Es gibt Romane, die – wenn sie verfilmt werden - ihren Zauber verlieren. Auch Jonathan Safran Foers Debütroman „Alles ist erleuchtet“ ist so kompliziert und verstrickt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass er in 106 Minuten Film gepresst, funktioniert.
Doch Regisseur Liev Schreiber hat 2005 das Gegenteil bewiesen: Er verfilmte die kuriose Reise des Protagonisten Jonathan von Amerika nach Osteuropa, in die Ukraine.
Jonathan ist ein Sammler. Erinnerungsstücke packt der gebürtige US-Amerikaner sorgfältig in Plastiktüten und hängt sie an seine Zimmerwände. Vor allem alte Gegenstände seiner Familie werden so aufbewahrt: zum Beispiel das Gebiss seiner Großmutter. Die hatte Jonathan kurz vor ihrem Tod ein Foto geschenkt. Darauf ist sein noch junger Großvater mit einer fremden Frau zu sehen. Auf der Rückseite des Bildes ist in Handschrift vermerkt: „Ich und Augustine, Trachimbrod 1942“.
Wer ist diese Frau? Von der Neugier gepackt, macht sich Jonathan auf in die Ukraine: Ein Land, von dem er kaum mehr weiß, als dass es dort keine Marlboros gibt. Wie wäre er wohl aufgewachsen, wenn sein jüdischer Großvater während des Zweiten Weltkrieges nicht aus der ukrainischen Stadt nach Amerika geflohen wäre? Diese Frage stellt Jonathan sich immer wieder.
Skurrile Begegnungen
Der Film zeigt einen Kulturaustausch der besonderen Art: Als Jonathan, rausgeputzt mit ordentlich gegeltem Haar und Hornbrille, aus dem Zug blickt, der gerade in den Bahnhof von Odessa einfährt, läuft ein etwa gleichaltriger junger Mann in Trainingsanzug, Basecap und Goldkettchen neben dem Fahrzeug her. In der Hand hält er ein Schild mit der Aufschrift „Jonfen“, und im Schlepptau hat er eine Blaskapelle, die zur Begrüßung „We wish you a Merry Christmas“ spielt. Wie sich herausstellt, heißt der junge Mann Alex und ist der Enkel des ukrainischen Reiseführers, den Jonathan engagiert hat.
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Seltsam lustig geht es weiter, als Jonathan, sein Reiseführer und Alex an einer Raststätte Halt machen. Als Jonathan erwähnt, dass er kein Fleisch isst, erntet er von seinen Begleitern fassungslose Blicke. Was ihm denn fehle, möchten seine Begleiter wissen. Jonathan kann die beiden zwar nicht davon überzeugen, dass Vegetarismus keine Krankheit ist, aber immerhin können sie die dicke, mürrische Kellnerin dazu bewegen, ihm eine Mahlzeit ohne Fleisch zu servieren.
Doch je länger die Reise in dem klapprigen Auto durch die Ukraine dauert, desto stärker dringt die Ernsthaftigkeit des Unterfangens durch: Die Suche nach der Stadt Trachimbrod gestaltet sich schwieriger als gedacht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt nämlich von den Nazis komplett zerstört. Heute existiert sie auf keiner Karte mehr. Auch der Großvater wird im Laufe der Zeit immer verschlossener und bald ist klar, er hat ein Geheimnis, das auch Jonathan und seine Suche nach der Vergangenheit betrifft.
Der Film zeigt, wie sehr unsere Geschichte uns selbst und somit unseren Blick auf Gegenwart und Zukunft prägt. „Alles ist erleuchtet“ und zwar im Licht der Vergangenheit.
Jonathan und seine Begleiter kommen am Ende ans Ziel, auch wenn alles ganz anders ist, als sie erwartet haben.
Liev Schreiber: „Alles ist erleuchtet“
Warner, 9,95 Euro.






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