Wenn Erotik und Terrorismus aufeinander treffen, ergibt das zündenden Stoff: Regisseur Andreas Veiel wirft mit seinem Film „Wer wenn nicht wir“ einen ganz anderen Blick auf die Entstehungsjahre der Roten Armee Fraktion.
Deutschland in den frühen 60er Jahren: Friede, Freude, Eierkuchen? Fehlalarm. Die Mauer, die Spannungen zwischen Ost und West und der tobende Vietnamkrieg befallen eine junge Nachkriegsgeneration, die nicht nur ein schweres Erbe zu tragen hat, sondern auch noch daran glaubt, dass alles möglich ist. Einer von ihnen: Bernward Vesper (August Diehl), der Sohn eines NS-Schriftstellers.
Liebe + Rebellion = Terrorismus ?
Während seines Studiums an der Tübinger Universität hämmert Bernward nicht nur gesellschaftskritische Sätze in seine Schreibmaschine, sondern lernt auch die junge Lehramtsstudentin Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) kennen. Verbunden durch die Leidenschaft zur Literatur und den Wunsch, etwas zu bewegen, ziehen die beiden in eine gemeinsame Wohnung. Nicht lange und sie werden ein Liebespaar. Eine wahrlich stürmische Zeit beginnt. Bettgeschichten vom Feinsten folgen.
Der Umzug aus dem ruhigen Tübingen in das aufregende Berlin bildet die Kehrtwende im Leben der beiden Protagonisten. Nun tritt auch Andreas Baader (Alexander Fehling) auf die Bühne, der die rebellische Gudrun entfesselt. Nach und nach verläuft sie sich immer mehr in die terroristischen Untergründe. Getrieben von ihrer Gier nach Veränderung und der Liebe zu dem gleichgesinnten Baader, wird sie blind für die Probleme Bernwards. So wird aus der Pastorentochter Ensslin schließlich eine junge Terroristin und aus dem Kleinverleger und Familienmenschen Vesper ein eifersüchtiges Bündel.
„Ohne den Führer hätte es dich nie gegeben“
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Andreas Veiel richtet in seinem Film den Scheinwerfer nicht nur auf die zwischenmenschlichen Probleme der Dreieckskonstellation Vesper, Ensslin und Baader, sondern auch auf das schwere politische und historische Erbe, das diese Generation zu tragen hat. Als Sohn eines ehemaligen NS-Schriftstellers muss sich Bernward nicht nur an der Universität rechtfertigen, sondern auch vor seiner eigenen Mutter. Die trauert immer noch der alten Zeit und dem Führer hinterher. Auch die Pastorenfamilie Ensslin hat so ihre Nazivergangenheit, die sich nur Gudrun eingestehen will und somit einen eigenständigen Hass auf das Deutschland der 60er Jahre entwickelt.
(Zu viel) Liebe fürs Detail
Mit aufwendig recherchierten Details zu den Protagonisten und der Verwendung von filmischem Originalmaterial spannt Regisseur Andreas Veiel nicht nur einen historischen Rahmen, sondern erzeugt auch eine ungemeine Authentizität dieser unruhigen Zeit.
Allerdings kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Entstehung des gewaltsamen Protests auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und Probleme zwischen Vesper, Ensslin und Baader zurückzuführen sind. Dass die Mischung aus Eifersucht und Gier, Rache und Zärtlichkeit die Urzelle des deutschen Terrorismus hervorgebracht hat.
Wer mehr auf Liebesbeziehungen statt Gemetzel steht, der sollte sich Andreas Veiels „Wer, wenn nicht wir“ anschauen. All jene, die beim Thema RAF auch Blut, Gewalt und Gewehre nicht aussparen wollen, die werden mit dem „Baader Meinhof Komplex“ aus dem Jahr 2008 besser bedient sein.
Andreas Veiel „Wer wenn nicht wir“, Senator, Erscheinungsjahr: 2011, 14,66 Euro






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