Flix, im bürgerlichen Leben Felix Görmann, beschäftigt sich seit er 16 Jahre alt ist mit Comics. Foto: Privat.

Das denken wahrscheinlich viele, die am ehemaligen Mauerstreifen in Berlin vorüber gehen. Comiczeichner Flix erzählt Schekker, warum er den Satz zum Titel seines neuen Comics gemacht hat.


Schekker: Kannst du kurz beschreiben, worum es in deinem neuen Buch „Da war mal was“ geht?

Flix: Das Buch ist eine Sammlung von Erinnerungen junger Menschen, die zwischen Ende 20 und Ende 30 sind. Es sind Erinnerungen aus der Zeit, als in Deutschland die Mauer noch stand.

Schekker: Welche Geschichte aus dem Buch ist deine Lieblingsgeschichte?

Flix: Beim Recherchieren war die intensivste Geschichte die von Mario. Ihn habe ich zufällig im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen kennengelernt. Er saß dort mal ein und jetzt macht er Führungen und erzählt aus seiner Zeit als Häftling. Ich bekam einen kleinen Einblick, was er alles erlebt hat und wie die DDR funktionierte. Ich komme aus dem Westen und durch Mario bemerkte ich, dass die DDR nicht der fröhliche Staat mit den lustigen kleinen Autos war, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte. Es war schwer, Marios Geschichte in einer zwölf Bilder umfassenden Comic-Episode zusammen zu fassen.

Schekker: Was hat dir Mario erzählt?

Flix: Mario verliebte sich 1986 in einen jungen Mann, der aus dem Westen kam und im Osten zu Besuch war. Irgendwann wollte Mario seine Liebe besuchen und versuchte über die Grenze in Ungarn zu fliehen. Doch er wurde aufgegriffen und der DDR übergeben. Er saß mehrere Monate in Hohenschönhausen ein, wurde verhört, gefoltert und extremem psychischen Druck ausgesetzt bis die BRD ihn frei kaufte. Als er dann endlich im Westen angekommen war, stellte sich heraus, dass seine große Liebe Frau und Kinder hatte und es damals einfach nur aufregend fand, sich mit einem jungen Mann im Osten zu treffen. Das war hart für Mario.


Vom Papageien, der einst den falschen Satz imitierte. Comicepisode: Flix.

Schekker: Gab es auch irgendeine lustige Anekdote bei der Vorbereitung auf den Comic?

Flix: Jemand hat versucht, seinem Wellensittich Sprechen beizubringen, und zwar sozialistische Parolen wie „Immer bereit“ oder „Freundschaft!“. Das einzige, was der Vogel nachher sagen konnte, war: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“. Er schrie es vom Balkon.

Schekker: Wie waren denn die Reaktionen auf deinen Comic?

Flix: Ich war völlig überrascht, sie waren positiv. Ich habe das Gefühl, die Menschen haben nur darauf gewartet, dass jemand das Thema Mauerfall mal nicht in streng historischen Berichten veröffentlicht. Bei mir ist die Geschichte der jungen Generation dran, denn die ist bisher kaum zu Wort gekommen.

Schekker: Deine Comic-Episoden hängen ja auch in einer Ausstellung in Berlin.

Flix: Es ist interessant zu sehen, wie viele Leute in der Ausstellung stehen bleiben und durch den Comic Zugang zu dem Thema finden. Hoffentlich geht bei dem Einen oder Anderen ein gedanklicher Prozess los und sie erkennen: „Ach, ja, da war mal was!“

Schekker: An was kannst du dich denn beim Mauerfall erinnern?

Flix: Als die Mauer fiel, bekam ich das zwar mit, begriff aber nicht, dass das ein historischer Moment war, obwohl ich schon 13 Jahre alt war. Wenig später hatte mein Klassenkamerad Mauerstückchen und einen kleinen Trabi aus Plaste. Ich fand das super und wollte es auch haben. Ich glaube viele Leute in meinem Alter nahmen den Mauerfall nicht als historisches Ereignis wahr. Seitdem ich in Berlin wohne, beschäftige ich mich allerdings intensiv mit diesem Ereignis. In dieser Stadt kommt man an dem Thema nicht vorbei.

Schekker: Ist ein Comic überhaupt die richtige Form für so ein schweres Thema?

Flix: Man könnte das auch als Film machen, mit kleinen Episoden oder als Roman, der Meinungen von verschiedenen Leuten aneinander reiht. Der Vorteil des Comics ist, dass ich eine Geschichte anders erfahren kann, als wenn ich nur lese und die Bilder in meinem Kopf entstehen müssen. Gleichzeitig habe ich mehr Gedankenspielraum als im Film, der mir genau vorgibt, welche Bilder ich wann zu sehen habe. Ich habe jeder Geschichte eine andere Farbe gegeben, die den Leser in eine bestimmte Stimmung versetzt.

Schekker: Welche Geschichte hast du denn der Farbe Rot zugeordnet?

Flix: Rot war die beliebteste Farbe. Zu ihr gibt es mehrere Geschichten. Da habe ich einmal die Geschichte von Oliver, der versuchte Literatur zu seiner Freundin in den Osten zu schmuggeln, dann die Geschichte von Alex, der seine Urgroßmutter in einem Ostberliner Altenheim besuchte und die Geschichte von Jakob, dessen Vater als Pfarrer Reisen zu einer Partnergemeinde im Osten organisierte. Ich habe aber nicht versucht, den Farben politische Bedeutungen zuzuordnen. Es sollen eher emotionale Farben sein.

Weitere Comicepisoden und Informationen zum Buch "Da war mal was" findet ihr hier.
Der Flix und seine Arbeit werden hier vorgestellt.

Schekker: Was planst du als nächstes?

Flix: Ich sitze schon wieder fleißig am Zeichentisch und produziere für die FAZ eine Comicreihe. Dort beschäftige ich mich zum zweiten Mal mit Goethes Faust. Danach werde ich sehen, wie es weitergeht. Ich habe zwar ein bis zwei Ideen, weiß aber noch nicht konkret, was ich dann machen werde.

Schekker: Aber bestimmt weiter zeichnen.

Flix: Auf jeden Fall. Ich kann gar nicht anders.

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