Schekker.de: Herr Minister, wozu brauchen wir eigentlich in der heutigen Zeit noch eine Bundeswehr?
Thomas de Mazière: Die Bundeswehr hat einen klaren Auftrag: Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger schützen. Heute geht es dabei aber nicht mehr um die Verteidigung gegen einen direkten Angriff auf unser Land. Wir leben zum Glück in der Mitte eines geeinten Europas. Heute geht es vielmehr um andere Risiken, die uns und unsere Partner bedrohen können und die nicht an Grenzen halt machen.
Die Bundeswehrreform ist ja in aller Munde. Was soll die Bundeswehrreform grundsätzlich ändern? Was soll die Bundeswehr in Zukunft leisten?
Mit der Neuausrichtung passen wir die Bundeswehr an die sicherheitspolitischen Herausforderungen von heute und morgen an. Die Bundeswehr wird künftig besser in der Lage sein einen Beitrag zum internationalen Krisenmanagement zu leisten, der unserer Stellung und Verantwortung in der Welt entspricht. Das ganze machen wir auf der Grundlage einer sorgfältigen sicherheitspolitischen Analyse. Entscheidend ist, dass wir die Bundeswehr auf eine solide finanzielle Grundlage stellen und ihr die Fähigkeiten geben, die sie zur Wahrnehmung ihres Auftrages braucht. Dazu gehören auch die Aussetzung der Wehrpflicht und die Einführung des neuen Freiwilligen Wehrdienstes.

Thomas de Maizière: „Die Freiwilligen Wehrdienstleistenden tun etwas für unser Land und erwerben zusätzliche Qualifikationen.” Foto: REGIERUNGonline/Bergmann
Was bedeutet eigentlich Freiwilliger Wehrdienst und welche Möglichkeiten bietet er?
Der „Freiwillige Wehrdienst“ bietet jungen Männern wie Frauen die Möglichkeit, für sieben bis höchstens 23 Monate freiwillig Dienst in unseren Streitkräften zu leisten. Dieser Dienst ist doppelt attraktiv. Die Freiwilligen tun etwas für unser Land; sie engagieren sich und übernehmen Verantwortung als Staatsbürger für die Sicherheit Deutschlands. Zugleich lernen sie die Bundeswehr als „Arbeitgeber“ kennen und können zusätzliche Qualifikationen erwerben, die für einen späteren Zivilberuf nützlich sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass zukünftige Arbeitgeber solches freiwilliges Engagement und die dabei erworbenen Kenntnisse zu schätzen wissen. Und finanziell rechnet sich der Freiwillige Wehrdienst auch.
Welche Chancen bietet die Bundeswehr als Arbeitgeber heute leistungsorientierten jungen Menschen überhaupt?
Zunächst einmal ist der Soldatenberuf kein Beruf wie jeder andere. Das war er nie. Und wir sollten das auch ehrlich sagen. In keinem anderen Beruf wird verlangt, für die Erfüllung des Auftrages und den Dienst an unserem Land, das eigene Leben einzusetzen. Da darf man nicht drum herumreden, sollte es aber auch nicht nur darauf verengen. Der Beruf als Soldat ist fordernd, er ist vielseitig und er bietet attraktive berufliche Perspektiven. Junge Menschen übernehmen bei der Bundeswehr bereits sehr früh Verantwortung, arbeiten im Team, mit moderner Technik; die Bezahlung kann sich sehen lassen und natürlich ist da auch der Reiz, Besonderes zu erleben, auch die Möglichkeit, international Erfahrungen zu sammeln.
Neben der militärischen Ausbildung bereitet die Bundeswehr junge Menschen optimal auf eine zweite Karriere in der freien Wirtschaft vor. Soziale Kompetenz, fachliche Ausbildung, die Befähigung zur Führung und Ausbildung von Menschen und Teamfähigkeit: All das sind Fähigkeiten, die in der Bundeswehr konsequent vermittelt werden und die später auf dem zivilen Arbeitsmarkt als Trümpfe stechen.
Wer kann alles Soldatin oder Soldat werden und welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden? Können auch junge Frauen den neuen Freiwilligen Wehrdienst leisten?
Jeder deutsche Staatsbürger ab 17 Jahren kann Soldat werden. Voraussetzung ist natürlich die notwendige charakterliche, geistige und körperliche Eignung. Wichtig ist für mich auch die Bereitschaft, aktiv für die Werte unserer Gesellschaft einzutreten. Das verbindet uns.

