politischen Winter in Deutschland. Erstarrt unter dicken Eisschichten politischer Ratlosigkeit liegt das Land brach. Heine äußert sich scharfzüngig, frei nach dem Motto: Dickes Eis bekämpft man am besten mit hitzigen Sätzen. Heine wird wegen diesem Buch als „Verächter des Vaterlands“ abgestempelt. Aber er ist Patriot. Inmitten der bissigen Beobachtungen, polstert tiefe Verbundenheit zu Deutschland die scharfen Kanten seiner Satire ab. Heine schwärmt zum Beispiel vom Sauerkraut der Heimat und von einem westfälischen Wirtsmädchen.

Rückwärts immer, vorwärts nimmer!

Neben seinen Schwärmereien, berichtet Heine auch von den negativen Seiten Deutschlands. Dieses Land scheint ihm im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Die deutsche Gesellschaft fände es zum Beispiel wichtiger, den seit dem Mittelalter unvollendeten Kölner Dom fertig zu bauen, als sich der neuen Zeit zu stellen. Den herrschenden Verhältnissen stellt Heine sein Programm entgegen: Gegen Nationalismus und religiösen Wahn, für Frieden und Freiheit. „Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten“, verspricht er.

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Wer, wie, was?

Den Leser stellt Heine vor große Herausforderungen. Sein Werk aus dem 19. Jahrhundert ist in Versen geschrieben und damit kein Buch, das man abends im Bett bei einer Tasse Tee genießt. Manche Passagen müsste man mit einer Lektürehilfe übersetzen, denn ohne historisches oder philosophisches Wissen versteht man Heines Andeutungen kaum. Der Leser sollte versuchen, nicht über diese Fremdheit zu stolpern, sondern das Buch mit Abstand zu betrachten. Durch die persönliche Sicht Heinrich Heines, stellt das Buch die damalige Situation Deutschlands besser dar, als es in Geschichtsbüchern je möglich wäre.


 

"Deutschland. Ein Wintermärchen", Heinrich Heine

Deutscher Taschenbuch Verlag, 9,90 Euro

 

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