Rheuma ist nicht, wie viele meinen, eine Krankheit von alten Leuten. Jährlich erkranken ca. 2.000-3.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland daran. Nastassia ist 21 Jahre alt und eine von ihnen.
Alles fing damit an, dass ich im Winter 2007 morgens nach dem Aufstehen meine Finger nicht richtig bewegen konnte und Schmerzen in den Fingergelenken hatte. Ich dachte mir nichts weiter, da die Schmerzen im Verlauf des Tages auch wieder nachließen. Als die Schmerzen aber regelmäßig morgens auftraten, ging ich zu meinem Arzt, der nach einigen Untersuchungen Rheuma bei mir feststellte.
Ich war geschockt und verwirrt zugleich, denn Rheuma bringt man eher mit älteren Leuten in Verbindung und ich hatte noch nie mit Rheumakranken zu tun. Außerdem hatte ich keine Ahnung davon, wie sich das Rheuma entwickeln würde und wie ich damit umgehen sollte.
„Manchmal vergesse ich die Tabletten“
Mittlerweile weiß ich, dass viele Jugendliche an Rheuma leiden und dass Rheuma eigentlich gar keine einheitliche Krankheit ist, sondern eine Verbindung von etwa 400 einzelnen Erkrankungen. Die unterscheiden sich in der Art ihrer Symptome, aber auch in ihrem Verlauf und in ihrer Behandlung. Ich habe eigentlich noch Glück, was all diese Faktoren betrifft, es gibt auch Jugendliche, die kaum aufstehen oder laufen können.
Mein Arzt verschrieb mir ein Antirheumatikum zur Schmerzlinderung, Tabletten, die ich auch heute noch regelmäßig täglich einnehmen soll. Zum Glück hat das Medikament bei mir kaum Nebenwirkungen und hilft gut gegen die Schmerzen, obwohl ich zugeben muss, dass ich manchmal vergesse, die Tabletten zu nehmen.
Die Krankheit schränkt ein
Der Verlauf meiner Krankheit ist immer noch ähnlich wie zu Beginn ihres Auftretens. Da sich das Rheuma bislang nur auf meine Finger auswirkt, habe ich eigentlich nur Probleme, wenn es kalt ist, denn dann verkrampfen meine Finger.
Im Alltag beeinträchtigt mich das Rheuma nur bei feinmotorischen Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Öffnen einer Flasche, mit Kleinteilen arbeiten oder auch zu langes Schreiben in der Schule. Das ist dann vor allem bei Klausuren ein Problem, denn dann muss ich stundenlang ununterbrochen schreiben, was meine Finger belastet.
Bei meinem Umzug sind mir vier Teller aus den Händen gerutscht, weil sie gekrampft haben. Aber so etwas kann auch gesunden Leuten passieren. Ich werde nicht wegen meiner Krankheit gemobbt. Viele finden es anfangs schon komisch, wenn sie hören, dass ich so eine „Oma-Krankheit“ habe, aber eigentlich bekommen sie nicht viel davon mit. Rheuma ist kein Thema, über das wir im Freundeskreis häufiger reden.
Billiger Bus fahren?
Obwohl das Rheuma mich zum Glück relativ wenig einschränkt, habe ich Angst, dass ich dadurch meinem Berufswunsch nicht nachgehen kann. Ich möchte Schneiderin werden und später vielleicht als Kostümbildnerin an einem Theater arbeiten. Aber ich weiß nicht, ob die Krankheit irgendwann schlimmer wird und mich bei dieser Arbeit stark beeinträchtigen würde. Dazu ist der Verlauf noch zu ungewiss. Theoretisch könnte ich sogar einen Behindertenausweis beantragen, wenn das Rheuma schlimmer werden sollte. Dann könnte ich immerhin billiger Bus fahren.




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