Wir stecken mitten in einer weltweiten Wirtschaftskrise, die auch Deutschland zu schaffen macht. Das leugnet Finanziminister Peer Steinbrück nicht. Im Schekker-Interview erklärt er, was er dagegen tun will, warum das Rettungspaket der Bundesregierung nicht nur Bankern zugute kommt und wie er selbst sein Geld anlegt.
Schekker: Herr Finanzminister, warum retten Sie die Banken mit so viel Geld? Mir hilft auch niemand, wenn ich meine Handyrechnung nicht zahlen kann.
Steinbrück: Eine Volkswirtschaft wie die deutsche braucht einen funktionierende Finanzwirtschaft. Es geht gar nicht so sehr um die Banken an sich – schon gar nicht um die Banker. Es geht darum, wie wir die Kreditversorgung der gesamten Wirtschaft sicherstellen. Bekommen Unternehmen keine Kredite mehr, sind sofort die dahinter stehenden Arbeitsplätze gefährdet. Dies wollen wir mit dem aufgespannten Schutzschirm für die Finanzwirtschaft verhindern. Das ist doch schon etwas anderes als eine nicht bezahlte Handyrechnung.
Schekker: Ist mein Geld auf der Bank wenigstens sicher?
Steinbrück: Ja, das Geld ist sicher. Wir haben in Deutschland eines der am besten funktionierenden Einlagensicherungssysteme der Welt, das in drei Stufen schützt. In Stufe eins gibt es einen gesetzlichen Schutz bis 20.000 Euro, dann gibt es einen vertraglichen Schutz der jeweiligen Bank – sehr oft praktisch unbegrenzt und dann gibt es die Patronats-Erklärung der Bundesregierung, dass keine Sparerin und kein Sparer in der Finanzkrise auch nur einen Euro verlieren werden. Ihr seht: Niemand muss sich um sein Erspartes Sorgen machen.
Schekker: Nach den Banken rufen die Autobauer um Hilfe. Kommt nach der Finanzkrise die Wirtschaftskrise?
Steinbrück: Wir sind leider in einer weltweiten Wirtschaftskrise, die von einer Krise der Finanzindustrie maßgeblich getrieben wird. Jetzt heißt für uns alle – in Deutschland und weltweit – mit Vernunft dagegen zu steuern und mit den richtigen Maßnahmen wieder aus der Krise heraus zu kommen. Deutschland ist und bleibt aber ein starkes Land. Wir sind durch die Reformen der letzten Jahre besser aufgestellt – insbesondere durch die Reformen im Arbeitsmarkt. Das wird uns jetzt helfen – aber ich will auch niemandem etwas vormachen: 2009 wird ein schweres Jahr, das von uns allen viel abverlangen wird.
Schekker: Soll ich mein Geld jetzt zusammen halten und lieber etwas weniger kaufen?
Steinbrück: Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen, die kann ich niemandem abnehmen. Ich habe für jeden Verständnis, der jetzt so denkt. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass der Konsum in Deutschland nicht zum Erliegen kommt, da wir ihn als Stütze für unsere Konjunktur brauchen.
Schekker: Wenn Sie jetzt neue Schulden machen, muss meine Generation die dann später nicht zurückzahlen?
Steinbrück: Die Schulden von heute sind immer die höheren Steuern von morgen. Deshalb hat die Bundesregierung in den letzten Jahren erfolgreich den Bundeshaushalt konsolidiert und dazu beigetragen, dass in Deutschland die Neuverschuldung auf Null gesenkt werden konnte. Aber nun müssen wir wegen der Wirtschaftskrise zusätzliche Impulse setzen. Wollten wir die Einnahmeverluste – zum Beispiel durch niedrigere Steuereinnahmen – in der Krise durch Ausgabenkürzungen auffangen, würde das die Probleme nur verstärken. Das hilft niemandem. Jetzt müssen wir uns antizyklisch verhalten. Das tut die Bundesregierung auch. Aber wir wollen auf den Konsolidierungspfad zurückkehren, wenn wir aus dem Gröbsten raus sind.
Schekker: Wie sparen Sie eigentlich? Stecken Sie regelmäßig ein paar Euro in einen Strumpf oder sind Sie an der Börse?
Steinbrück: Ich lege mein Geld wie jeder Bürger auch an. Einen Teil spare ich, einen Teil investiere ich. Auch in Aktien.
Schekker: Ihr Vorgänger sammelte Sparschweine. Wäre mein Geld da besser aufgehoben als auf der Bank?
Steinbrück: Nein, auf lange Sicht ist es immer besser, sein Geld arbeiten und über Zins oder Rendite wachsen zu lassen. Sparschweine geben keine Zinsen. Die grunzen ja nicht einmal.



der Rubrik Interview



Neuen Kommentar schreiben