Ingo-Rolf Weiss freut sich auf die Youth Olympic Games. Foto: Dosb

Wie steht es eigentlich um Deutschlands Sportlernachwuchs? Schekker-Autorin Nadine sprach darüber mit Ingo-Rolf Weiss. Er ist Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes und seit 2002 Vorsitzender der Deutschen Sportjugend.

 

Eltern sollen Kinder nicht drängen

 

Schekker: Wie viele Jugendliche treiben heute eigentlich in Vereinen Sport?

Ingo-Rolf Weiss: Im Jahr 2009 hat die Deutsche Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) rund 9,5 Millionen Mitgliedschaften von jungen Menschen unter 27 Jahren gezählt. Das ist, wie ich finde, eine beeindruckende Zahl.

Wie kann man Kinder oder Jugendliche dazu motivieren, in Sportvereinen aktiv zu werden?

Eltern sollten ihre Kinder nicht in eine Sportart drängen, sondern ihnen die Möglichkeit geben, sich zu orientieren und zu erkennen, dass Bewegung Spaß macht. Sport wird außerdem durch Vorbilder attraktiv. Wenn Olympische Spiele stattfinden ist das zum Beispiel beste Werbung für den Sport, da Jugendliche dazu bewegt werden den Sportstars nachzureifen. Natürlich gewinnt nicht jeder am Ende Olympiagold aber unsere Vereine brauchen ja genauso Nachwuchs-Übungsleiter/-innen und Nachwuchs-Vorstandsmitglieder. Oder die Aktivitäten von unseren Juniorteams: Die bringen junge Menschen zusammen, die sich zum Beispiel zeitlich begrenzt in einem Projekt engagieren möchten. Dabei wird deutlich: Ehrenamt kann mindestens genauso viel Spaß machen wie das Sporttreiben selbst. Und nicht jeder muss Profi werden.

Wo gibt es Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Nachwuchsförderung?

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich viele Jugendliche im Bereich des Sports engagieren möchten. Dies spiegelt sich zum Beispiel in den hohen Abnehmerzahlen der Jugendleiter-Card oder der starken Nachfrage nach dem FSJ im Sport wider. Häufig kommen die Jugendlichen jedoch an ihre Grenzen, da Schule und Studium ihnen sehr viel Zeit abverlangen. Die Entwicklung der Ganztagsschule fordert den Sport und die Vereine dazu auf in die Schulen zu kommen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Ehrenamt ist lebenswichtig

 

Funktionieren deutsche Vereine eigentlich nur durch Ehrenamt?

Die Ehrenamtlichen sind die Stütze der deutschen Vereine. 8,7 Millionen Menschen engagieren sich in den deutschen Sportvereinen freiwillig. Das ist eine enorme Zahl. Sie reicht von ehrenamtlichen Tätigkeiten als Übungsleiterin oder Trainer bis hin zur Tätigkeit auf Vorstandsebene. Aber auch Eltern, die ihre Kinder regelmäßig zu Wettkämpfen fahren oder bei Veranstaltungen mithelfen, zählen dazu. Wir unterscheiden hier zwischen ehrenamtlichem Engagement und freiwilliger Mitarbeit. Beides zusammen ist für den deutschen Sport lebenswichtig.

Wie wird das Ehrenamt innerhalb der Vereine gefördert?

Frauenfußball
Spitzensport, wie hier beim
Frauenfußball, gibt es nur mit Breitensport.
Foto: Frank Grätz
 

Das ist ganz unterschiedlich. Großvereine können selbstverständlich mehr tun als kleinere Klubs. Sie zahlen zum Teil Aufwandsentschädigungen oder Fahrkostenzuschüsse. Das ist in vielen kleineren Vereinen leider nicht möglich. Wir haben in Deutschland über 91.000 Vereine, rund zwei Drittel davon haben nicht mehr als 300 Mitglieder. Dies verdeutlicht, dass die kleinen Vereine sehr stark vom Ehrenamt abhängig sind und Rückhalt der Politik benötigen.

 

 


Warum bekommt der Breitensport nicht so viel Aufmerksamkeit wie der Spitzensport?

