Mitten in der Wirtschaftskrise steht der Staat vor klammen Kassen. Warum es trotzdem nichts wichtigeres gibt, als in das Bildungssystem zu investieren, erklärt Bildungsministerin Dr. Annette Schavan. Mit Qualifizierungsinitiative und Kunjunkturporgrammen soll die Bundesrepublik nun auch Bildungsrepublik werden.
Schekker: Denken Sie, dass die Schule Sie gut auf das Leben vorbereitet hat?
Schavan: Ja, im Großen und Ganzen schon. Ich bin gerne zur Schule gegangen und habe auch gerne gelernt, wenn mir auch nicht jedes Fach unbedingt lag.
Schekker: In Zeiten einer Finanz- und Wirtschaftskrise bleibt sicherlich die Bildung voll auf der Strecke?
Schavan: Die Bundesregierung hat zwei sehr umfangreiche Konjunkturprogramme beschlossen. Bei den Investitionen für die Infrastruktur vor Ort haben wir den Schwerpunkt ganz klar auf die Bildung gelegt. Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft.
Schekker: Wie hoch ist das Gesamtvolumen der geplanten Bildungs-Investitionen? Können Sie uns die wichtigsten Maßnahmen nennen?
Schavan: Die Bundesregierung investiert im Rahmen des Konjunkturpakets II insgesamt 6,5 Milliarden Euro in die Bildung. Die Länder geben noch einmal mehr als 2 Milliarden Euro dazu, so dass insgesamt 8,67 Milliarden Euro zur Verfügung stehen werden. Damit starten wir jetzt das größte Investitions-Programm in die Bildung, das es in Deutschland je gegeben hat.
Profitieren sollen Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungsmuseen – der Großteil des Geldes sollte nach unseren Vorstellungen für Kitas und Schulen ausgegeben werden. Es geht dabei nicht nur um Sanierung, sondern um Modernisierung. Denken Sie zum Beispiel an Physiksäle aus den 60er Jahren. Die müssen wir ersetzen durch Räume, in denen sich Naturwissenschaften hautnah erfahren und ausprobieren lassen. Gleichzeitig tun wir mit der Sanierung etwas für die Umwelt, weil wir den Energieverbrauch von Schulgebäuden spürbar senken werden.
Schekker: Sie sprechen von einer Bildungsoffensive, sagen aber, dass vorwiegend modernisiert werden soll. Wären kleinere Klassen und weniger Ausfallstunden nicht wichtiger? Welche Elemente des Konjunkturpaketes verbessern die Bildungssituation nachhaltig?
Schavan: Natürlich reicht eine gute Lernumgebung nicht aus. Sie spielt aber dennoch eine wichtige Rolle. Wir zeigen mit diesen Investitionen, welchen Stellenwert Bildung in unserer Gesellschaft hat, das spüren auch die Kinder und Jugendlichen. Für eine gute Bildung brauchen Sie natürlich auch genügend qualifiziertes Personal. Entscheidend ist hier, dass der Lehrerberuf künftig noch attraktiver wird. Mir ist wichtig, dass wir die besten Leute für diesen Beruf gewinnen. Klar ist aber auch, dass für das Personal an den Schulen in Deutschland die Länder zuständig sind. Ihre Aufgabe ist eine verantwortungsbewusste und vorausschauende Personalpolitik.
Schekker: Gut ausgebildete Fachkräfte sind trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise knapp. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung in dieser Phase der wirtschaftlichen Schwäche die weitere Qualifizierung der Menschen?
Schavan: Natürlich greift auch weiterhin all das, was wir für die Qualifizierung bereits zuvor auf den Weg gebracht haben: So haben wir im vergangenen Jahr die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung gestartet. Sie fördert gute Bildung mit sehr vielfältigen Ansätzen. Zudem haben Bund und Länder im vergangenen Oktober in Dresden verabredet, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Noch nie gab es eine solche Vereinbarung zwischen Bund und Ländern. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, und auf dem Weg dahin wird es eine enorme Dynamik geben.
Schekker: Das neue Ausbildungsjahr beginnt in wenigen Monaten. Werden die Jugendlichen trotz der weltweiten Abkühlung der Konjunktur gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben?
Schavan: Noch ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt gut. Wann die weltweit schwierige wirtschaftliche Lage den Arbeits- und damit auch den Ausbildungsmarkt in Deutschland erreichen wird, kann Ihnen niemand genau sagen. Wir appellieren jedenfalls an die Unternehmen, auch in der Krise in den Nachwuchs zu investieren, um fit für die Zukunft zu bleiben.
Schekker: In den vergangenen Monaten wurde immer wieder die Bildungsrepublik Deutschland ausgerufen. Ist der Weg dorthin unumkehrbar geworden? Oder anders gefragt: Hat der Satz wieder Gültigkeit, dass ein Aufstieg durch Bildung möglich ist?
Schavan: Der Weg zur Bildungsrepublik Deutschland ist ohne Alternative. Uns allen muss klar sein: Bildung ist der Schlüssel für künftigen Wohlstand. Deutschland hat wenig andere Ressourcen – als die Talente seiner Menschen. Und natürlich: Für jeden einzelnen ist Bildung der Schlüssel für persönlichen Erfolg.



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