Anja, 19, findet, dass es in der DDR sozialer zuging als heute. Sie kommt ursprünglich aus Neustadt in Sachsen und wohnt jetzt in Offenburg Was sie sonst noch über die Deutsche Demokratische Republik denkt, erzählt sie hier:
An die Behandlung der DDR im Unterricht kann ich mich nicht mehr klar erinnern, aber ich denke nicht, dass es einen größeren Stellenwert eingenommen hat, als die anderen Themen. Für mich persönlich gewinnt die Problematik sowieso erst dann an Bedeutung, wenn mir meine Eltern davon erzählen. Dabei kann ich mir auch das meiste merken. In der Schule hatte es für mich nie diese Wichtigkeit.
Ich weiß, dass die eine Hälfte Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg von den Russen besetzt worden ist und die andere von den Amerikanern. Da die beiden sich nicht einigen konnten, haben sie das Land geteilt. Für exaktere Sachen müsste ich jetzt nachschlagen, aber ich kann mich noch erinnern, dass die Deutschen sehr überrascht darüber waren, dass da von heute auf morgen eine Mauer stand.
Nicht alles sofort bekommen
Generell war damals vieles anders. Jeder hat Ausbildung und Arbeit direkt in der Nähe seines Wohnortes bekommen. Auch gab es nicht alles, was man gerade haben wollte, zu jeder Zeit. Ein Umstand, den ich persönlich gut finde. Ich meine da nicht diese Extremfälle, wie etwa 18 Jahre Warten auf einen Trabi. Aber ich meine, es ist beispielsweise für Kinder besser, wenn sie nicht immer sofort bekommen, was sie wollen.
Natürlich gibt es auch Dinge, die an der DDR nicht gut waren: Die Nachrichtenzensur, die Stasi, die Mauer und das Reiseverbot gen Westen. Jedoch sind diese Nach- und Vorteile meiner Meinung nach "normale" Folgen und Maßnahmen in einer Planwirtschaft.
Sicher wäre es eine interessante Erfahrung gewesen, in der DDR gelebt zu haben, aber direkt dazu hingezogen, fühle ich mich nicht. Ich weiß gar nicht, wie es zu der Zeit damals wirklich „live“ zuging, daher kann ich nicht sagen, ob ich damals lieber gelebt hätte als heute.
Exotisches Ostdeutschland
Die DDR ist in Form von Merchandising und Filmen noch immer irgendwie da, was ich aber gut finde. Die Filme beispielsweise zeigen den Westdeutschen, aber auch der Jugend, die nicht mehr mit der DDR aufgewachsen ist, ein Stück Geschichte und das Leben in der Vergangenheit. Ich kann daran nichts Schlechtes sehen, solange keine Fakten falsch dargestellt werden.
Das Merchandising wie Ampelmännchen-Shirts oder Eierbecher in Hühnerform wird ja eher von Ostdeutschen gekauft. Ich finde, dass sich darin ein wenig Heimatstolz zeigt, oft ist es aber auch etwas übertrieben und arg kommerziell. Westdeutsche kaufen sich sowas wahrscheinlich eher mit demselben Anreiz, mit dem sie auch französischen Käse kaufen. Sie kennen es nicht, es ist exotisch und deswegen reizvoll.



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