Hörsaal mit Studenten
Eifrig mitschreiben alleine reicht nicht - für ein Stipendium zählt auch das Engagement außerhalb des Hörsaals. Foto: uniinnsbruck / www.flickr.com mit cc-Lizenz (BY-NC 2.0)

Ihr habt nicht nur eure Ausbildung erfolgreich absolviert oder seid gut in der Schule oder im Studium, sondern engagiert euch auch in eurer Freizeit? Dann seid ihr Kandidaten für ein Stipendien. Schekker-Autor Bangin stellt euch die bekanntesten vor.

Ein Stipendium – das ist eine Förderung, die sich nicht nur auf den finanziellen Aspekt beschränkt und in der Regel aufgrund von überdurchschnittlichen Leistungen gewährt wird. Die meisten Stipendien fordern von ihren Bewerbern und Stipendiaten außerdem ein ausgeprägtes soziales Engagement, sozusagen einen „Blick über den Tellerrand“ – zusätzlich zu den sehr guten akademischen Leistungen. Gute Noten alleine reichen also nicht aus. Allerdings gibt es in Deutschland mehr als 1.200 Fördermöglichkeiten mit sehr vielfältigen Auswahlkriterien. Eine gründliche Recherche lohnt sich also.

Gefördert wird man materiell, sprich: man erhält bei den meisten Förderwerken ein sogenanntes Lebenshaltungsstipendium samt Büchergeldzuschlag. Zusätzlich kommt dann meistens, zumindest bei den größeren Stiftungen, noch eine ideelle Förderung hinzu:  Entsprechend der Leitlinien des Stipendiums hat man dann die Möglichkeit, an Seminaren, Akademien und Workshops zur eigenen Weiterbildung teilzunehmen.

Die Begabtenförderwerke mit ihren Stipendien im Einzelnen:

Für Schüler

START-Stipendium

Das START-Stipendium richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe mit Migrationshintergrund, die sich durch besondere schulische Leistungen und zusätzliches Engagement für ihre Mitbürger auszeichnen, aber in vergleichsweise schwierigen Verhältnissen leben. So soll ihre Teilhabe an der Gesellschaft gefördert werden. Zudem sollen sie  die Möglichkeit bekommen, ein Studium aufzunehmen.  Die Stipendiaten erhalten ein monatliches Büchergeld und zusätzlich noch einen Laptop und einen Drucker bereitgestellt. Zudem gibt es sogenannte Bildungsseminare, die das kritische Denken der Stipendiaten schärfen sollen. ...mehr Infos!

 

Für Azubis

Aufstiegsstipendium des Bundes

Dieses Stipendium richtet sich an Azubis, die ihre Ausbildung besonders erfolgreich gemeistert haben und sich nach mindestens zweijähriger Berufspraxis dazu entschließen, zu studieren. Durch den finanziellen Anreiz des Stipendiums sollen Azubis ermutigt werden, das Chancenangebot der Hochschulen wahrzunehmen. Für Studierende im Vollzeitstudium beträgt das Stipendium monatlich 670 Euro plus 80 Euro Büchergeld. Neben der finanziellen Unterstützung können die Stipendiaten auch an fächerübergreifenden Seminaren teilnehmen und die Stipendiatennetzwerke für sich nutzen. ...mehr Infos!

 

Weiterbildungsstipendium

Dieses Stipendium fördert die berufliche Weiterbildung im Anschluss an eine erfolgreiche Ausbildung und gilt für das Aufnahmejahr und zwei Folgejahre. Die Stipendiaten können innerhalb dieses Förderzeitraums Zuschüsse von insgesamt 6.000 Euro für beliebig viele förderfähige Weiterbildungen beantragen. Voraussetzungen für die Bewerbung sind sehr gute Leistungen, eine erfolgreiche Teilnahme an beruflichen Leistungswettbewerben oder eine Empfehlung seitens der Berufsschule oder des Arbeitgebers. Mit dem Stipendium können sich die Stipendiaten  Weiterbildungen, Vorbereitungskurse auf Prüfungen, oder auch Sprachkurse finanzieren. Ebenfalls möglich ist die Förderung berufsbegleitender Studiengänge, die auf die Ausbildung aufbauen. ...mehr Infos!

 

Für Studenten

Studienstiftung des deutschen Volkes

Sie ist sie die größte und die älteste Stiftung in Deutschland und als einzige Fördereinrichtung politisch, konfessionell und weltanschaulich neutral. Bis vor kurzem konnte man für die Aufnahme nur vorgeschlagen werden: entweder direkt nach dem Abitur von der Schulleitung oder während des Studiums durch Hochschulprofessoren oder Prüfungsämtern. Mittlerweile können sich Studenten während der ersten beiden Semester auch selbst bewerben, daran angeknüpft ist ein entsprechender Auswahltest. Neben überdurchschnittlichen Leistungen wird sehr viel Wert auf soziales Engagement gelegt. Da man sich immer noch nur eingeschränkt selbst bewerben kann, sollten sich Interessenten rechtzeitig darum bemühen, ‚wahrgenommen’ zu werden. Zu 150 Euro Büchergeld können Stipendiaten – je nach finanzieller Situation der Familie – ein Lebenshaltungsstipendium von monatlich bis zu 597 Euro erhalten. ...mehr Infos!

 

Parteinahe Stiftungen

Jede im Bundestag vertretene Partei hat auch eine Stiftung, die ihr politisch nahesteht. Die Stipendien der Stiftungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie vom Bewerber eine Nähe zur parteipolitischen Richtung der Stiftung erkennen möchten. Entsprechend erweitert ist auch das Spektrum der ideellen Förderung: Seminare und Workshops zielen darauf ab, die stiftungsnahen parteipolitischen Grundsätze weiterzuvermitteln und die Stipendiaten dahingehend fortzubilden. Die Stipendiaten erhalten auch hier 150 Euro Büchergeld und je nach Einkommen der Eltern bis zu 597 Euro monatliche Unterstützung.

