Gewalt ohne Perspektive: „This is England“ zeichnet das Porträt einer Gruppe britischer Skinheads. Der Film zeigt eine verlorene Generation voller gesellschaftlicher Unsicherheit.
Der Falklandkrieg zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien ist vorbei. Wir befinden uns im England des Jahres 1983. Unter den Gefallenen ist der Vater des 13-jährigen Shaun. Seiner nun allein erziehenden Mutter fehlt das Geld. Shaun kann sich keine ordentliche Kleidung leisten und wird deshalb zum Opfer für Mobbingattacken.
Als Ventil für schlechte Laune besitzt der Einzelgänger nur eine kleine Steinschleuder. Doch bald freundet er sich mit dem charismatischen Woody und seiner Gruppe von Skinheads an. Dort findet Shaun Akzeptanz und Anerkennung.
Jetzt wird’s ernst
Das ehemalige Gangmitglied Combo spaltet die Gruppe mit rechtsradikalen Ansichten und seiner extremen Gewaltbereitschaft. Combos Energie beeindruckt Shaun. Der Junge sieht in ihm eine neue Vaterfigur und folgt ihm zunächst blind.
Combo führt die Gruppe immer mehr in die Fremdenfeindlichkeit und Kriminalität. Die Situation droht immer weiter zu eskalieren, bis die Gruppenmitglieder sogar aufeinander losgehen. Das Ende des Films bedient sich einer großen Symbolhaftigkeit: Shaun versenkt als Zeichen seiner Abkehr vom Nationalismus die englische Flagge im Meer.
Ohne Schnickschnack
Lust bekommen auf diesen Film? Wir verlosen zu jedem besprochenen Film und Buch drei Exemplare. Macht mit! Hier geht es zum Gewinnspiel...
Die Handlung ist spannend. „This is England“ kommt deshalb ohne weiteren Schnickschnack wie Zeitsprünge oder parallele Handlungsstränge aus. Special Effects gibt es hier nicht. Regisseur Meadows legt Wert auf eine schlichte Bildsprache, um die Aufmerksamkeit auf die Handlung und die Rollen zu lenken. Letzteres zeigt sich besonders in der Figur des Combo. Stephen Graham macht aus dem rassistischen und gewalttätigen Combo keinen Stereotypen, sondern verleiht der Figur einen Charakter voller Ambivalenzen.
Meadows zeigt durch sein zeitgerechtes Kostüm- und Kulissenbild ein Auge für Details. Auch der Einbau von dokumentarischen Aufnahmen des Englands der 80-er Jahre und die differenzierte Darstellung der Skinheadszene lässt den Film vor allem mit Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit überzeugen.
Kein Fast-Food
Achtung: Bitte seht euch diesen Film in der Originalsprache an! Die Jugendsprache und die Dialekte aus den verschiedenen Teilen Englands kann man nur schwer ins Deutsche übersetzen.
„This is England“ ist schwer verdauliche Kost und nichts für nebenbei. Schaut euch diesen wirklich guten Film in Ruhe an. Und: „In English, please!“
„This is England“, Regie: Shane Meadows, Ascot Elite Home Entertainment, 8,99 Euro






der Rubrik Rezension



Neuen Kommentar schreiben