Langeweile – das ist für Josef Stuke ein Fremdwort. Seit er im November 2006 zum Bürgermeister in seinem Heimatort Borsum, einem 2.600-Seelen-Dorf, gewählt wurde, ist fast jeder Tag verplant. „Ich bin oft auf Terminen unterwegs und dann gibt es ja noch Sitzungen und Versammlungen“, sagt Stuke. Ist ihm der volle Terminplan denn nicht zu stressig? „Die zeitliche Belastung ist schon sehr hoch“, nickt er zustimmend. Das Wort Stress kommt ihm dabei aber nicht über die Lippen. Ich bin mir sicher, er vermeidet es bewusst.
Durch und durch Pragmatiker
Überhaupt sitzt mir Josef Stuke total entspannt gegenüber. Seelenruhig antwortet er auf meine Fragen. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen – absolut untypisch für einen Politiker, wie mir scheint. Überhaupt erfüllt er in keinster Weise das Klischee eines Politikers: Kein aufgesetztes Dauerlächeln. Keine übertriebene Freundlichkeit. Keine leeren Worthülsen. Einfach total normal der Mann.
www.harsum.de – die Internetseite der Gemeinde Harsum, in der Josef Stuke zum Ortsbürgermeister gewählt wurde
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Viele Politiker beginnen ihre Karriere mit Träumen, Visionen, Ideologien. Nicht aber Josef Stuke. Er ist durch und durch Pragmatiker. „Zur Kommunalpolitik kam ich durch meine frühere Tätigkeit im Niedersächsischen Sozialministerium, wo ich bis 1991 gearbeitet habe.“ Seitdem sitzt er in der Verwaltung des Niedersächsischen Landesrechnungshofs. Die Haushaltskonsolidierung sei ihm daher schon immer sehr wichtig gewesen. Mit seiner starken Sachorientierung hat Stuke sich aber nicht nur Freunde gemacht: Bis 2006 saß er fünf Jahre im Gemeinderat und war dort sogar Vorsitzender des Finanzausschusses. Vom Fraktionszwang hielt Stuke allerdings nichts. „So kam es, dass ich auch bei wichtigen Ratsabstimmungen Sachpositionen vertreten habe, die oft nicht der Parteilinie entsprachen.“
Mit 47 Prozent zum Ortsbürgermeister
Stuke trat später aus seiner Partei aus – und pragmatisch wie er ist – gründete er eine Bürgerinitiative. Wenige Wochen später trat das Bündnis zur Kommunalwahl an. Auf Anhieb erhielt es mit 44,7 Prozent die mit Abstand meisten Stimmen und verfehlte die absolute Mehrheit nur knapp. Stuke wurde zum Ortsbürgermeister gewählt.
Langsam hat sich Stuke warm geredet. Er gerät nun sogar ins Schwärmen, wenn er über sein Bürgermeisteramt redet. Es bereite ihm viel Freude, dass er für die Ortschaft und die Gemeinde viel bewegen könne. „Besonders liegt mir die Unterstützung der Jugendarbeit und die Situation von Familien mit Kindern am Herzen“, sagt Stuke, der selbst glücklich verheiratet ist und einen Sohn hat.
Ortsbürgermeister Josef Stuke in seinem Heimatdorf.Foto: Markus Stuke
So sei es üblich, dass seine Wählergemeinschaft einen Teil der Mitgliedsbeiträge für einen guten Zweck zur Seite legt. „Diesen spenden wir zusammen mit einem Teil der erhaltenen Aufwandsentschädigungen jährlich in die Jugendarbeit im Ort.“ Ich bin sprachlos angesichts solcher Nächstenliebe. Aber das macht nichts, denn Josef Stuke plaudert munter weiter: „Alle drei Monate verteilen wir überall im Ort einen Bericht über unsere Arbeitsergebnisse.“
Im September kandidiert er wieder
Transparenz und Ehrlichkeit hat er sich ganz groß auf seine Fahnen geschrieben – und das zahle sich aus: Nach dem Wahlerfolg gab es etliche Skeptiker im Ort, die dem Bündnis nicht trauten. „Mittlerweile sind viele von ihnen verstummt und es gibt viel Lob für unsere Arbeit.“ Deshalb kandidiert Stuke bei der nächsten Kommunalwahl im September wieder. Denn er will begonnene Projekte gern zu Ende führen, Projekte, die ihm sehr am Herzen liegen, wie die Dorferneuerung oder den seit 1988 geplanten Bau des Radwegs zum Nachbarort. Um dies zu erreichen, kandidiert er im September zusätzlich für ein Kreistagsmandat. Also doch! Selbst der nüchterne Pragmatiker Josef Stuke hat Träume und Visionen.
Und was macht er, wenn er nicht gerade seiner hauptamtlichen Tätigkeit im Büro nachgeht oder 90-jährigen Geburtstagskindern gratuliert? „Zum Ausgleich spiele ich regelmäßig Tischtennis und gehe jeden Sonntagnachmittag mit meiner Frau zum Tanzen.“ Eines steht jetzt schon sicher fest, unabhängig davon, ob er nach der nächsten Wahl immer noch Bürgermeister sein wird oder nicht: Langeweile wird für Josef Stuke wohl noch lange ein Fremdwort bleiben.



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