Frank prüft sein fertiges Produkt: Scheine am laufenden Band. Foto: Bundesdruckerei

Vom Geld muss Frank nicht träumen, das hat er jeden Tag palettenweise vor Augen. Nur ausgeben darf er die Scheine nicht. Der 23-jährige Berliner arbeitet in der Bundesdruckerei.

Durch Franks* Hände gehen mehrere Millionen Euro, und zwar jeden Tag. Für Frank ist das normal. Doch er ist kein Supermanager, kein Lottogewinner, er kutschiert nicht auf weißem Leder in Nobelkarossen durch die Gegend und schlägt auch keine kleinen weißen Bälle übers Kurzhaargrün. Er ist nicht mal Millionär.

 

Ein Gebäude mit bunter Fassade.
Die Bundesdruckerei von außen. Reinschauen kann man hier so gut wie nie.

Trifft man den 23-Jährigen, wird schnell klar: Der ist nicht abgehoben. Frank trägt kurzes Haar, seine Klamotten sind unauffällig – er macht einen freundlichen Eindruck, wirkt bodenständig, will später wieder aufs Land ziehen. Dabei hätte der Berliner allen Grund, sich wenigstens ein bisschen besonders zu fühlen; schließlich sehen seine Augen, was den meisten Menschen versagt bleibt: Unmengen von Geld, und alles echt, alles beim Juwelier nebenan oder gar einem Schweizer Geldinstitut gern gesehen.

Dabei ist Frank Drucker, was erst mal nicht wirklich spannend klingt und schon gar nicht nach viel Geld. „Drucker ist eigentlich ein ziemlich normaler Beruf“, sagt Frank selber. Doch seit 2005 arbeitet er in der Bundesdruckerei Berlin, dort also, wo aus Papier und Farbe Geld gemacht wird. Frank sitzt an der Quelle dessen, was 80 Millionen Deutsche und noch viel mehr Europäer in ihren Geldbörsen tragen, im Sparschwein anhäufen oder zur Bank bringen. Fragt man ihn selber nach Barem, zückt er sein Portmonee und zieht zwei glattfrische Scheine raus: nur 15 Euro – fast komisch für einen, den man ohne zu lügen als „Geldschieber“ bezeichnen könnte.

Wie viel Geld Frank in den vergangenen drei Jahren durch die Gänge der Bundesdruckerei geschoben hat, kann er nicht sagen: „Das lässt sich einfach nicht mehr in Zahlen fassen“, resümiert er. Für ihn zählt sowieso eher die Qualität als die Menge. Ob Fünf-Euro-Scheine oder Fünfhunderter, das Druckprodukt muss stimmen – und sein Anspruch ist hoch. Selbst nach Arbeitsschluss, wenn Frank von der Kassiererin im Supermarkt seinen grauen Fünfer Wechselgeld bekommt, prüft er Papierstärke, Sicherheitsmerkmale und Qualität der Scheine. „Das passiert ganz von selbst“, sagt er und erinnert sich: „Vor meiner Arbeit bei der Bundesdruckerei war mir das alles egal, wie den meisten Menschen. Heute bin ich schon so was wie ein Experte.“

Druckbänder mit Hologrammen laufen über die Scheine.
Alles für die Sicherheit: Hologrammdruck gegen Falschgeld.

Und wenn er sieht, dass Leute nicht sorgfältig mit Geldscheinen umgehen, stößt ihm das sauer auf. „Geld ist ein aufwendig hergestelltes Produkt“, sagt Frank. Beschädigte Scheine müssen aus dem Zahlverkehr gezogen und dafür neue in Umlauf gebracht werden, eben jene Scheine aus der Bundesdruckerei. Das Unternehmen druckt übrigens nicht nur Geld: Neben 935 Millionen gedruckten Banknoten standen 2007 auch 6,4 Millionen Reisepässe, 7,7 Millionen Personalausweise und 1,5 Milliarden Briefmarken auf dem Produktionsplan.

Früher, als Frank noch zur Schule ging, hatte er ganz andere Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft. Auf dem Land aufgewachsen, wollte er in einem eher klassisch-traditionellen Handwerksberuf arbeiten und auf dem Land wohnen bleiben. Doch sein Vater ist auch Drucker und so fing Frank als Schüler mit Praktika und Ferienjobs in Druckereien an.
Ihm begann die Arbeit zu gefallen, und irgendwann bewarb er sich auf eine Ausschreibung der Bundesdruckerei. Die suchten gerade Azubis. „Als dann die Zusage kam, konnte ich das gar nicht richtig fassen“, erzählt er. „Als ich das erste Mal auf dem Gelände der Druckerei war, hat mich das ziemlich beeindruckt – allein die Größe der Gebäude.“

Dass er einmal mit dem teuren Papier arbeiten würde, das war jedoch auch in seiner Ausbildung nicht abzusehen. Bevor Frank angefangen hat, bei der Bundesdruckerei zu arbeiten, hat er dort Offset-Drucker gelernt – und das kann man auch in vielen anderen Druckereien. Während seiner Ausbildung stand vor allem das Setzen und Drucken von Visitenkarten, Briefbögen und Faltblättern auf dem Programm.

Eine Hand packt Geldbündel in einen Karton.
Fertig zum Versand: Das Geld wird gebündelt und verpackt.

Heute druckt Frank Geld. Wie das genau funktioniert? Sicher spannend. Doch über Abläufe und Verfahren, über Details der Herstellung und zu Informationen über die Bundesdruckerei, dazu schweigt Frank – muss er schweigen. „Darüber zu reden, ist für mich tabu“, sagt er kurz. Wegen der Sicherheitsbestimmungen darf er nicht viel über seine Arbeit erzählen; und wird er doch nach seinem Beruf gefragt, sagt er einfach: „Ich bin Drucker“ – das klinge nun mal nicht wirklich spannend und so müsse er sich über weitere Nachfragen keine Sorgen machen.


* Wegen der Sicherheitsbestimmungen besteht die Bundesdruckerei darauf, dass ihre Mitarbeiter anonym bleiben. Unser Drucker hat sich deshalb den Namen Frank ausgesucht – in Wirklichkeit heißt er anders.

Fotos: Bundesdruckerei

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