Spitzensport wird es nicht ohne Breitensport geben und Breitensport nicht ohne Spitzensport. Die beiden bedingen einander. Aber natürlich liegt die mediale Aufmerksamkeit auf dem Spitzensport. Wenn unsere Athletinnen und Athleten bei Olympia um Gold, Silber und Bronze kämpfen, schaut die ganze Nation zu. Aber auch wenn beim Marathon in Berlin oder Hamburg Tausende Menschen auf den Beinen sind, stehen über eine Million Zuschauer an der Strecke und feuern stundenlang an.

Wer finanziert eigentlich das Training und die Vorbereitung der Spitzensportler auf Olympische Spiele?

Die Leistungssportförderung liegt in Deutschland grundsätzlich in der Hand des Bundes, die Breitensportförderung übernehmen die Länder, die Kommunen und die Vereine. Im Wesentlichen kommt die Leistungssportförderung aus dem Bundesinnenministerium, aber auch andere Ministerien sind beteiligt, unter anderem das Bundesverteidigungsministerium. Viele Athletinnen und Athleten haben zudem eigene Sponsoren, genauso wie die Fachverbände. Nachwuchsleistungssport liegt im Übrigen in besonderer Verantwortung der Förderung durch die Landessportbünde.

 

Die ersten Olympischen Jugendspiele

 

Im August finden in Singapur die 1. Olympischen Jugendspiele statt. Welches Ziel verfolgt das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit diesem Event?

Vision des IOC ist es, junge Menschen aus aller Welt für den Sport zu begeistern und die Olympischen Werte - Exzellenz, Freundschaft und Respekt - zu vermitteln. Deshalb entschied die IOC-Vollversammlung 2007 auf Vorschlag von IOC-Präsident Jacques Rogge, die Olympischen Jugendspiele ins Leben zu rufen. Die Premiere der Sommerspiele findet in Singapur statt, die Premiere der Winterspiele im Januar 2012 in Innsbruck, die 2. Sommerspiele 2014 sind in Nanjing geplant.

Mit wie vielen jungen Sportlern wird Deutschland an den Jugendspielen in Singapur teilnehmen und wann stehen die Namen fest?

Derzeit gehen wir davon aus, dass unsere Mannschaft 70 Athletinnen und Athleten umfasst. Sie werden Ende Juni nominiert und am 24. Juli beim Youth Olympic Day vor dem Brandenburger Tor verabschiedet. Dann ist das Feuer der Olympischen Jugendspiele zu Gast in Berlin und wird dort auf dem Pariser Platz gefeiert.

Was erhoffen Sie sich persönlich von den „Youth Olympic Games“?

Ich erhoffe mir, dass die Athletinnen und Athleten, die vom IOC ernannten Juniorbotschafter, die eingeladenen jungen Reporterinnen und Reporter sowie die 40 Teilnehmer des Workcamps der Deutschen Sportjugend eine interkulturelle Erfahrung fürs Leben machen. Dass sie Freundschaften schließen, die über Grenzen, Religionen und Ethnien hinausgehen und dass sie über den Sport miteinander ins Gespräch kommen. Wenn das gelingt, werden sie Vorbilder für nachfolgende Athletengenerationen sein.

Der Sport wird immer wieder von Dopingfällen erschüttert. Warum setzen manche Athleten lieber auf Betrug als auf die Fairness? Wie kann vermieden werden, dass Doping den Sport zerstört?

Hier gilt „Null Toleranz“ bei Doping. Wer dopt, muss hart bestraft werden. Dafür steht der DOSB. Damit es möglichst wenig Dopingfälle gibt, müssen wir die Jugend über das Problem aufklären, mit der Prävention bei jungen Menschen beginnen und sie zu Fairness erziehen. Die Deutsche Sportjugend hat dazu sehr gute Materialien entwickelt, die unter anderem. in der Aus- und Fortbildung von Trainerinnen und Trainern in den Sportverbänden eingesetzt wird.

 

Was sollte passieren bei der Förderung des Breitensports? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!

 

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