Uli Edel beschreibt mit diesem Film eine Epoche des Terrors in Deutschland. Grafik: Constantin Film.

Ihr wollt deutsche Geschichte mal anschaulich und spannend erleben? Dann solltet ihr euch den letzten Film über die Rote-Armee-Fraktion keinesfalls entgehen lassen.


Der Film beginnt mit einer verstörenden Szene: Polizisten prügeln mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein. Sie lassen von ihren Opfern auch dann nicht ab, wenn diese blutüberströmt am Boden liegen. Kaum zu glauben, dass sich dieses Szenario vor 42 Jahren in einem demokratischen Staat ereignete – nämlich in unserem. Anlässlich des Besuchs des persischen Schahs am 2. Juni 1967 in West-Berlin demonstrieren vorwiegend linkspolitische Studenten gegen das diktatorische Schah-Regime, gegen die „imperialen Westmächte“, den Vietnamkrieg und gesellschaftliche Missstände. Erst werden die Demonstranten von schahfreundlichen „Jubelpersern“ angegriffen, dann attackiert auch die Polizei die Demonstranten und löst die Demonstration gewaltsam auf. Der demonstrierende Student Benno Ohnesorg wird von einem Polizisten erschossen. 1968 wird ein Attentat auf Rudi Dutschke, den Anführer der Studentenbewegung, verübt. Daraufhin wandeln sich die Proteste: Der Ton einzelner Studenten wird rauer und gewaltsamer.

„Es hat keinen Sinn für eine bessere Welt nur zu beten, wir müssen uns verdammt nochmal wehren!“

Andreas Baader, Gudrun Ensslin und weitere Studenten sind überzeugt, dass sie nur durch Taten etwas bewirken können und legen Brände in zwei Frankfurter Kaufhäusern. Baader und Ensslin werden verhaftet und schließlich von Gesinnungsgenossen – darunter Ulrike Meinhof – befreit: die Geburtsstunde der RAF. Uli Edel stellt in seinem Film die Entwicklung der RAF in einer beeindruckenden Chronologie dar – von dem Ausbildungslager in Jordanien über die Attentate im Untergrund bis zum Deutschen Herbst 1977 mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, der Entführung und Befreiung des Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“ und dem darauf folgenden Gruppen-Suizid führender RAF-Köpfe in der Haftanstalt Stammheim.

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„Der Terrorismus hat auf Dauer keine Chance“

Obwohl die Terroristen im Vordergrund des Filmes stehen, kann von einer einseitigen Betrachtung der Vergangenheit keine Rede sein: Uli Edel lässt nicht nur die Terroristen, sondern auch die verantwortlichen Beamten des Bundeskriminalamts zu Wort kommen. Der Regisseur zeigt sowohl das kaltblütige und fanatische Vorgehen der Linksextremisten, als auch das unangemessene Verhalten der Polizei. Doch gerade die Fülle an Fakten kann man dem Film „Baader-Meinhof-Komplex“ vorwerfen: Das Drehbuch wirkt überladen. Es ist kein Platz, einen wirklichen Schwerpunkt zu setzen. Aber für aufmerksame Zuschauer dürfte sich der Film als eine Geschichtsstunde der ganz besonderen Art herausstellen.

 

"Der Baader Meinhof Komplex", Uli Edel

Constantin Film AG, 9,95 Euro

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