 

Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat eine christdemokratisch-konservative Ausrichtung und steht der CDU nahe. Studierende, die sich eher in christlich-demokratischen Wertevorstellungen wiederfinden, sind in dieser Stiftung gut aufgehoben. Diese geistige Nähe ist auch ein Aufnahmekriterium. Weitere Aufnahmekriterien sind, wie in fast allen Förderwerken, überdurchschnittliche Leistungen und ein entsprechendes Engagement im politischen, sozialen, kirchlichen oder kulturellen Bereich. ...mehr Infos!

 

Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat eine sozialdemokratische, also SPD-nahe Orientierung. Auch hier sind sehr gute Studienleistungen, ein entsprechendes Engagement und ein markantes Persönlichkeitsbild Voraussetzung für eine Aufnahme. Die beiden letzten Punkte gehören auch zu den verstärkt ideell geförderten Zielen der Stiftung, nämlich das gesellschaftspolitische Engagement des Stipendiaten zu verstärken. Das Stipendium richtet sich vor allem an Studierende aus einkommensschwächeren Familien sowie jene mit Migrationshintergrund. ...mehr Infos!

 

Heinrich-Böll-Stiftung

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat, als Förderwerk der Grünen, eine deutlich ökologische Ausrichtung. Sie möchte ihre Stipendiaten in diesem Bereich als ‚Botschafter’ ausbilden. Aber auch die anderen Grundwerte der Stiftung wie Demokratie und Menschenrechte, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit sind Schwerpunkte in der ideellen Förderung. Da die Stiftung Chancengleichheit anstrebt, richtet sich das Angebot insbesondere an Studierende mit Migrationshintergrund, Studierende aus Nicht-Akademikerfamilien sowie Studierende von Fachhochschulen. ...mehr Infos!

 

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit fordert und fördert eine liberale politische und gesellschaftliche Grundhaltung, entsprechend der Vorstellungen der FDP. Ein Ziel dieser Stiftung ist es, ihre Stipendiaten zu motivieren, Verantwortung in Positionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu übernehmen – und sie dann auch entsprechend zu befähigen. Eingefordert werden eine entsprechende Begabung des Bewerbers, ausgeprägte Charakterzüge und ein gesellschaftliches Engagement im liberalen Sinne. ...mehr Infos!

 

Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung entspricht in ihren Ansichten und Idealen denen der Partei Die Linke. Sie fühlt sich dem „Demokratischen Sozialismus“ verbunden und fordert soziales Engagement auch ein – zusätzlich zu ausgeprägten fachlichen Leistungen. Im Sinne sozialer, politischer und geschlechtlicher Gleichstellung werden Frauen, Menschen mit Behinderung und Personen aus einkommensschwächeren Familien bevorzugt angenommen. ...mehr Infos!

Bei allen Stipendien, die von den parteinahen Stiftungen vergeben werden, ist es sinnvoll, seine eigenen Interessen klarzustellen und sich seiner politischen Überzeugungen bewusst zu werden, um sich dann auch entsprechend passend bewerben zu können. Wer sich also eher mit linksgerichteten Grundsätzen im Einklang sieht, würde bei der Friedrich-Naumann-Stiftung sicherlich wenig Erfolg bei der Bewerbung haben – vielleicht für beide Seiten auch besser so!

 

Deutschland-Stipendium

Dieses Stipendium ist 2011 auf Bundesebene eingeführt worden. Die teilnehmenden Hochschulen fördern begabte Studierende mit 300 Euro monatlich. Die individuellen Auswahlkriterien legt die Hochschule selber fest, zumeist orientieren diese sich aber an den hohen akademischen Leistungen des zu Fördernden und zusätzlich an sein außeruniversitäres Engagement. Die Stipendiaten erhalten die finanzielle Unterstützung maximal für die gesamte Regelstudienzeit. Der Vorteil bei diesem Stipendium ist die Unabhängigkeit vom elterlichen Einkommen sowie möglichen BAföG-Zahlungen – anders als bei den zuvor vorgestellten Stipendien. Jeder Studierende kann sich an seiner Hochschule für dieses Stipendium bewerben, lediglich Stipendiaten anderer Stiftungen sind von der Bewerbung ausgeschlossen. ...mehr Infos!

 

Fazit

Man sollte eine Vorstellung davon haben, welche Art der Förderung man konkret möchte, um dann zu wissen, welches Stipendium am ehesten zu einem passt. Sehr zu empfehlen ist der Stipendienlotse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dort findet sich eine Suchmaschine, die man mit zutreffenden Schlagwörtern füttern kann, um dann individuell passende Stipendien vorgesetzt zu bekommen. Zudem finden sich dort zu jedem Stipendium viele Hintergrundinformationen, die sehr nützlich sein können.

Bewerbt euch also für Stipendien! Eine sehr gute Anlaufstelle, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren, ist das Internetportal MyStipendium.de. Jeder User kann dort ein persönliches Profil anlegen, für das er u.a. sein Studienfach und seine Noten einträgt, und nach dem für ihn passenden Stipendium recherchieren.

Eine solch hervorragende Möglichkeit der individuellen Förderung durch ein Stipendium solltet ihr auf jeden Fall nutzen – schlimmstenfalls droht euch eine Absage. Aber wer es gar nicht erst versucht, kann auch nicht gewinnen!

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