Neben der Marine setzt sich die Bundeswehr aus Heer und Luftwaffe zusammen.
Foto: Bundeswehr/Andrea Bienert
Kann man sich bei der Bundeswehr eigentlich auch beruflich weiter bilden?
Ja — über eine Vielzahl ausgezeichneter Möglichkeiten. Die Bundeswehr ist Ausbildungsbetrieb für viele staatlich anerkannte Berufe. Soldatinnen und Soldaten können sich in ihrem zuvor erlernten Beruf höher qualifizieren, oder aber einen Beruf erlernen. Das kann ein Abschluss als Geselle oder Facharbeiter oder eine Weiterqualifizierung zum Meister sein. Ab bestimmten Laufbahnen und Verpflichtungszeiten kann bei der Bundeswehr auch studiert werden — noch dazu bei vollem Gehalt und idealen Studienbedingungen. Am Ende einer Verpflichtung bei der Bundeswehr hat jeder Soldat die Möglichkeit, sich für den Übergang in ein ziviles Berufsleben weiter zu qualifizieren. Der Berufsförderungsdienst berät jeden individuell und arbeitet dabei eng mit der Wirtschaft zusammen.
Würden Sie mir drei Gründe nennen, die den Freiwilligen Wehrdienst heute attraktiv für den Einzelnen und wertvoll für die Gesellschaft machen? Wenn SIE noch einmal jung wären: Was würde Sie zu einem freiwilligen Wehrdienst motivieren?
Erstens, weil man gutes Geld verdienen kann. Das darf man ruhig sagen, denn das ist attraktiv. Zweitens, weil man in dieser Zeit Verantwortung für unsere Gesellschaft und unser Gemeinwohl übernehmen kann und den Arbeitgeber kennenlernt, ohne sich gleich länger „verpflichten“ zu müssen. Kameradschaft zu erfahren, Mitglied in einem starken Team zu sein, auch seine eigenen Grenzen zu erfahren und mit seinen Aufgaben zu wachsen, das prägt und das bereichert auch für später. Und drittens durch dieses freiwillige Engagement etwas Gutes tun zu können und seinem Land und den Menschen zu dienen und damit der Gemeinschaft auch etwas zurück zu geben. Eben nicht die Errungenschaften und die Freiheiten, die wir in Deutschland genießen, als selbstverständlich anzunehmen, sondern etwas zu tun für unser Land. Das würde mich reizen.
Und nun noch drei Gründe für den Soldatenberuf insgesamt?
Erstens treten Soldat aktiv für Frieden und Freiheit in der Welt und für die in unserer Verfassung verankerten Werte und Grundrechte ein. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit unseres Landes. Besser kann berufliches und persönliches Engagement nicht begründet sein.
Zweitens ist kaum ein Beruf so vielseitig und bietet so viele persönliche, körperliche und geistige Herausforderungen wie der Soldatenberuf.
Drittens bietet der „Gleichschritt“ von militärischer Karriere und zivilberuflicher Qualifikation optimale Voraussetzungen für einen späteren Einstieg in den zivilen Arbeitsmarkt.
Wie können Jugendliche sich genauer über die vielfältigen Angebote der Bundeswehr informieren?
Den unverbindlichen Wehrdienstberater und weitere Informationen kann man auf der Karrierewebsite oder unter der kostenlosen Karrierehotline finden. Es gibt viele Möglichkeiten, sich ganz individuell beraten zu lassen.



der Rubrik Interview



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