Thomas Mann beschreibt im Roman „Buddenbrooks“ den kontinuierlichen, sich über vier Generationen hinziehenden Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie – und wurde für seine Leistung 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Ein bisschen abschreckend erscheint dieses 758 Seiten dicke Buch ja schon. Trotzdem hat es eine über hundert Jahre lange Erfolgsgeschichte hinter sich: 1901 veröffentlichte Thomas Mann die „Buddenbrooks“, im Alter von nur 25 Jahren.
Als Vorlage diente ihm seine eigene Familiengeschichte. Das Buch ist aber keine Biographie, sondern ein Gesellschaftsroman. Thomas Manns Ziel: Leben und Selbstwahrnehmung des Großbürgertums im 19. Jahrhundert zu beschreiben. Der Untertitel „Verfall einer Familie“ trifft es genau – denn genau das passiert.
Der Fall einer Kaufmannsfamilie
Über vier Generationen hinweg beschreibt der Autor das Leben und den Weg der Buddenbrooks. Am Anfang stehen Ruhm, Gesundheit und finanzielle Erfolge, am Ende Scheidung, Krankheit, Tod und Verlust der Firma – und damit auch des Ansehens in der Gesellschaft.
Zum Beginn des Romans befindet sich die Kaufmannsfamilie an ihrem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Die Geschäfte gelingen, der tüchtige Geschäftsmann Johann Buddenbrook hat es mit der traditionsreichen Getreidefirma zu Wohlstand gebracht.
„Ich dachte, es käme nichts mehr!“
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Johann Buddenbrook verkörpert die erste Generation der Buddenbrooks. Mit Klugheit und Fleiß hat er das traditionsreiche Unternehmen zum Erfolg geführt. Doch schon mit seinem Sohn beginnt der „Verfall“. Jean Buddenbrook ist ein Familienmensch, der Geschäftssinn seines Vaters ist ihm fremd. Nach seinem Tod übernimmt Thomas als ältester von vier Geschwistern die Firma. Er wird Senator und unter seiner Führung scheint das Familienunternehmen wieder aufzublühen. Was jedoch niemand ahnt: Sein selbstbewusstes Auftreten ist nur gespielt, Zweifel und Unsicherheit nagen an ihm. Seine Hoffnungen setzt er in seinen Sohn Hanno, den er sich als Erben und Nachfolger wünscht.
Der kleine Hanno verkörpert die vierte Generation der Buddenbrooks. Mit ihm erreicht der Degenerationsprozess seinen Höhepunkt. Eines Tages allein im Wohnzimmer, blättert Hanno in der Familienchronik, liest dort seinen Namen und zieht mit einem Lineal einen doppelten Schlussstrich darunter. Seinem Vater, der ihn zur Rede stellt, sagt er nur: „Ich dachte... es käme nichts mehr!“
Bildgewaltige Sprache, beißender Humor
Mit ausschweifenden Beschreibungen zeichnet der Autor ein genaues Bild seiner Charaktere, aber auch der Gesellschaft und der Zeit, in der sie leben. Dabei geht er sehr ins Detail und lässt auf den ersten Blick nur wenig Raum für Phantasie. Besonders die ersten 50 Seiten verlangen viel Konzentration, weil der Leser erst langsam in die Familiengeschichte eingeführt wird und gleich zu Beginn von einem Schwall von Namen überrollt wird.
Auf den zweiten Blick zeigt sich in seiner Sprache aber auch sein unglaubliches Talent, Stimmungen einzufangen und wiederzugeben. Der Erzählton passt sich den verschiedenen Generationen an: Der Leser reist vom literarischen Realismus in den literarischen Impressionismus der Jahrhundertwende von 1900.
Bis heute, mehr als hundert Jahre nach ihrer Veröffentlichung, wurden die „Buddenbrooks“ mehr als neun Millionen Mal verkauft, viermal verfilmt und in über 30 Sprachen übersetzt. Der Roman ist Weltliteratur, Pflichtlektüre, ein Meisterwerk – das ist alles bekannt. Aber eigentlich ist das Buch vor allem eines: ein ganz großes Leseerlebnis.
Thomas Mann „Die Buddenbrooks – Verfall einer Familie“, Fischer Verlag, 61. Auflage (9. September 2011), 9,95 Euro






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