Männliche Erzieher wie Ralf gehören nicht mehr zur Seltenheit. Foto: privat

Erzieher, ein typischer Frauenjob? Bislang schon. Aber immer mehr Männer zieht es in den sozialen Bereich. Ralf arbeitet als Sozialpädagoge in einer Mittelschule in freier Trägerschaft für die Klassenstufen 5 bis 9. Schekker-Autorin Romy hat den männlichen Erzieher getroffen und mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

Früher wollte ich Informatiker werden – jetzt betreue ich Kinder bei ihren Hausaufgaben. Nach meinem Abi habe ich meinen Zivildienst im Altenheim gemacht und dabei gemerkt, dass mir die soziale Schiene einfach liegt. Daraufhin hakte ich das Informatikstudium für mich ab und begann stattdessen eine Ausbildung zum Sozialassistenten. Anschließend schlug ich die Erzieherlaufbahn ein. Familie und Freunde haben mich dabei unterstützt: „Klar Ralf, mach das! Du kannst ja schon immer gut mit Kindern umgehen.“

Männliche Erzieher sind begehrt

Dass ich ein Mann bin, stört niemanden. Im Gegenteil. Bei all meinen Bewerbungsgesprächen hatte ich durchweg positives Feedback. Kindergärten suchen händeringend nach männlichen Erziehern. Vorurteile gegenüber männlichen Erziehern habe ich nie gehört… gibt es die denn überhaupt? Ich kenne nur die allgemeinen Sprüche, dass Erzieher ja nur für ein bisschen Spielen mit den Kleinen bezahlt werden.

Haben Männer einen Vorteil?

Vier verkleidete Erzieher mit Turban und Regenschirm
Verkleiden für die Kinder im Hort: Ralf mit Kollegen.
Foto: privat

Was Männer anders machen? Ich gehe zum Beispiel spontan mit den Kindern eine Runde kicken. Oder ich spiele Kletterbaum für sie. Das sind Dinge, die – denke ich – nicht jede Frau so schnell mitmachen würde. Dafür bin ich eine echte Niete im Basteln. Ich bekomme keinen Scherenschnitt gerade hin. Da hab ich einfach zwei linke Hände. Das sind Momente, in denen die Kinder mir manchmal was vormachen. Ich glaube auch nicht, dass ich mich besser durchsetzen kann als meine weiblichen Kolleginnen. Die haben die Kinder echt super im Griff. Ob die Kinder dich ernst nehmen oder nicht, hängt von dir persönlich ab. Ich habe also keinen generellen Vorteil gegenüber Frauen. Mir fallen nur andere Dinge leichter – und umgekehrt. Im Endeffekt ergänzen wir uns bei der Arbeit.

Lieber Volleyball statt Windeln

Egal ob Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule, Mittelschule – durch Praktika habe ich Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern aller Altersstufen gesammelt. Ich kann sogar als einer der wenigen Kerle behaupten, Windeln wechseln zu können. Heute arbeite ich am liebsten mit den größeren Kindern. Denen kann ich einfach mehr zutrauen. Das ist für mich spannender. Ich bin ein großer Fan der Erlebnispädagogik. Das heißt, rausgehen, in den Wald zum Beispiel, und etwas erleben. Manchmal ist es auch nur eine Runde Volleyball oder Pokern im Schulclub. Ich mache das, worauf die Schüler Lust haben. Für Ideen bin ich immer offen.

Sozialer Zusammenhalt

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Zu meinen Hauptaufgaben gehört es, dem Lehrer beim Unterricht zu assistieren und nachmittags unseren Schulclub zu betreuen. Jeden Morgen freue ich mich auf das Strahlen in den Augen der Kinder, wenn ich in den Raum komme. Ich finde es einfach toll, wie herzlich und echt Kinder lachen können. Haben die Kinder Fragen oder Probleme mit ihren Aufgaben, unterstütze ich sie. Hier lerne auch ich noch sehr viel dazu und kann sehen, wo ich vielleicht Lücken habe und mich nochmal informieren sollte. So bleibe ich selbst fit im Kopf.

Ich habe ein eher freundschaftliches Verhältnis zu den Schülern. Trotzdem müssen sie wissen, wo die Grenzen sind. Kinder, die nicht auf mich hören und nur machen, was sie wollen, gibt es bei mir nicht. Angenommen ich komme nicht zu Wort, weil die Kinder alle wild durcheinander schreien, dann klärt sich dieses Problem schnell von allein. Sie ermahnen sich gegenseitig zur Ruhe. „Ey, halt mal die Klappe“ wird dann einer der Schüler sagen. Der soziale Zusammenhalt in unserer Schule ist wirklich gut.

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