Blick auf das Handelsparkett der Frankfurter Börse. Foto: Khalid Aziz / www.jugendfotos.de

Ihr Ruf hat seit Ausbruch der Finanzkrise stark gelitten – die Rede ist von Aktien. Aber was sind eigentlich Aktien? Welchen Zweck erfüllen sie und wie funktioniert der Handel mit ihnen? Antworten darauf erhaltet ihr von Schekker-Autor Christoph.

Privatwirtschaftliche Unternehmen haben vor allem ein Ziel: Gewinn erzielen! Dazu müssen sie gute Arbeit leisten und brauchen Kapital, das heißt Produktionsmittel. Finanzielle Mittel können Unternehmen auf ganz verschiedene Arten bekommen. So können sie ihr eigenes Grundkapital in viele kleine Stücke, nämlich Aktien, zerlegen. Die einzelnen Aktien stehen dann für einen bestimmten Anteil am Unternehmen – Fachleute sagen dazu, die Aktien „verbriefen“ einen Anteil. Diese Aktien werden dann als Wertpapiere verkauft und das Unternehmen erhält frische Finanzmittel.

Der Aktienhandel findet vor allem an Wertpapierbörsen statt. Dazu gehören auch die Frankfurter Börse oder die New Yorker Wallstreet. Deutlicher werden Ausgabe und Handel mit Aktien an einem Beispiel:

Stellt euch vor, ihr besitzt eine Dose Erdnüsse mit 1000 Erdnüssen. Diese Dose Erdnüsse symbolisiert ein Unternehmen, die Firma „Peanut“. Für dieses Unternehmen wird von den Banken ein bestimmter Unternehmenswert ermittelt, sagen wir mal 1000 Euro. Alles Kapital, was das Unternehmen Peanut anfangs einbringen kann, also der Doseninhalt, bildet das Grundkapital und wird mit 1000 Euro beziffert. Nun entschließt sich Peanut, dieses Grundkapital in 1000 kleine Einzelstücke, sogenannte Aktien, zu zerlegen, und an kaufwillige Interessenten abzutreten.

Jede Erdnuss wird nun also durch eine Aktie verbrieft (Aktien sind nämlich noch handlicher als Erdnüsse) und jeder Aktienkäufer ist dadurch Anteilseigner des Unternehmens Peanut. Das Unternehmen Peanut wird damit zu einer „Aktiengesellschaft“.

Stückaktien vs. Nennwertaktien

Da Peanut 1000 Erdnüsse Grundkapital besitzt und 1000 Aktien ausgibt, liegt der Wert jeder Aktie bei einem Euro. Sollte die Firma jedoch bei demselben Grundkapital 2000 Aktien ausgeben, ist jede einzelne nur noch 50 Cent wert. Die Aktien haben also keinen festen Preis, sondern entsprechen ihrem Anteil am Grundkapital. Dies gilt aber nur für den Fall, dass alle 1000 Erdnüsse der Dose identisch groß sind, also alle Aktien denselben Wert besitzen.

Solche Aktien heißen Stückaktien oder nennwertlose Aktien. Aber oft variiert die Größe der Erdnüsse, also der Wert der Aktien. So sind zum Beispiel einige etwa doppelt so groß wie andere und können daher nicht alle den gleichen Preis haben. In diesem Fall könnte Peanut von dem Grundkapital in Höhe von 1000 Erdnüssen die 1000 Aktien in 500 Stück für einen Preis von 50 Cent und weitere 500 Stück für 1,50 Euro aufteilen. Dann spricht man von Nennwertaktien. 

Aktienpreis spiegelt die Zukunftserwartungen wider

Wie aber verändern sich die verschiedenen Aktienpreise und warum sollte man als privater Anleger überhaupt in Aktien investieren? Der Preis einer Unternehmensaktie (Aktienkurs) richtet sich danach, welche Zukunftserwartungen die Aktienhändler für ein Unternehmen haben. Erwarten die Händler eine positive Unternehmensentwicklung von Peanut, wollen sie noch mehr Anteile, also Aktien erwerben und treiben damit den Aktienpreis in die Höhe. Eine Peanut-Aktie mit einem ursprünglichen Nennwert von 1 Euro wird dann zum Beispiel zu einem Wert von 1,25 Euro gehandelt, weil man davon ausgeht, dass das Unternehmen gute Chancen im Erdnussmarkt hat. 

Für einen Privatanleger ist der Kauf von Aktien dann sinnvoll, wenn das Unternehmen Peanut Gewinne erwirtschaftet. Von diesen bekommen die Anleger je nach Höhe ihrer Beteiligung einen Gewinn ausgeschüttet, die sogenannte Dividende. Die Höhe dieser Rendite für den Anleger wird von der Unternehmensführung vorgeschlagen und von der Hauptversammlung beschlossen.

Zur Hauptversammlung sind alle Aktionäre (Inhaber von Aktien) eingeladen und sie findet mindestens einmal im Jahr statt. Allerdings sind nicht alle Aktionäre gleichermaßen an der Entscheidung über die Dividende beteiligt. Nur die Inhaber von Stammaktien dürfen selbst über die Höhe der Dividende mitentscheiden. Das Gegenstück dazu bilden Vorzugsaktien, deren Inhaber keine Stimmrechte haben. Dafür werden sie bei der Dividendenausschüttung bevorzugt behandelt und bekommen im Verhältnis zu den anderen Anlegern mehr Geld für ihre Aktien.

Zockerei an den Börsen

In der Regel ist es  sinnvoll , bei einem gut wirtschaftenden Unternehmen Aktien möglichst lange zu behalten und auf die langfristigen Gewinneffekte zu setzen. Eine andere Möglichkeit sind die kurzfristigen Ziele. Angenommen ein Anleger kauft an einem Morgen fünf Aktien von dem Unternehmen Peanut im Wert von jeweils 1,50 Euro. Da Peanut zuletzt erhebliche Gewinne erwirtschaftet hat, steigt die Nachfrage an deren Aktien. Zugleich bleibt die Anzahl an Aktien weiterhin unverändert bei 1000 Stück.

Durch diesen Angebots- und Nachfrageeffekt steigt der Kurs von Peanut-Aktien im Laufe des Tages auf zwei Euro je Aktie. Der Anleger, der am Morgen die fünf Aktien für insgesamt 7,50 Euro gekauft hatte, verkauft sie am Nachmittag aufgrund des gestiegenen Kurspreises für insgesamt zehn Euro und hat also einen Gewinn von 2,50 Euro erzielt.

Unternehmen können weitere Aktien ausgeben

Umgekehrt hätte der Kurs im Laufe des Tages oder über einen längeren Zeitraum auch fallen können und der Anleger hätte bei einem Verkauf Verluste gemacht. So ändert sich der Preis der Aktie mehrmals täglich, ohne wirkliches Zutun von Peanut. Alternativ kann Peanut seine Dose Erdnüsse beispielsweise mit weiteren 500 Erdnüssen füllen und somit eine Kapitalerhöhung durchführen. Die zusätzlichen 500 Aktien können dann wieder von Anlegern gekauft werden.

In der Realität sind viele Unternehmen Aktiengesellschaften. Daher ist sowohl die Anzahl der Aktien als auch das Geldvolumen, mit dem gehandelt wird, natürlich um ein Vielfaches größer. Die Grundprinzipien bleiben aber dieselben: Der Aktienkurs richtet sich danach, ob man am Markt eine positive oder eine negative Unternehmensentwicklung erwartet. Den Unternehmen verschaffen Aktien frisches Kapital und den Anlegern bieten sie die Aussicht auf eine Rendite.

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