Bundesernährungsministerin Ilse Aigner verzichtet auch mal auf Kekse. Foto: BMELV

Deutschland ist nicht ganz in Form. Der nationale Aktionsplan „IN FORM“ soll das ändern. Schekker-Autor Gerrit befragte dazu Bundesernährungsministerin Ilse Aigner.

 

Mittags einen Salat

 

Schekker: Zum Einstieg eine persönliche Frage: Sind Sie in Form?

Bundesministerin Ilse Aigner: Ich achte darauf, mich gesund zu ernähren. Vor allem an Tagen, an denen ich viel unterwegs bin, oder eine Sitzung nach der anderen folgt, versuche ich, auf Kekse und Knabbersachen zu verzichten. Stattdessen esse ich zwischendurch frisches Obst oder mittags einen Salat. Und weil im Büroalltag die Bewegung immer ein bisschen kurz kommt, sind Aufzüge für mich tabu. Zumindest, wenn es nur um zwei, drei Stockwerke geht, benutze ich lieber die Treppe.

Wann ist man denn überhaupt „in Form“ – und wann nicht? Was darf man unter diesem Begriff verstehen?

Für mich bedeutet in Form zu sein, dass ich mich wohl fühle. Dazu gehört genussvolles Essen – nicht zu viel und nicht zu wenig und natürlich ausreichend Bewegung. Am Besten Sport an der frischen Luft.

Wir sprechen ja über den Aktionsplan „IN FORM“. Was genau hat es zu bedeuten, wenn ein Nationaler Aktionsplan ausgerufen wird?

Das bedeutet: Alle sollen mitmachen! Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen erkennen, wie wichtig es ist, "in Form" zu sein, sich gut zu fühlen, weil Ernährung und Bewegung stimmen. So etwas kann Politik alleine nicht schaffen. Dafür brauchen wir Unterstützung aus der gesamten Gesellschaft, zum Beispiel in den Familien, im Betrieb oder in Vereinen und Verbänden.

 

Gutes Schulessen ist nicht selbstverständlich

 

Wo liegen die konkreten Ansätze für „IN FORM“? Warum ist dieser Aktionsplan überhaupt nötig?

Im täglichen Leben wird es einem nicht immer leicht gemacht, sich fit zu halten. Ein gesundes und appetitlich angerichtetes Mittagessen ist in vielen Schulen noch längst nicht selbstverständlich. Oft gibt es noch nicht einmal eine Schulmensa, obwohl der Unterricht bis Nachmittags dauert. Oder es gibt zu wenig Möglichkeiten, sich in der Schule oder am Arbeitsplatz zwischendurch mal zu bewegen. Da gibt es viele Beispiele, wo man ansetzen kann, um alle diejenigen zu unterstützen, die In Form kommen wollen oder bleiben möchten.

Sind die Deutschen - vor allem die Jugendlichen - denn nicht mehr fit?

zwei kochende Jugendliche
Küchen für Deutschlands Schulen bringt
Schüler an den Herd.
Foto: BMELV

Na, sagen wir’s mal so: Ein bisschen fitter würde häufig nicht schaden. Wie in fast allen Industrienationen tappen auch wir Deutschen gerne in die Bequemlichkeitsfalle. Wer viele Stunden am Tag auf Bürostühlen verbringt, tagsüber vor dem Computer und abends vor dem Fernseher sitzt und selbst kurze Strecken mit dem Auto zurücklegt, dem fehlt es einfach an körperlicher Bewegung. Und weil wir alle dem reichhaltigen Lebensmittelangebot nur ungern widerstehen, ist Übergewicht in vielen Fällen programmiert. Es gibt Studien, die zeigen, dass die sportliche Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat.

Im gleichen Zeitraum hat das durchschnittliche Körpergewicht zugenommen. Das wollen wir ändern.

Wie wird dieser Aktionsplan umgesetzt?

Wir bieten in ganz vielen Bereichen Unterstützung an. Unter dem Stichwort „Schulen IN FORM“ gibt es zum Beispiel den Ernährungsführerschein für die Drittklässler, es gibt den Wettbewerb „Küchen für Deutschlands Schulen“ mit dem Starkoch Tim Mälzer, der Qualitätsstandards für die Schulverpflegung unterstützt. Es gibt außerdem die MachBarTour und demnächst die EssKultTour mit besonderen Angeboten extra für Jugendliche. Außerdem haben wir ein von der Europäischen Union gefördertes Schulobstprogramm. Und auch für Kitas, Familien, Betriebe oder Senioren gibt es zahlreiche Angebote. Viele Projekte werden gemeinsam mit anderen Ministerien, den Bundesländern oder Städten und Gemeinden umgesetzt.

 

Viele müssen mitmachen

 

Was muss passieren, damit so ein Plan erfolgreich sein kann?

Möglichst viele müssen mitmachen. Wenn wir mit Tim Mälzer in einer Schule kochen, erleben ganz viele Kinder und Jugendliche, wie viel Spaß es machen kann, gemeinsam zu kochen und gesund zu genießen. Einen dauerhaften Effekt kann man aber nur erzielen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Wenn etwa Schulen und Eltern Wert auf gesundes Essen legen, dann muss manchmal auch der Hausmeister von dieser Idee überzeugt werden. Häufig sind es Kleinigkeiten, die zum Erfolg verhelfen, wie etwa der Bau einer Dusche, die es Mitarbeitern ermöglicht, mit dem Rad zur Arbeit zu kommen.

Wer ist am Aktionsplan beteiligt? Welche Projekte werden gefördert?

Am Nationalen Aktionsplan machen Institutionen des Bundes, der Länder und der Kommunen mit. Aus allen Bereichen und über alle Hierarchieebenen hinweg. Und es entwickelt sich viel Engagement zum Beispiel in Krankenkassen, Verbänden und Vereinen, und natürlich in einzelnen Schulen, Kitas oder Unternehmen. Dabei geht es immer um die Förderung von gesunder Ernährung und viel Bewegung.

Der Aktionsplan ist zeitlich begrenzt – was passiert, wenn (nicht) alle Ziele erreicht werden?

Bei dem großen Engagement, dass ich in den Projekten bislang miterlebt habe, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten zehn Jahren enorme Fortschritte machen werden. Damit aber nicht nur viel, sondern auch das Richtige getan wird, lassen wir uns wissenschaftlich beraten und überprüfen ständig, ob wir noch auf Kurs sind oder, ob an der einen oder anderen Stelle nachgesteuert werden muss.

Sind wir 2020 alle besser „in Form“?

Zumindest all jene, die die Gelegenheit genutzt haben und die zahlreichen Angebote ausprobiert haben. Möglichkeiten gibt es bereits jetzt genügend.

 

Fahrstuhl oder Treppe? Rad oder Bus? Was macht ihr um in Form zu bleiben? 
Sagt es uns in den Kommentaren!

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