Dahlia ist 29 und wartet darauf, dass ihr Leben beginnt. Wurde es nicht langsam Zeit, dass sie eine Ausbildung begann, anstatt die Tage damit zu vertrödeln, DVDs zu gucken, Gras zu rauchen und Toasttaschen zu essen?
Es wäre für sie vermutlich soviel leichter, in die Pötte zu kommen, wären da nicht ständig diese Kopfschmerzen, die Müdigkeit und die fast unerträgliche Erschöpfung. Das ist nur eine Phase, dachte sie – bis zu ihrem Zusammenbruch. Nach sechs Tagen im Koma die hässliche Diagnose: Glioblastoma multiforme, Grad IV. Kurz: Hirntumor. Der bösartigste „aber nicht an der schlechtesten Stelle“, wie Dahlias Vater, die Worte des Doktors wiederholend, versucht, sein todgeweihtes Mädchen aufzumuntern und nicht wahrhaben will, dass ihr nur noch neun Monate bleiben sollen. Doch Dahlia nimmt die Botschaft gefasst auf, als hätte sie etwas geahnt. Natürlich, die Kopfschmerzen, die Müdigkeit…. . Außerdem war sie nicht gut darin, ernste Dinge ernst zu nehmen. Ihr Leben ändert sich vorerst kaum: sie isst immer noch Toasttaschen, bedröhnt sich nach wie vor, nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie das Gras nun ärztlich verschrieben bekommt.
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Während Dahlia mit der Bestrahlung ihres Tumors beginnt, resümiert der Erzähler ihr bisheriges Leben. Hätte Dahlias Bruder nicht viel eher Krebs verdient? „König Flachwichs eines Schwachmatenlandes“, wie Dahlia ihn beschrieb, dieser Mistkerl, der es scheinbar genoss, Dahlia in ihrer Kindheit und Jugend zu demütigen, seitdem Margalit, ihre Mutter, die Familie in den USA zurückließ, um in ihre Heimat Israel zurück zu kehren.
War Dahlias Tumor Folge ihrer negativen Einstellung zum Leben? Wurde ihr in der Jugend aufkeimender Wunsch, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen, erhört?
Trotz Dahlias Trägheit und morbider Lebenseinstellung schließt man sie ins Herz. Fehlerhaft, planlos und unsicher, hat man beim Lesen das Gefühl, es mit einem echten Menschen zu tun zu haben. Das macht sie um einiges sympathischer als einen superstarken und perfekten Romanhelden. Das Nonplusultra des Buches ist jedoch der bissige Humor: „Das Buch Dahlia“ ist geschrieben wie von einer Freundin Dahlias, die die oft lächerlich klingenden Krebsheilungstipps sarkastisch kommentiert: „Dahlia soll sich selbst heilen? Ist Dahlia Jesus? Schalten wir mal unser Hirn ein. Ja?“
Das Buch ist tragisch und witzig zugleich, und bis zum Ende bleibt die Spannung bestehen, welches der beiden Adjektive am Schluss gewinnt.
„Das Buch Dahlia“, Elisa Albert
Deutscher Taschenbuch Verlag, 14,90€






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